Dänemark schafft schrittweise das Bargeld ab

02.06.15

Kein Geld in der Tasche zu haben, das ist für die meisten Deutschen unvorstellbar. In Dänemark, das nicht zum Euro-Raum gehört, hat man sich dagegen längst daran gewöhnt. Künftig sind kleinere Unternehmen wie Tankstellen, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte nicht mehr verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Anders als in Deutschland, wo Pläne zur Abschaffung des Bargeldes mit der Bekämpfung von Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Drogenhandel und Geldwäsche begründet werden, führt die dänische Regierung die ihrer Meinung nach unnötigen Kosten für die Herstellung, Logistik und sichere Lagerung von Bargeld an. Die Dänen finden das offenbar in Ordnung. Nicht einmal die Ankündigung der dänischen Notenbank, ab dem kommenden Jahr keine Münzen und Geldscheine mehr auszugeben, sorgt bei ihnen für Aufregung (siehe PAZ 19 und 20/2014).
In Dänemark hat man ein entspanntes Verhältnis zum Bargeld. Die Nachteile und Gefahren des bargeldlosen Zahlungsverkehrs spielen für unsere nördlichen Nachbarn kaum eine Rolle. Sie wickeln ihre Transaktionen nur noch zu einem Viertel mit Bargeld ab. In dem kleinen Land gibt es nur wenige Geldinstitute und Handelsketten. Das machte es einfach, sich auf ein gemeinsames Zahlungssystem zu verständigen.
Das beliebteste „Plastikgeld“ ist die Dankort, die mit der deutschen EC-Karte vergleichbar ist. Davon sind rund 5,3 Millionen im Umlauf, was bei 5,6 Millionen Dänen bedeutet, dass fast jeder eine hat. Die Dankort wird überall akzeptiert und sie ist für den Kunden kostenlos. Sie kommt pro Kunde im Schnitt 210 Mal im Jahr zum Einsatz. Selbstverständlich werden auch alle weltweit gängigen Kreditkarten flächendeckend angenommen. Auch das „Mobile Payment“ ist im Kommen. So nutzen bereits 1,5 Millionen Dänen das Angebot der Danske Bank, mithilfe des Mobilfunkgerätes zu zahlen. Dafür muss der Kunde es im Geschäft vor ein Lesegerät halten und der Betrag wird automatisch von seinem Konto abgebucht. Die Kosten trägt die Bank.
Die zunehmende Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel hat auch Auswirkungen auf die Personalstruktur von Unternehmen. So richten immer mehr Tankstellenbetreiber unbemannte „Geisterstationen“ mit Kassenautomaten ein, an denen man ausschließlich bargeldlos bezahlen kann. Ein Trend, der sich bei einer weiteren Zurückdrängung des Bargeldes in anderen Branchen fortsetzen dürfte.
Vorreiter in Sachen bargeldlose Gesellschaft ist Schweden. Hier werden 95 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel elektronisch abgewickelt. Nur noch ein Viertel der Filialen der schwedischen Banken bietet die Möglichkeit, Bargeld abzuheben oder einzuzahlen. Die meisten Geldautomaten sind abgebaut. Selbst Kleinstbeträge können oftmals nur noch per „Plastikgeld“ oder Smartphone-App beglichen werden. Sogar in Kirchen stehen statt der Opferstöcke elektronische Spendenterminals und die Verkäufer von Obdachlosenmagazinen führen Kartenlesegeräte mit sich.
Vielen Schweden geht das mittlerweile zu weit. Auf Initiative von Wirtschaftsorganisationen befasste sich eine Kommission des Reichstages mit der Bargeldfrage. Diese hat der Regierung unerwartet ins Stammbuch geschrieben, dass jeder Schwede die Möglichkeit haben müsse, Aus- und Einzahlungen von Bargeld vorzunehmen. Vielleicht gilt irgendwann auch in Schweden wieder: „Nur Bares ist Wahres.“
    Melinda Heitmann


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Kommentare

Florian Geyer:
2.06.2015, 21:53 Uhr

Davon haben GESTAPO und STASI geträumt!
Kostenlose Erstellung von Bewegungsprofilen , auf Knopfdruck abrufbar!
Der Demokrat machte es möglich.


Andreas Müller:
2.06.2015, 16:56 Uhr

Draghi und Juncker haben ja angekündigt, ab 2018 EU-WEIT!!! bargeldlos zu sein, gemäß Rothschild: Kontrollierst du die Geldströme, ist es egal wer welche Gesetze macht und du hast die totale Macht.
Das hat KEINE Vorteile, sondern uns wird ein erheblicher Teil unserer Freiheit genommen!!!
Bargeld mach unabhängig von "Zypernkonten" und deren skrupellosen gierigen Akteueren.
In letzter Konsequenz bedeutet dass, dass "Regime"-Gegner der EU-Konzern-Diktatur ratzfatz der Geldhahn mit dieser Methode abgedreht wird und so quasi Knast ohne Mauern bedeutet.
Schweden und Dänemark dienen hier nur als Versuchslabor wie weit man gehen kann, um die Bürger weiter ungestraft auszuplündern.
Da kann man nur hoffen, das der Michel mit der Erfahrung von 2 Inflationen und 3 Ausplünderungen (1948, 1990, 2001) sich dem schon rein aus dem Gefühl komplett widersetzt.


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