Berlin wächst − ins Chaos

Auf dem Weg zur Dritte-Welt-Metropole? Bevölkerungszunahme überfordert die Stadt

30.10.16
Der öffentliche Raum verkommt: Berliner Straßenszene zwischen den Stadtteilen Reinickendorf und Gesund­brunnen Bild: Imago

Die Wahl des Regierenden Bürgermeisters von Berlin zum deutschen Delegationsleiter beim UN-Städtekongress Habitat III und ein kräftiger Anstieg der Bevölkerungszahl sprechen zunächst einmal dafür, dass Berlin vor einer großen Zukunft steht. Tatsächlich droht der deutschen Hauptstadt der Abstieg.

Während viele Kommunen in Deutschland über schrumpfende Bevölkerungszahlen klagen, scheint der Zuzug nach Berlin immer mehr Fahrt aufzunehmen. Nach Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg waren im vergangenen Juni mehr als 3,65 Millionen Menschen in der deutschen Hauptstadt gemeldet.
Bereits vor einiger Zeit konnte die Statistikbehörde bekannt geben, dass Berlin erstmals seit 1944 wieder mehr als 3,5 Millionen Einwohner hat. Laut einer Schätzung des Senats scheint es inzwischen sogar möglich zu sein, dass  Berlins Einwohnerzahl bis zum Jahr 2020 in den Bereich der Vier-Millionen-Marke ansteigt.
Sieht man sich die Zuzugsahlen genauer an, wird allerdings deutlich, dass die Metropole kaum von einer innerdeutschen Wanderungsbewegung profitiert. Als Grund für das beschleunigte Bevölkerungswachstum wird stattdessen der Umstand genannt, dass mittlerweile viele „Flüchtlinge“ in die Statistik einfließen. Ins Bild passend bilden inzwischen Syrer − nach Türken, Polen und Italienern − die viertgrößte nichtdeutsche Bevölkerungsgruppe in der Hauptstadt. In der Politik unbestritten ist, dass auf Berlin damit große Herausforderungen zukommen.
Bereits im Vorfeld der Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September hatte Berlins SPD-Chef und Bürgermeister Michael Müller als Marschrichtung ausgegeben, die Stadt müsse in vielen Bereichen mitwachsen, „damit das wachsende Berlin menschlich bleibt“. Ob dies tatsächlich gelingt, ist fraglich. So dürfte der größte Teil der Zugezogenen aus Syrien, Afghanistan oder Nordafrika auf dem Arbeitsmarkt keine guten Chancen haben. Schon jetzt klebt an Berlin dauerhaft das Etikett, Deutschlands „Hartz-IV-Hauptstadt“ zu sein.
Laut einer Bertelsmann-Studie leben in Berlin 32,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Elternhäusern, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Ebenso brisant sind die Zahlen einer Senatsvorlage der alten rot-schwarzen Koalition. Demnach verfügt jeder siebte Berliner nur über ein monatliches Nettoeinkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze, die in Berlin bei 841 Euro Monatseinkommen liegt. Mit 25,9 Prozent liegt das Armutsrisiko bei Einwanderern zudem deutlich über dem Berliner Durchschnitt.
Erschwerend kommt hinzu, dass Berlin kaum Voraussetzungen mitbringt, eine wachsende Bevölkerungszahl überhaupt zu bewältigen. Die Zustände auf den Bürgerämtern haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und deutlich gemacht, dass die Verwaltung an der Spree ein Sanierungsfall ist. Der Personalbestand ist derart ausgedünnt, dass es „vielerorts niemanden mehr gibt, der Bauanträge oder Pläne bearbeiten kann“, so die Einschätzung eines kundigen Beobachters.
Der öffentliche Dienst ist dazu auch noch überaltert. Schon bis zum Jahr  2023 werden altersbedingt 27800 Vollzeitstellen frei, die mit geeigneten Bewerbern neu besetzt werden müssen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Konkurrieren muss das Land nämlich mit dem Bund und Brandenburg, die Beamten deutlich bessere Bedingungen bieten.
Nicht erkennbar ist zudem, wie Berlin die Investitionen in die Infrastruktur stemmen will, die durch steigende Bevölkerungszahlen notwendig werden. Die Stadt hat nicht nur einen Schuldenberg von 59 Milliarden Euro angehäuft, sondern auch einen immensen Sanierungsbedarf an Straßen und Schulen. Skeptisch zu sehen ist daher Müllers Ankündigung, mit „jedem verfügbaren Euro“ innerhalb weniger Jahre den Bau zehntausender preisgünstiger Mietwohnungen zu fördern.
Nicht geringer als die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt ist ein anderes Problem für die Berliner: Sie sind immer stärker von Alltagskriminalität und der Ausbreitung rechtsfreier Räume betroffen. Wie unlängst bekannt wurde, ist die Polizei im Kampf gegen den von Schwarzafrikanern dominierten Drogenhandel im Görlitzer Park weitgehend gescheitert (die PAZ berichtete). Wie in dem Park haben sich auch an diversen anderen Brennpunkten arabische und schwarzafrikanische Asylbewerber als feste Größen in der kriminellen Szene der Hauptstadt etabliert.
Alles in allem steht die deutsche Hauptstadt vor einem fatalen Mix an ungelösten Problemen, der Berlin in einen „gescheiterten Staat“ verwandeln könnte, der unverzichtbare Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Indes ist zu befürchten, dass nicht nur Berlin vor einer derartigen Zukunft steht. Ein unlängst bekannt gewordenes Video des US-Pentagon hat ein sehr düsteres Zukunftsbild von großen urbanen Räumen weltweit gezeichnet. In dem Material der US-Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung ist mit Blick auf das künftige Agieren in sogenannten Megacitys die Rede von „Massen von Arbeitslosen“, „kriminellen Netzwerken“ sowie „religiösen und ethnischen Spannungen“. Ein Szenario, das auch Berlin zu drohen scheint.      Norman Hanert


