»... das Werk unserer Befreiung ...«

Denkmal für die Konvention von Tauroggen nach Rekonstruktion erneut eingeweiht

09.02.13
Sympathiebekundung der Litauer für die Befreiungskrieger: Feierliche Denkmaleinweihung. Bild: Dzieran

200 Jahre nach der Unterzeichnung der Konvention von Tauroggen in der Poscheruner Mühle, mit der das preußische Hilfskontingent bei Napoleons Russlandfeldzug von Frankreichs Seite in die Neutralität gewechselt war, ist das vor 100 Jahren am Ort der Unterzeichnung errichtete Denkmal nach einer Rekonstruktion nun erneut enthüllt worden.

Vor 100 Jahren, am 100. Jahrestag der Unterzeichnung der Konvention von Tauroggen, war nach vorausgegangenen offiziellen Gesprächen mit der zaristischen Regierung – die Poscheruner Mühle lag 1912 auf russischem Territorium – ein eindrucksvolles Denkmal errichtet worden. Es war ein Kubus, zusammengesetzt aus sechs grauen Granitplatten von zwei mal zwei Metern Kantenlänge, der auf vier Kupferkugeln von je 35 Zentmetern Durchmesser ruhte. Die Granitplatten waren jeweils 30 Zentimeter dick und hatten ein Gewicht von je drei Tonnen. An den Seitenflächen waren in deutscher und russischer Sprache folgende Inschriften zu lesen: „Convention von Tauroggen zwischen dem königlich-preußischen Generallieutenant von Yorck und dem kaiserlich-russischen Generalmajor von Diebitsch in der Poscheruner Mühle am 30. Dezember 1812“ und „Dem furchtlos treuen Diener seines Königs, dessen ruhmreiche That den Anstoß gab zu Preußens Erhebung und Befreiung“. Der Denkmalentwurf stammte von Leopold von Kalckreuth, die Bauausführung übernahm ein Baumeister aus Tilsit.
Das Denkmal überstand unbeschadet den Ersten Weltkrieg, obwohl Preußen und Russen nicht mehr Waffenbrüder wie einst, sondern Gegner waren. In den 20er und 30er Jahren, als Tauroggen zur Republik Litauen gehörte, ließ die Denkmalpflege sehr zu wünschen übrig. Fotos aus jener Zeit zeigen beschädigte Inschriften und einen arg lädierten Kubus. Dennoch blieb das Denkmal ein Anziehungspunkt. Viele deutsche Schulklassen aus dem Memelland erlebten hier geschichtlichen Anschauungsunterricht.
Der Verfall setzte mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein. Berichten einer litauischen Zeitung zufolge sprengten Rotarmisten eine seitliche Granitplatte ab, um zu sehen, was im Innern des Kubus wohl verborgen sei. Im Laufe der Jahre wurden weitere Platten verwüstet und die Bronzekugeln geraubt.
Doch schließlich wuchs bei national gesinnten Litauern der Gedanke, das zerstörte Tauroggen-Denkmal neu zu errichten, wenn auch Litauen mit der preußisch-russischen Konvention wenig zu tun hatte. Es war die Vision der Befreiung von einem verhass­ten Joch, welche die Litauer genauso wie die Preußen im Jahre 1813 bewegte. Ganz offensichtlich hatte das Denkmal mit seiner Inschrift „So möge denn unter göttlichem Beistand das Werk unserer Befreiung beginnen und sich vollenden“ an Aktualität nichts eingebüßt und kündete vom Streben nach nationaler Freiheit und Unabhängigkeit. Die Russen spürten den Hintergedanken und waren dagegen. Erst nachdem Litauen seine Selbstständigkeit wiedererlangt hatte, ging die Vision der Befreiung in Erfüllung. Die Wiedererrichtung des Denkmals am alten Ort und in derselben Form konnte in Angriff genommen werden.
Der 200. Jahrestag der Konvention von Tauroggen war der geeignete Zeitpunkt, um auch die Russen für das Vorhaben zu gewinnen. Mit dem EU-Projekt „Der Tilsiter Frieden und die Konvention von Tauroggen“ ist ein Traum Wirklichkeit geworden.
Historiker und Regionalforscher aus Litauen, Deutschland und Russland kamen in Tauroggen zu einer Veranstaltung zusammen, um an den Beginn des gemeinsamen Befreiungsfeldzugs gegen Napoleon zu erinnern. Auf einer wissenschaftlichen Konferenz wurde von mehreren Wissenschaftlern die Konvention unter dem Aspekt internationaler Politik sowie ihre geschichtliche Bedeutung erörtert, darunter in einer viel beachteten Vorlesung des Prorektors der Litauischen Militärakademie, Prof. Dr. Vaidas Rakutis.
Zu einem Höhepunkt gestaltete sich die Enthüllung des Konventionsdenkmals. Es war in seinem alten Zustand wiederhergestellt und erstrahlte in neuem Glanz. Auch die Inschriften waren in deutscher und russischer Schrift originalgetreu wiedergegeben. Der Rotary-Club unter seinem Vorsitzenden Vilmantas Lio­rancas hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass das erforderliche Material aus Frankreich beschafft und von einer polnischen Firma denkmalgerecht bearbeitet wurde. Geschützsalven des Militärhistorischen Vereins aus Memel begleiteten die Einweihungszeremonie.
Zu den mehr als 500 Teilnehmern des Festakts gehörten auch zahlreiche Vertreter aus Tilsit, darunter Kulturbürgermeisterin Anna Jankuskaite, Stadtarchitekt Alexej Samargin und Museumsdirektorin Angelika Spiljowa. Sie berieten in einer abschließenden Gesprächsrunde mit den litauischen Nachbarn, wie künftig die Gedenkstätte in grenzübergreifende Veranstaltungen und Tourismusprojekte einbezogen werden könne. Schließlich markiert sie den Ausgangspunkt für den gemeinsamen Feldzug der verbündeten russischen und preußischen Heere, der in der Völkerschlacht zu Leipzig seinen ersten Höhepunkt fand und mit der Beseitigung der napoleonischen Herrschaft endete. Hans Dzieran


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