Ausgespäht in Fernost

Spionage, Schikane, Unterwanderung – Deutsche Unternehmen haben es in China zunehmend schwer

30.01.18
Einheimischer Mitarbeiter in einem BMW-Werk: 1,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen Bild: Imago

Rund um die Welt haben die Qualitätsprodukte made in Germany einen guten Ruf. Dennoch  tut sich die Außenhandelswirtschaft zunehmend schwer. Patriotismus und Protektionismus liegen im Trend. Die Willkommenskultur für den deutschen Wettberwerber sinkt viellerorts gegen Null. Das gilt nicht für Donald Trumps „America-First“-Politik. Vor allem China bereitet den Außenhandelsexperten zunehmend Sorgen.

Einst war es das fernöstliche Traumland der deutschen Wirtschaftsbosse. Unerschöpflich wie die Fluten des Jangtsekiang schien die Zahl der billigen und fleißigen Arbeitskräfte. Wage wie die Sprüche in einem Glückskeks klangen die Umweltauflagen. Unbeschwert wie beim asiatischen Neujahrsfest feierten Chinas Konsumenten ihre neue Warenwelt, die ihnen da nach Jahren der kommunistischen Tristesse entgegenfunkelte.
Auch heute noch sind die wirtschaftlichen Kennzahlen beeindruckend: Rund 5200 deutsche Firmen sind in China tätig. Sie haben dort 1,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. 2016 war das Land erstmals vor den USA Deutschlands wichtigster Handelspartner. Waren im Werte von beinahe 170 Milliarden Euro wurden ausgetauscht. Für 2017 werden Zahlen in ähnlicher Größenordnung erwartet. Allein der Volkswagen-Konzern verkaufte im vergangenen Jahr rund 3,2 Millionen seiner Autos in China. Ein Umsatzrekord, der das vom Dieselskandal geplagte Unternehmen auch 2017 zum weltgrößten Autohersteller werden ließ.
Dennoch verschlechtern sich derzeit die Geschäftsbedingungen für deutsche Unternehmen rapide. Für Alarmstimmung sorgt unter anderem ein Bericht der Germany Trade and Invest (GTAI). Die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, so der deutsche Name, ist ein Ableger des Wirtschaftsministeriums. Aufgabe ist es unter anderem Unternehmen zu beraten, die im Ausland investieren möchten. Ein weltweites Korrespondentennetz hilft bei der Informationsbeschaffung. Aus China vermelden die Informanten derzeit vorwiegend Negatives: „Beschwerden über Handelshemmnisse und den vom chinesischen Staat erzwungenen Tausch von Technologie gegen Genehmigungen häufen sich. Unternehmensvertreter klagen zudem über das Verbot von Firmenübernahmen, verzögerte Produktzulassungen oder das lange Aufhalten ihrer Ware beim Zoll“, heißt es im jüngsten GTAI-Bericht. Noch alarmierender: „Gleichzeitig dringt die einheimische Konkurrenz in angestammte Hightech-Bereiche deutscher Firmen vor. 35 Prozent der befragten deutschen Unternehmen halten es für wahrscheinlich, dass ein chinesischer Wettbewerber innerhalb der nächsten fünf Jahre in ihrer jeweiligen Branche die Innovationsführerschaft übernimmt. Neue Gefahren von ungewolltem Abfluss von Know-how entstehen etwa durch den verstärkten Zugriff des chinesischen Staates auf den Datenverkehr.“
So gehören Internet-Probleme derzeit zu den größten Ärgernissen deutscher Unternehmen im China-Geschäft. Zwar können die Menschen innerhalb des Landes ultraschnelle Online-Verbindungen nutzen. Datenströme, die aus dem Land herausführen, fließen dagegen oft extrem langsam. Ob dabei von staatlicher Seite auch Firmengeheimnisse abgefischt werden, weiß niemand. Bislang behalfen sich ausländische Unternehmen mit Spezialsoftware, dem Virtual Private Network (VPN), das auch eine verschlüsselte Kommunikation ermöglichte. Nun sollen die VPNs zum Frühjahr hin verboten werden. Staatschef Xi Jinping spricht von der „Internet-Souveränität“, die es durchzusetzen gelte.
Einige besonders eifrige Netz-Kontrolleure sind wohl bereits vorgeprescht: „Wir haben die ersten Firmen, bei denen sie das Internet einfach abgestellt haben“, erklärte Niels Behrens, Inhaber der IT-Firma IBB in Shanghai, dem Deutschlandfunk. Behrens fassungslos: „Erst mal gibt es gar keine Begründung. Man steht im Dunkeln. Internet ist weg. Man ruft beim Provider an und der sagt: ‘Ja, wir haben festgestellt, Ihr benutzt ein VPN. Das ist nicht legal. Wir haben Euch abgeschaltet’.“
Staatliche Aufpasser agieren aber nicht nur von außerhalb, sondern versuchen zunehmend, in den ausländischen Firmen selbst an Einfluss zu gewinnen. Chinas Kommunistische Partei (KP) spielt dabei eine wichtige Rolle. Nach chinesischem Gesetz können Unternehmen verpflichtet werden, Parteizellen einzurichten. Deren Mitglieder werden üblicherweise von den Firmen selbst bezahlt, leiten ihre Berichte aber an die KP-Führung weiter. Inzwischen gibt es immer mehr Fälle, in denen die zumeist strammen Parteikader ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen einfordern. Der Flugzeugbauer Airbus bestätigte gerade, auf Drängen der Provinzregierung in Heilongjiang im Nordosten des Landes eine Parteizelle in einer örtlichen Fabrik eingerichtet zu haben. Der Einfluss des Gremiums sei aber „auf eine beratende Funktion“ begrenzt, teilte der Konzern beschwichtigend mit.
„Nahe am Wasser kennt man das Wesen der Fische, nahe an den Bergen kennt man den Gesang der Vögel“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Die Beobachter, Aufpasser und Einflussnehmer aus dem Reich der Mitte haben, scheint es, ihre Standorte sowohl hier als auch dort, und sie verstehen ihr Wissen bestens zu nutzen. Die GTAI warnt in einem weiteren aktuellen Bericht: „In den vergangenen Jahrzehnten fand eine enorme Verschiebung der internationalen Warenströme statt. Die Marktanteilsgewinne Chinas zeigen sich mittlerweile in allen Kernbranchen der deutschen Exportwirtschaft, da die Volksrepublik bemüht ist, in Branchen mit höherer Wertschöpfung vorzudringen. Für viele deutsche Unternehmen gehören chinesische Firmen bereits zu den wichtigsten Wettbewerbern.     Frank Horns


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Kommentare

w. Endrich:
1.02.2018, 20:53 Uhr

Das war doch vor 20 Jahren schon bekannt, in vielen Details. Schnelle Profite machen, für einen Bonus, und Null Verstand auch bei Politikern das ist das Übel


Petra Wilhelmi:
30.01.2018, 14:42 Uhr

Das war doch schon lange absehbar. Vor Jahren habe ich schon gesagt, dass der Tag kommen wird, wenn genügend Blaupausen in China sind, das gesagt wird: Chinesen kaufen chinesische Autos. Diese Entwicklung ist folgerichtig. Es denken eben nicht alle so von jetzt auf gleich wie die Europäer. Chinesen denken langfristig. Die Deutschen sind ja so dumm nicht davon gelernt zu haben, was Japan einstens gemacht hat.


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