»Bunt« mal ganz blass

Wie sich eine Autorin im Gestrüpp der Korrektheit verfängt, wie wir uns unsere Aufreger aussuchen, und warum die »Antifa« schwieg / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

04.11.17

Die US-Schriftstellerin Laura Moriarty macht harte Zeiten durch. Eigentlich hat sie den Roman „American  Heart“ („Amerikanisches Herz“) geschrieben, um den Rassismus und die Hartherzig der weißen US-Mehrheitsbevölkerung gegenüber Minderheiten anzuprangern und zur Besserung aufzurufen.
Die Handlung: In einer dunklen Zukunft müssen US-Moslems in Lagern leben, was die 15-jährige Ich-Erzählerin Sarah nicht weiter schert, weil sie es im Grunde sogar richtig findet. Als ihr eine iranischstämmige Jugendliche Sadaf über den Weg läuft, die aus dem Lager geflüchtet ist, will Sarah die Entlaufene denn auch gleich bei den Behörden melden.
Dann aber geschieht die wundersame Wandlung: Sadaf polt die dumme Sarah zum kritischen Geist um und beide schlagen sich gemeinsam nach Kanada durch. Aus der Gewohnheitsrassistin Sarah wurde die Retterin einer Verfolgten. Alles wurde gut, und die Leser saugen Sarahs Lektionen gleich mit auf.
„Kirkus Review“, ein Magazin für Buchbesprechungen, war hingerissen und verlieh Moriartys Band einen Stern, was als große Auszeichnung gilt. Alle waren glücklich.
Allerdings nicht lange: Kultursensible Beobachter fielen empört über das Buch, die Autorin und das Magazin her: Die Darstellung einer Weißen als Retterin, die einer Muslimin beisteht, sei Rassismus. „Kirkus Review“ reagierte, wie dies mutige Verlage in den Zeiten eben tun, wo „Zivilcourage“ aus jeder Ecke quillt: Eingeschüchtert zog man die positive Rezension von „American Heart“ zurück und nahm dem Buch den Stern wieder weg.
Moriarty ist tief getroffen. Hätte sie die Rollen vielleicht umgekehrt verteilen sollen? Muslimin rettet flüchtige Nichtmuslimin vor dem Lagerelend.
Ach, um Himmels Willen! Es wäre ihr keinen Deut besser ergangen. Denn erstens hätte sich die nichtmuslimische Autorin auf diese Weise damit angemaßt, zu wissen, wie eine Muslimin denkt und fühlt. Das nennt man „Aneignung“, was laut neuester Antirassismus-Regel ein ganz böser Verstoß gegen die akzeptablen Sitten ist. Zweitens wären dann ja Nicht-Muslime die Opfer und Muslime die Täter, welche Andersgläubige in Lager stecken. Selbst in einem Phantasie-Roman kann so etwas nicht geduldet werden und, nein, wir wollen jetzt nicht über das Schicksal der Jesiden im irakischen Sindschar-Gebirge reden und auch nicht über das „Juden ins Gas“-Geschrei, welches radikale Moslems vor drei Jahren in einer westdeutschen Großstadt angestimmt haben.
Laura Moriarty hat die Ausweglosigkeit ihrer Lage erkannt: Die Botschaft der Kritiker sei, dass sie diese Geschichte grundsätzlich nicht schreiben dürfe.
Tja, Mädel, dann schreib doch andere Sachen! Nämlich rein „weiße“ Geschichten mit ausschließlich abendländischen Darstellern für ein weißes Publikum, Punkt.
Das müsste doch gehen, oder? Ha! Autoren, die es (meist ohne gezielte Absicht) so halten, donnert der Vorwurf entgegen, dass „Minderheiten“ in ihren Erzählungen nicht vorkämen, womit ihnen ein verdeckter Rassismus untergejubelt wird.
Also am besten gar nichts mehr schreiben? Das wäre wohl die sauberste Lösung.
Der Sieg des Antirassismus zeigt sich in bleierner Stille, die nur noch von entsetzlich verrenktem Geschwurbel gelegentlich durchstoßen wird. Viele, vor allem junge Menschen, haben mittlerweile weniger Angst davor, völligen Blödsinn zu reden, als aus Versehen auf einer politisch unkorrekte Formulierung auszurutschen.
