Aufstand der Armen Europas droht

Das Internationale Rote Kreuz warnt vor Protesten, die denen des »Arabischen Frühlings« ähneln

21.01.13
Bis jetzt protestieren sie friedlich: Demonstrationen gegen die Sparprogramme in Spanien. Bild: pa

Während EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in der Euro-Krise das Schlimmste für überwunden hält, laufen beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) die Vorbereitungen für einen neuen humanitären Großeinsatz. Nicht Haiti oder Afghanistan gilt als nächster Krisenherd, sondern Europa.

Für deutsche Ohren waren es ungewohnt deutliche Worte, die Yves Daccord, der Leiter des  IKRK, in der dänischen Zeitung „Politiken“ unlängst angeschlagen hat. „Unsere Analyse ist, dass es in den nächsten zwei bis vier Jahren sehr schwer wird in Europa. Wir müssen bereit sein.“ Befürchtet wird beim IKRK nichts anderes, als dass die Situation in den Krisenländern Südeuropas zu Explosionen führt, die ähnlich den Revolutionen in Nordafrika sind. „Ich möchte hier klarstellen, dass ich nicht damit rechne, dass es in Europa einen Bürgerkrieg wie in Syrien geben wird. Ich rechne also nicht damit, dass es in Europa zu einem vollumfänglichen Krieg kommen wird, aber ich glaube, dass wir uns hier auf Gewalt einstellen müssen“, so die Warnung  des Schweizer Chefs des IKRK. Der Anlass für seine düstere Prognose waren alarmierende Berichte über soziale Notlagen, die aus europäischen Niederlassungen des IKRK im Laufe des Jahres 2012 eingetroffen sind.
Was sich in Teilen der Euro-Zone anbahnt, wird mit Blick auf Spanien deutlich. Hier hilft das Rote Kreuz inzwischen mehreren Millionen Menschen – 300000 von ihnen gelten sogar als „extrem gefährdet“ – sie würden ohne Hilfe überhaupt nicht mehr über die Runden kommen. Welche soziale Sprengkraft sich aufbaut, lassen die spanischen Arbeitslosenzahlen erahnen. Mit über 26 Prozent steht Spanien für die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Das ist allerdings nicht der einzige unrühmliche Rekord. Spanien und Griechenland wiesen 2012 die höchsten Arbeitslosenquoten auf, die von der Uno weltweit überhaupt statistisch erfasst wurden.
Die Rekordarbeitslosigkeit ist allerdings nur ein Teil einer brisanten Mischung, die zusätzlich aus Überschuldung, zwangsgeräumten Immobilien und am Ende aus regelrechter Verelendung besteht. Nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes wird in Spanien nur noch für weitere sechs Monate ein Sozialgeld von rund 400 Euro gezahlt, danach stehen Betroffene ohne staatliche Hilfen da und erhalten bestenfalls gelegentlich Lebensmittelpakete. Die Folge: Sozialverbände schätzen, dass von den 47 Millionen Spaniern mittlerweile bis zu acht Millionen auf Armenküchen, Sozialeinrichtungen oder den Rückhalt ihrer Familien angewiesen sind. Ähnlich ist die Lage in Griechenland, wo das dortige nationale Rote Kreuz mittlerweile vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Nach milliardenschweren Rettungspaketen, Reformversprechen und Sparrunden gehen selbst offizielle Schätzungen davon aus, dass mittlerweile mehr als ein Drittel der Griechen in Armut lebt. Suppenküchen und bargeldloser Tauschhandel sind für Teile der Bevölkerung inzwischen zum Alltag geworden.
Wie in Spanien droht in Griechenland die Jugend zum gesellschaftlichen Sprengsatz zu werden. In beiden Ländern ist mittlerweile die 50-Prozent-Marke bei der Jugendarbeitslosigkeit deutlich überschritten, in Italien beträgt die Quote inzwischen auch mehr als 30 Prozent. Das Gewaltpotenzial, das sich aufbaut, wenn jeder zweite oder dritte Jugendliche ohne Arbeit ist, dürfte sich früher oder später entladen – zumal eine Besserung der Lage nicht in Sicht ist.
Das Festhalten an der gescheiterten Einheitswährung Euro versperrt den Weg, mit dem in der Vergangenheit erfolgreich die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt wurde: Durch Abwertung einer eigenen nationalen Währung. Unter dem Euro bleibt nur die „innere“ Abwertung: durch Entlassungen, Lohnkürzungen und Einsparungen. Die verheerenden Resultate dieser „Therapie“ sind mittlerweile in Spanien und Griechenland immer deutlicher zu sehen. Am Ende könnte der Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ eine ganz andere Bedeutung bekommen, als sich dies Bundeskanzlerin Merkel vorgestellt hat. Mit dem Festhalten am Euro scheitert Europa.
Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) ist mit seiner Befürchtung, dass Europa auf soziale Unruhen und Revolten zusteuert auch nicht allein. US-Hedgefondsmanager Kyle Bass dürfte vielen Normalbürger kaum ein Begriff sein, unter Investoren hat seine Meinung allerdings einiges Gewicht. Sowohl die US-Subprime-Krise als auch die Euro-Krise hat Bass treffsicher kommen gesehen. Er gibt – im Gegensatz zu EU-Kommissionschef Barroso – der Euro-Zone mittlerweile keine Zukunft mehr. Noch größere Probleme sieht er im globalen Maßstab für die nächsten Jahre. Die weltweit aufgehäuften Schuldenberge sind seiner Meinung nicht mehr beherrschbar. Die an den Kreditmärkten umlaufenden Schulden hätten ein Ausmaß von 340 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung erreicht, unter einer solchen Bürde habe die Menschheit noch niemals Frieden wahren können, so Kyle Bass. Seine Prognose: Soziale Spannungen werden manche Gesellschaften regelrecht zerreißen. Damit nicht genug. „Das endet im Krieg“, so seine Befürchtung: „Ich weiß nicht, wer gegen wen kämpfen wird, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass in den nächsten Jahren Kriege ausbrechen werden, und nicht nur kleine.“  
Norman Hanert


