Den Horizont erweitern

Streit um Gauland-Rede: Wie die deutsche Debatte gesunden könnte

06.06.18
Unter Druck auch aus den eigenen Reihen: AfD-Co-Chef Alexander Gauland auf dem JA-Treffen in Seebach Bild: pa

An der vielkritisierten Rede von AfD-Co-Chef Gauland könnte sich eine konstruktive Debatte entzünden. Wenn wir denn wollen.

Mit seiner Rede auf dem Bundestreffen der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) im thüringischen Seebach hat AfD-Co-Chef Alexander Gauland einen Sturm ausgelöst. Gauland bekannte sich zur Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten, bezeichnete die „zwölf verdammten Jahre“ jedoch als „Vogelschiss“ im zeitlichen Verhältnis zu der hundertmal längeren übrigen deutschen Geschichte, die er als „ruhmreich“ würdigte.
Konkret wird Gauland vorgehalten, mit der Formulierung „Vogelschiss“ nicht nur die im Verhältnis zur gesamten deutschen Geschichte sehr kurze Dauer der NS-Zeit gemeint zu haben, sondern auch das Ausmaß der dort begangenen Verbrechen zu verniedlichen. Dies trug ihm Kritik nicht nur vom politischen Gegnern, sondern auch von Seiten der AfD-Spitze ein.
Was hat Gauland zu der Aussage bewegt? Das ist die Frage, die nun aufgeheizt diskutiert wird. Ihm vorzuhalten, er wolle die NS-Verbrechen wegdiskutieren, stände im Gegensatz zu den übrigen Einlassungen, die der AfD-Co-Chef neben der vielkritisierten „Vogelschiss“-Vokabel in der Rede zu dem Thema gebracht hat.
Kern einer sachlichen Debatte könnte die Frage sein, inwieweit die NS-Verbrechen die Sicht der Deutschen auf sich selbst, ihr Land und dessen lange Geschichte dominieren sollten. Dieser Kern geht bislang in dem aufgeregten Streit um die Gauland-Rede nahezu unter, was viele dem Redner selbst anlasten wegen dessen Formulierung.
Dass die eigene Geschichte die Bezugspunkte für aktuelle Diskussionen liefert, ist normal und unausweichlich. In Deutschland ist dieser historische Bezugsrahmen fast völlig auf die zwölf NS-Jahre geschrumpft.
Jede Frage, von der Asylpolitik über den Euro bis sogar zum Tierschutz („Hühner-KZ“), landet scheinbar zwanghaft nach überschaubarer Zeit beim NS. Wenn alles und jedes aber mit dem größten Verbrechen der eigenen Geschichte abgeglichen wird, geraten die Maßstäbe unabwendbar außer Kontrolle. Der Diskurs erstickt in Verdacht, Unterstellung und schließlich in offenem Hass. Toleranz und Sachlichkeit haben nicht die geringste Chance.
Wie weit die Verwirrung gehen kann, zeigen junge Deutsche, die mit Parolen wie „Deutschland verrecke“ durch die Straßen ziehen und sogar einen neuen Bombenkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung fordern („Do it again, Harris!“).
Heutiges Denken und Handeln sollte seinen historischen Horizont (wieder) auf die gesamte deutsche Geschichte erweitern. Dabei bliebe die Monstrosität des NS-Staats im Blick. Es erwüchse aber die Chance, die Maßstäbe wieder ins Lot zu bringen und einen konstruktiven Zugang zum eigenen Land und seinen Wurzeln zurückzugewinnen.     Hans Heckel


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Kommentare

w. scholz:
7.06.2018, 00:12 Uhr

@ Gerriet Kohls: Ich kann ihnen voll zustimmen. Zum Pkt 7 merke ich an, daß die Rabbifrau Spectre-Lerner in Shweden zu Protokoll gegeben hat, daß die Juden für die schwarze Migration nach Europa verantwortlich sind und dafür noch gehaßt werden (Quelle YT)
Übrigens war ein Hr. Lerner ein Big Boss der US-Mafia und hat für Millionen $ Waffen nach dem WK II für die jüdische Siedler nach Palästina schaffen lassen.