Um das zu vermeiden, muss man sich aber nicht nur seine Wortwahl genau aussuchen, sondern auch, wen man anklagt. Nachdem in den USA ein schmieriger Löffel von Filmproduzent wegen Übergriffigkeiten gegen Frauen am Pranger steht, lesen wir auch in Deutschland immer mehr über weibliche Promis, denen sich Männer, oft vor Jahrzehnten, unsittlich genähert haben sollen. Eine Welle der nachgeholten Empörung rollt durchs Land. Nur ganz klein dazwischen stören beiläufige Meldungen über Frauen, die in Parks oder an Straßen von Männern oder gleich ganzen Horden davon bedrängt, zusammengeschlagen (bis zur Krankenhausreife) oder vergewaltigt werden. Die Leipziger Polizei empfiehlt Frauen inzwischen, nicht mehr allein joggen zu gehen, nachdem dort eine über 50-Jährige am helllichten Tag Opfer einer überaus brutalen Vergewaltigung wurde.
Doch das interessiert uns eigentlich nicht so sehr. Stattdessen erregen wir uns über das Kompliment eines Botschafters a.D. an die SPD-Politikerin Sawsan Chebli. Oder über die jetzt aufgetauchte Enthüllung, dass die TV-Ansagerin Birgit Schrowange im Jahre 1983 vom ZDF-Sendeleiter die Hand aufs Knie gelegt und den Nacken gestreichelt bekam. Sagt sie zumindest. Und wir wollen das glauben.
Zumindest die Schrowange-Geschichte ist in der Tat eklig. Doch irgendwie wundert einen die riesige Aufmerksamkeit für solche Vorfälle, wenn es nahezu gleichzeitig auftauchende Nachrichten über bestialische Vergewaltigungen nur dann noch zum gesamtnationalen Aufreger schaffen, wenn die betroffene Frau dabei zu Tode gekommen ist.
Ziemlich verrutscht, unsere Wahrnehmung, nicht wahr? Sicher, wir kennen den Grund. Der Knie-Grapscher war ein Deutscher, während die Monster in den Parks fast durch die Bahn als „südländisch aussehender Typ“ oder „Schwarzafrikaner“ beschrieben werden. Gelegentlich entpuppen sich die Täter, wie neulich ein Nigerianer in München, bei ihrer Festnahme auch noch als abgelehnte Asylbewerber, die gar nicht mehr im Land sein sollten.
Stellen wir uns doch nur einen kleinen Moment lang vor, es wäre umgekehrt: In grausiger Regelmäßigkeit schössen Meldungen durch die Medien, dass schon wieder ein Deutscher eine Frau aus Afrika oder dem Orient im Park vergewaltigt, geschlagen, erniedrigt oder gar ermordet hat. Was dann wohl los wäre im Land? Was die Landsleute und Glaubensgenossen der Opfer wohl dazu sagen würden? Was die zahllosen Asylhelfer- und Antirassismusvereine?
Im bayerischen Waldkraiburg haben 80 überwiegend türkische oder türkischstämmige Menschen vor der örtlichen Erstaufnahme-Einrichtung für Asylsucher demonstriert. Anlass: Ein 37-jähriger Türke, der mit Frau und zwei Töchtern im Park gewesen war, war dort mit Asylbewerbern aus der Einrichtung aneinandergeraten. Ein Farbiger habe seine         14-jährige Tochter „angemacht“. Als er seine Familie schützen wollte, sei er mit einer Bierflasche und die Tochter mit einem Stein beworfen worden. Darauf habe sich die Familie in die nahegelegene Wohnung der Schwiegermutter geflüchtet. Zuletzt seien ihnen „30 bis 40 Blackmen“ gefolgt.
Darauf hat der Mann via Facebook zu der Demo aufgerufen, wo er forderte, „dass was gegen die Gewalt von Asylbewerbern unternommen wird“. Ein anderer Redner hat laut „Oberbayerischem Volksblatt“ gesagt, dass man von provozierenden Blicken, Pöbeleien und Lärmbelästigungen durch die Asylsucher genug habe und sich nicht mehr sicher fühle.
Eigenartig: Hätten eingeborene Deutsche (am besten: Sachsen!) auf diese Art demonstriert, wäre das bestimmt bundesweit durch die Nachrichten gegangen: „Rassistischer Mob schüchtert nach angeblichem Zwischenfall Flüchtlinge ein“ oder so ähnlich. Diesmal: nichts davon.
Und noch etwas fehlte: Wo war eigentlich die Antifa und die Initiative „Waldkraiburg ist bunt“, die wenige Tage zuvor zum großen Aktionstag „gegen den braunen Sumpf“ geladen hatte? Von denen hörte man nichts. Ach, vermutlich ist denen nur noch kein Dreh eingefallen, wie sie „deutsche Täter“ für den Schlamassel verantwortlich machen können. Sobald sie den gefunden haben, melden die sich schon.