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Kommentare

Marcus Junge:
30.10.2016, 13:33 Uhr

Die Berliner hatten die Wahl, wie alle 4 Jahre und haben verläßlich System gewählt, dazu auch noch die richtig sozialistische Variante. Sie bekommen also was sie haben wollen.

Länderfinanzausgleich einstellen und Mauer um das Dreckloch bauen, füttern verboten, dann kommen dynamische Prozesse in Gang, welches das Problem schon lösen werden, sage ich als Brandenburger, direkt an der Stadtgrenze zu Berlin den Irrsinn beobachtent, inklusive das Wahnsinns den die Berliner "Flüchtlinge" ins Umland tragen, wenn sie sich hier ein Haus kaufen, weil Berlin so ein Dreckloch ist, welches man den eigenen Kindern nicht antun will, aber hier dann so weitermacht, wie man in Berlin aufgehört hat.

PS: "Meinen" Brandenburgern müßte man aber die gleiche Medizin verpassen, mit der Stasi-Regierung in Potsdam ...


Christian R.:
30.10.2016, 04:41 Uhr

Wie man von vielen amerikanischen Städten weiss, kann das Umkippen von Stadtteilen in Slums sehr schnell gehen. Wer es sich leisten kann, der handelt nach dem Motto "besser jetzt wegziehen und verkaufen", weil den Letzten die umherstreunenden Hunde beissen.

Es ist ein Teufelskreis. Nimmt die Kriminalität sprunghaft zu weil Polizei und Justiz nicht mehr hinterherkommen bzw zu lasch sind, dann ziehen gerade diejenigen weg die zuvor noch eine positive Vorbildfunktion oder wirtschaftliche Stimulanzwirkung hatten.

Firmen ziehen weg, es folgen geringere Steuereinnahmen, noch weniger Polizei, und wenn es ganz schlimm kommt, dann kommt es so wie in Detroit, einer Stadt die finanziellen Bankrott anmelden musste, und somit auch die Altersversorgung vieler Stadtangestellter futsch war.

Was in Detroit die niedergehende Automobilindustrie war, kann in Berlin die aufgeblasene dotCom-Branche sein.


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