Annegret Kümpel:
6.06.2018, 21:23 Uhr

"Deutsche" werden tagtäglich mit Schuldgefühlen mittels Medien überschwemmt.
Herr Alfred de Zayas hat schon vor vielen Jahren erklärt, daß es keine Kollektivschuld gibt und geben kann. Ich war selbst dabei als er sich dazu erklärte.
Das Problem ist die Ignoranz der "Biodeutschen" zum politischen Geschäft.
Wann wacht der deutsche Michel endlich auf?


Gerriet Kohls:
6.06.2018, 11:44 Uhr

Ich erlaube mir hier einige Anmerkungen eines Freundes zu der provokant erscheinenden Äußerung Alexander Gaulands zum Hitlerreich (nur ein Vogelschiss) wiederzugeben:

1. Gauland hat mit dieser gezielten Provokation mit Sicherheit erreicht, daß die Medienmacher auf die Problematik aufmerksam werden. Durfte er das nicht?

2. Wir alle werden seit einigen Jahren zunehmend mit einer großen Fülle von TV-Sendungen über Vorgänge im Hitlerreich überschwemmt, wobei die Staatskanäle sich besonders hervortun. Zuvor hat es das nicht in dem Maße gegeben. Man fragt sich also, was damit beabsichtigt ist.

3. Das - illegal zustandegekommene - sogenannte Dritte Reich ist in der Tat im Vergleich zur gesamten Geschichte des deutschen Reiches, welches mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Mittelalter begann, eine verschwindend kurze Epoche. Dennoch gelten bis heute viele Gesetze aus dieser Zeit, obwohl dies unter alliiertes Verbot fällt... Siehe das "Tillessen-Urteil".

4. Aus welchem Grund, wenn nicht dem einer Dauerbestrafung und Dauerdrohung (auch noch unter den Nachgeborenen dieser Zeit!) wird diese Epoche also immer wieder "aufgewärmt"? Warum die vielen Aktionen, Stolpersteine, Erinnerungskulturen, Filme, Berichte usw., wo wir doch seit Jahrzehnten eine gigantisch zu nennende Summe von Wiedergutmachung gezahlt haben? Wird hier nicht gegen allgemeinverbindliche Regeln und Traditionen verstoßen? Warum?

5. Das Christentum, das unsere Kultur in seinen moralisch-ethischen Kategorien maßgeblich charakterisiert, kennt den Tatbestand der Vergebung, von der ja auch die Wieder-gut-machung (!) herzuleiten ist - wie bei jedem Verstoß gegen die Strafgesetze, die sich aus den jeweiligen Verfassungen herleiten. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das Maß der Wiedergutmachung erfüllt, die Vergebung gewährt und der Betreffende (hier das deutsche Volk) im besten Sinne resozialisiert. Wurde ein solcher Zeitpunkt in diesem Falle etwa nicht festgelegt? Wenn ja, warum?

6. Wenn wir also nun als vollwertig anerkanntes Mitglied der Völkergemeinschaft "UNO" anerkannt sind, dann dürfte es all dies, was ich oben nannte, nicht mehr geben. Dazu gehört auch die UNO-Feindstaatenklausel, die nach wie vor besteht.

7. Wer hat ein Interesse daran, daß er die Nichtbeachtung dieses Vergebungsgebotes und der erfolgten Wiedergutmachung zur Maxime erhebt, wenn nicht derjenige, der an unserer permanenten und zementierten Stigmatisierung zu einem Paria interessiert ist, dem man - trotz Wiedereinrichtung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen mit unserem Land - die Luft zum Leben nicht gönnt und den man möglichst auszulöschen trachtet. Haben wir Deutschen, die Nachgeborenen des Dritten Reiches, dies verdient? Ist dies im biologischen wie auch im kulturhistorischen Sinne sinnvoll und logisch?
Fühlen Sie sich als Nachgeborener in dieser Lage wohl und finden das korrekt? Ich nicht.

Haben wir Abstammungsdeutsche die Schuld eines Teiles (!) unseres Volkes nun quasi a l l e biologisch geerbt? Und was ist mit den Halbdeutschen, die einen ausländischen Elternteil haben? Haben auch sie dies geerbt?


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