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Kommentare

ich du:
24.05.2013, 22:32 Uhr

Wir sind der Staat!!


Michael Kühn:
7.05.2013, 11:10 Uhr

Ich sehe für Europas Zukunft schwarz: - Ich hatte bereits auf einer anderen Plattform geschrieben, dass ich als Deutscher in der BRD, weit über 30 Jahre recht üppig in die staatl. Rentenkasse eingezahlt habe. -Arbeitgeberinsolvenz 12 Monate ALG 1, KEIN HARTZ IV, weil zuerst das Hauschen + Ersparnisse + Lebensversicherung verwendet werden müssen... - daher habe ich angekündigt, wenn mir der Sinn danach steht, werde ich spätestens in meiner Altersarmut eine Bank oder Supermarkt, mit einem Rollator/Krückstock "bewaffnet" überfallen.- Ich kann doch nur noch gewinnen... z. B. ein Dach über dem Kopf, med. Hilfe, 3 Mahlzeiten am Tag... Knast ist besser, als die Parkbank im Winter !!!


Hans-Joachim Schulze:
6.05.2013, 18:18 Uhr

Wie wäre es,wenn man mal die "NPD" wählen würde.Die NPD ist ja die einzigste Partei,die schon immer gegen den Euro ist.


Manfred Welling:
3.05.2013, 11:33 Uhr

das Problem mit Schulden sind die Zinsen, die Frage ist immer, kann ich die Zinsen aus dem laufenden Einkommen tragen, und weiter habe ich entsprechende Vermögenswerte?
wenn ich 2Mio in Immoblien besitze 80.000€ Mieteinnahmen erziele können 1 Mio Schulden zu 2% =2000€ steuerlich absetzbare Zinsen nicht kratzen,
bin ich Geringverdiener und habe 100000€ Schulden zu 12%, werden die mich erledigen.
Also die absolute Schuldenhöhe sagt nichts über die wirtschaftliche Lage aus , auch nicht 340% des Bruttosozialprodukts.


Gottfried Mueller:
14.02.2013, 22:09 Uhr

Die Wähler wollten in Niedersachsen etwas festhalten,
50 Jahre Sozialstaat usw., aber demnächst kommt die ganz große Rechnung.
BT Wahl 13, der große Hammer


Klaus-Dieter Neumann:
24.01.2013, 15:30 Uhr

Die nach wie vor beschämende Wahlbeteiligung sowie das Wahlergebnis der Niedersachsen-Wahlen lassen mich doch sehr am Verstand der Wahlberechtigten zweifeln.Scheinbar geht es "uns" immer noch zu gut...


Elke Fein:
23.01.2013, 23:26 Uhr

Wie wäre es, anstatt zu jammern, selbst etwas gegen die Misere zu tun?!!! Zum Beispiel bei der Wahlalternative 2013 - damit Europa nicht am Euro scheitert!
www.wa2013.de


Gerda B.:
23.01.2013, 10:41 Uhr

WIR SIND DAS VOLK


Andreas Luck:
22.01.2013, 18:47 Uhr

Der siechende verarmte quasi-entrechtete Mob und die arbeitslosen Jugendlichen (GR 50%, ES/I 30%, F 25%) ohne jede realistische Perspektive werden sich eines Tages "auf den Weg" durch die Städte machen. Was haben sie auch zu verlieren? Und wen werden die korrupten einheimischen Politik"Eliten" ihnen dann als Schuldigen präsentieren? Als Urheber ihres ganzen Elendes? Wegen wem mußten sie sooo "sparen"? Während derjenige in Saus und Braus lebt, da er vom Euro "am meisten profitierte"? Dreimal dürft Ihr alle raten ...


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