Chinesen blasen zum Kampf

Der US-Elektroautobauer Tesla gerät immer mehr unter Druck – Konkurrenz aus Asien auf dem Vormarsch

26.06.18
Stromfresser: An den Elektroladestationen könnten sich bald die Tesla-Autos rarmachen Bild: Imago

Dem Elektroauto-Pionier Tesla machen nicht nur Produktionsprobleme beim neuen Model 3 zu schaffen. In China geht bald ein Unternehmen an den Start, das mit Hilfe westlicher Manager und massiver staatlicher Hilfe dem kalifornischen Unternehmen Tesla, aber auch den deutschen Autobauern den Kampf ansagt.

Noch halten die meisten Investoren Tesla-Chef Elon Musk die Treue. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung im kalifornischen Mountain View lehnte die Mehrheit der Aktionäre den Antrag ab, dem Firmengründer eine Doppelfunktion zu untersagen: Der Milliardär führt den Verwaltungsrat bei dem E-Autobauer, ist zudem aber auch Vorstand des Unternehmens. Der Verbleib auf beiden Posten ist für Musk ein dringend nötiger Erfolg.
Über Tesla gab es in den letzten Monaten vorzugsweise Negativ-Schlagzeilen. Vor einigen Wochen sorgten Unfälle mit dem Autopilot-Programm für Aufsehen. Erst vor Kurzem hatte Bloomberg, der einflussreiche Anbieter für Wirtschaftsnachrichten, die finanzielle Lage bei dem Elektroautobauer unter die Lupe genommen. Ergebnis der Recherchen waren Aussagen wie „Tesla verbrennt keinen Treibstoff, es verbrennt Geld“.
Nach den Berechnungen von Bloomberg soll Tesla pro Minute 6500 Dollar verpulvern. Gewarnt wurde zudem, Tesla könnte noch in diesem Jahr das Geld ausgehen, wenn das Unternehmen wie bisher wirtschaftet und keine zusätzlichen Finanzierungsrunden durchführt. Nur wenig später kündigte Musk an, etwa neun Prozent der Belegschaft entlassen zu wollen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen Tesla weltweit etwa 46000 Mitarbeiter, rund 4100 Arbeitsplätze sollen wegfallen.
Vom Arbeitsplatzabbau ausnehmen will der Firmenchef Mitarbeiter, die an der Produktion des Model 3 beteiligt sind. Dieses Fahrzeug ist der Hoffnungsträger des Unternehmens, mit dem der Sprung in den Massenmarkt für Elektroautos gelingen soll. Allerdings kommt die Serienfertigung nur schleppend in Gang. Für den Wagen sind mehr als 400000 Bestellungen eingegangen. Am 8. Juni gab Tesla bekannt, dass bislang nur etwa 35000 Tesla Model 3, also weniger als zehn Prozent der insgesamt bestellten Fahrzeuge produziert worden sind. Zwi­schenziel sei es, die Monatsproduktion auf 30000 Fahrzeuge des Models 3 hochzuschrauben.
Bereits im Mai musste Tesla einen Rückschlag einstecken, als ein US-Verbrauchermagazin keine Kaufempfehlung für das Model 3 abgab. Mittlerweile seien auch viele Interessenten von ihren Vorbestellungen für das Model 3 zurückgetreten und hätten sich ihre Anzahlung von 1000 Dollar aushändigen lassen. So berichtete das Magazin „Recode“, dass Tesla bislang fast 23 Prozent der von den Kunden geleisteten Anzahlungen für das Model 3 in den USA zurückerstattet habe.
Im April sollen sogar dreimal mehr Stornierungen als Vorbestellungen eingegangen sein. Das Magazin berief sich bei seinem Bericht auf eine anonymisierte Auswertung von Kreditkartentransaktionen. Ein Sprecher von Tesla bezweifelte die Korrektheit der Angaben, gab allerdings keine eigenen Zahlen bekannt.
Obendrein wird sich Tesla auch auf stärker werdende Konkurrenz einrichten müssen. Der Hersteller Jaguar hat inzwischen mit dem I-Pace einen Elektro-SUV vorgestellt, der Tesla im Hochpreissegment Kunden abspenstig machen  kann. Gleiches gilt für den Autobauer Volvo, der ankündigte, ab 2019 würden seine neuen Modelle zumindest ergänzend zum Verbrennungsmotor einen Elektromotor an Bord haben.
Ein gefährlicher Gegner wächst für Tesla derzeit in China heran. Dort eilt dem chinesischen Start-up-Unternehmen Byton mittlerweile der Ruf eines „Tesla-Killers“ voraus. An der Spitze von Byton steht der Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld. Auch bei der Entwicklung der Fahrzeuge arbeitet Byton mit deutschen und westlichen Experten zusammen. Angekündigt hat der neue Autobauer weitgehend autonom fahrende E-Autos mit Reichweiten von bis zu 400 Kilometer, die nur noch nur 45000 Dollar kosten sollen.
Bei seinen Plänen kann sich das Unternehmen auf Rückendeck­ung durch den chinesischen Staat verlassen. Erst vor Kurzem hat es sein Kapital um eine halbe Milliarde Euro erhöht: Bei den Geldgebern handelt es sich fast ausschließlich um chinesische Staatsunternehmen oder staatliche Fonds. Mit der Geldspritze will Byton ab 2021 nicht nur Tesla Konkurrenz machen, sondern auch etablierten Autobauern wie Mercedes und BMW.
Viele Anleger glauben trotz solcher Herausforderung immer noch an eine große Zukunft für den kalifornischen Elektroautobauer. Gemessen am Börsenwert hat das erst 2003 gegründete Un­ternehmen im vergangenen April sogar den Hersteller Ford überholt. Während der Autoriese aus Detroit an den Börsen auf 45 Milliarden Dollar taxiert wurde, brachte es Tesla im April auf rund 49 Milliarden Dollar an Börsenwert. Mit dieser Marktkapitalisierung rückte Tesla in den USA hinter General Motors auf Platz 2 der Autobranche auf. Mit im Spiel sind dabei eher hohe Zukunftserwartungen und weniger der Ist-Zustand bei Tesla. Während Tesla weniger als 80000 Elektroautos an Kunden ausliefern konnte, verkaufte Ford 2017 rund 6,7 Millionen Autos. Der Traditionskonzern verdiente dabei 26 Milliarden Dollar, Tesla schreibt dagegen einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar.
Einige Marktbeobachter fühlen sich vor dem Hintergrund solcher Daten im Vergleich zum Börsenwert bereits an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende erinnert. Auch in den 90er Jahren hatten technologische Entwick­lungen wie das Internet oder Mobiletelefone die Reife für den Massenmarkt erreicht und eine Euphorie um die sogenannte New Economy entfacht. Ähnlich wie nun Tesla wurden vielen neugegründeten Technologieunternehmen glänzende Zukunftsaussichten bescheinigt. Viele dieser Hoffnungen zerplatzen allerdings im März 2000. Reihenweise wurden damals Start-up-Unternehmen, die kurz zuvor noch einen hohen Börsenwert hatten, plötzlich als Ramsch gehandelt.
Derzeit weckt nicht nur Tesla die Zukunftsphantasien vieler Anleger. Für Euphorie sorgten auch die Höhenflüge von Kryptowährungen. Die bekannteste dieser Digitalwährungen, war Ende 2017 im Wert zweitweise um beinah das 20-fache gegenüber dem Jahresbeginn angestiegen. Auch die darauffolgende scharfe Korrektur erinnerte einige Ökonomen wie den Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller bereits stark an altbekannte Spekulationsblasen.    Norman Hanert


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