Diese Woche in "Mensch & Zeit", dem Feuilleton der PAZ: "Die Kanzlerin gehört auf die Anklagebank - warum ein Gang zum Verfassungsgericht gute Erfolgsaussichten hätte".
Exklusiv in der Druckausgabe der Preußischen Allgemeinen Zeitung


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Andreas Nickmann:
7.11.2017, 22:44 Uhr

Es gilt als rassistisch, wenn man sagt, dass es zwischen den Völkern der Erde (also etwa Chin. u. Jap.) Unterschiede gebe.
Aber die Behauptung "Chin. u. Jap. sehen alle gleich aus" steht ebenso unter Rassismusverdacht.

Kurz u. gut: Egal, was die Weißen machen: Es ist alles falsch!


Wolf Krach:
7.11.2017, 16:43 Uhr

"Tja, Mädel, dann schreib doch andere Sachen! Nämlich rein „weiße“ Geschichten mit ausschließlich abendländischen Darstellern für ein weißes Publikum, Punkt."

Das wäre dann ja auch Benachteiligung von Minderheiten. Deshalb gibt's ja in "Lindenstraße", "Gute Zeiten" etc. überall einen Quotenn*ger, in jedem Tatort treten Türken und Russen auf - natürlich nie als Täter, nur als Unbeteiligte oder Zeugen.
Über Migranten bzw. Muslime darf man nur schreiben, wenn sie eine Geldbörse gefunden oder einen Terroristen auf der Flucht gefangen haben....

"Also am besten gar nichts mehr schreiben?"

Genau das möchte ja unser Zensurminister mit seiner angedrohten Millionenstrafe erreichen.
Schon jetzt gibt es fast keine Kommentarseite mehr mit Freischaltung des Textes ohne vorheriges "Korrekturlesen", viele Blogbetreiber werden in vorauseilendem Gehorsam zumachen, weil alleine die Gerichts- und Anwaltskosten Existenzvernichtend wären.


Arnold Schacht:
4.11.2017, 14:36 Uhr

Tja mit der politischen Korrektheit ist es schon ein Kreuz. Am besten, man ignoriert sie und steht dazu. Sonst kann man bald gar nichts mehr äußern.

Buntheit 1: Es fällt auf, dass nur Europa und Nordamerika bunter werden sollen. Keiner will den Nahen Osten oder Afrika durch Ansiedlung von weißen Christen bunter machen.

Buntheit 2: Wenn man verschiedene Kästchen mit unterschiedlichen Farben ausmalte, entsteht ein buntes Bild. Wenn man alle Farben vorher zusammenmischt, dann nicht.

Zu Sawsan Chebli: Der Botschafter ist - nehme ich an - ein älteres Semester. Er hat das noch so gelernt, dass man Damen Komplimente macht. Kann sie demgegenüber nicht Toleranz walten lassen? Vielleicht steckt was anderes dahinter. Suchen Sie mal bei YouTube nach Sawsan Chebli. Da gibt es legendäre Pressekonferenzen! Wie man sieht, kann sie ihren Posten nicht ihrer Kompetenz verdanken. Wahrscheinlich Rassismus und Sexismus. Man wollte eine Frau (Sexismus) mit Migrationshintergrund (Rassismus), am besten noch moslemischen Hintergrund. Gut, da hätte man auch eine Kopftuchtante nehmen können, aber wenn die alten weißen männlichen SPD-Granden schon zurückstehen müssen, wollte man wenigstens was fürs Auge (Sexismus). Vielleicht hatte sie gedacht, das wäre jetzt aufgeflogen.


Jürgen Umfahr:
4.11.2017, 14:34 Uhr

Danke, Herr Heckel, wieder eine glänzende Abrechnung mit den Zuständen und den Zumutungen an das Deutsche Volk.


sitra achra:
4.11.2017, 13:02 Uhr

Die türkische Familie, die von aggressiven und respektlosen Negern beleidigt wurde, hat alles getan, um ihre Ehre wiederherzustellen.
Die Deutschen hingegen sind durch kontinuierliche Gehirnwäsche umgepolt und nehmen lammfromm alle Übergriffe seelenlos hin.
Dass sie obendrein daraus noch eine Tugend machen wollen, setzt ihrer heuchlerischen Ehrlosigkeit die Krone auf.


Christian Benthe:
4.11.2017, 11:51 Uhr

Ehrlicher, offener, glasklarer Journalismus offenbart sich hier - wieder einmal. Ich hoffe, das Nischendasein solcher letzten Organe der Freiheit wandelt sich sehr bald zu einem Siegeszug der Selbstbefreiung. Der Konsument ist gefordert, er hat die Freiheit und Möglichkeit, sich richtig zu informieren. Hier bekommt er, was er zum Ändern der Verhältnisse braucht. Soll am Ende niemand jammern, wenn alles zu spät ist, die ultimative Katastrophe da ist.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.