Der Endspurt hat begonnen

Berliner Schloss: Wiederaufbau mündet in die Schlussphase − Kostenrahmen eingehalten

28.01.18
Drei Millionen Besucher werden pro Jahr erwartet: Veranstaltung im Foyer des wiedererstehenden Schlosses Bild: SHF/Franco Stella

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses mündet in seine Endphase. Gehen die Pläne auf, dann entsteht mit dem darin untergebrachten Humboldt-Forum ein internationaler Besuchermagnet in der Mitte der deutschen Hauptstadt.
Die Stiftung Humboldt-Forum rechnet nach Angaben ihres Vorstandssprechers Johannes Wien mit mindestens drei Millionen Besuchern, die jährlich zu Veranstaltungen und Ausstellungen in das wiederaufgebaute Schloss kommen werden. Wien hat angekündigt, dass es im Humboldt-Forum jährlich mehrere Dauerausstellungen und rund 1000 Einzelveranstaltungen geben soll.
Den Besuchern des Hauses werden damit im Schnitt pro Tag drei Veranstaltungen geboten. Zumindest in den ersten drei Jahren könnte bei den Dauerausstellungen sogar der Eintritt kostenlos sein. Nicht festlegen wollen sich die Verantwortlichen bislang auf einen konkreten Eröffnungstermin: „Wir werden uns eine gewisse Eröffnungsdramaturgie einfallen lassen, um Sie vielleicht immer wieder mit neuen Dingen zu überraschen“, so der Bauvorstand der Stiftung Humboldt-Forum, Hans-Dieter Hegner.
Hegner deutet damit die Möglichkeit an, dass die verschiedenen Museen nicht alle an einem Tag, sondern zeitlich gestaffelt den Betrieb aufnehmen. Der Auftakt für eine solches Eröffnungskonzept könnte zum 250. Geburtstag des Naturforschers Alexander von Humboldt am 14. September 2019 erfolgen. Das Forum hat für diesen Tag bereits zu einer „Vorab-Eröffnung“ eingeladen. Die Aufnahme eines Regelbetriebs für das gesamte Gebäude ist bereits für Ende 2019 angekündigt.
Bauvorstand Hegner nannte zum Jahresbeginn bei einer Baustellenbegehung einige wichtige Meilensteine auf dem weiteren Weg zur Eröffnung: Schon ab Mai dieses Jahres soll der Umzug einiger großer Ausstellungsobjekte der außereuropäischen Sammlungen beginnen. Bei laufendem Baubetrieb werden dann unter anderem Objekte wie Südseeboote und Südseehäuser aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums von Dahlem in die Mitte Berlins überführt.
Notwendig ist dieser Schritt vor der Beendigung der Bauarbeiten, weil diese Ausstellungsstücke nicht vollständig auseinandergebaut werden können. Nach Hegners Angaben wurden an der Innenfassade des Schlossbaus große Mauerdurchbrüche gelassen. Diese werden erst nach dem Umzug der sperrigen Ausstellungstücke verschlossen.
Ab Mai sollen die Arbeiten zur Deckung der Schlosskuppel anlaufen. Ab Juni werden dann laut Planung die Gerüste an dem Gebäude verschwunden sein, so dass die Öffentlichkeit erstmals die rekonstruierte Barockfassade komplett sehen kann. Einen Blick ins Innere des wiederaufgebauten Schlosses können Berliner und Berlin-Besucher im August werfen, dann ist ein Tag der offenen Baustelle geplant.
Im Kontrast zu anderen spektakulären Großvorhaben der öffentlichen Hand liegt der Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses bislang nicht nur im Zeitplan, sondern auch im Kostenrahmen. Das Projekt wurde mit knapp 600 Millionen Euro kalkuliert. Davon will der Bund 483 Millionen Euro und das Land Berlin 32 Millionen übernehmen. Teil der ursprünglichen Kalkulation sind zudem 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden, die durch private Spenden finanziert werden soll.
Der Förderverein Berliner Schloss peilt als Spendenziel inzwischen sogar die Marke von 105 Millionen Euro an, um auch eine komplette Rekonstruktion der Schlosskuppel und der Innenportale zu ermöglichen. Private Spender haben mittlerweile 71,3 Millionen Euro gegeben.
Berücksichtigt man die zusätzlich eingegangenen Sachspenden, dann müssen in den kommenden zwei Jahren noch 30 Millionen zusammenkommen. Auch wenn im Zusammenhang mit dem Spendenaufkommen kürzlich das Wort „Nachholbedarf“ fiel, insgesamt scheint das gesteckte Ziel erreichbar: Laut dem Stiftungsvorsitzenden Wien kommen die Spenden überwiegend aus Deutschland, in vielen Fällen aus Berlin. Viele Kleinspender nutzen offenbar die Möglichkeit, den Baufortschritt beim Schloss per Webcam über das Internet zu beobachten. Das Fallen der Baugerüste in wenigen Monaten könnte vor diesem Hintergrund zu neuer Spendenbereitschaft führen.
Während es scheint, als sei die bauliche Fertigstellung des Berliner Großprojekts in trockenen Tüchern, sorgt die inhaltliche Gestaltung weiterhin für Diskussionen. Das rekonstruierte Schloss wird nach bisheriger Planung neben Ausstellungen zur Berliner Stadtgeschichte vor allem außereuropäische Sammlungen zeigen. Dazu sollen Bestände des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst von Dahlem in das Humboldt-Forum verlagert werden. Preußen spielt dagegen kaum eine Rolle, was vielfach kritisiert wird. Nach den Vorstellungen des Stiftungsrats könnte die bisherige Stuttgarter Museumsdirektorin Inés de Castro künftig für diese Sammlungen zuständig sein.
    Norman Hanert


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

w. scholz:
7.02.2018, 23:17 Uhr

Was, in Berlin ist was zur Zeit und im Kostenrahmen fertig geworden? Die Verantwortlichen müssen allerschärfsten Verfolgungen und peinlicher Befragung unterzogen werden.
Im übrigen, eh klar daß das ein 'Fake' Bau ist weil das Schloß nur in mikroskopischen Bruchstücken existiert. Aber wollen die Kritikaster wirklich einen 'weltoffenen' gesichtslosen Neubau haben, der so beliebig in aller Welt stehen könnte?
Da ist mir ein Historismus allemal lieber. Wenn ich in meinem Umfeld Neubauten sehe in denen die Fenster bis auf den Boden gehen und breit sind (z.B. ebenerdig daß man das gesamten Schlafzimmer sehen kann und keine frische Luft in das Zimmer kommt weil nur eine Tür vorgesehen ist) oder mir gegenüber bei dem Bau haben die Käufer (~500-750Tsd €) auf der Straßenseite die Jalousienen bis auf einen ca. 50cm breiten Bodenspalt tagsüber runtergelassen. Im 1. Stock hat einer den Balkon um die Ecke verlängern lassen und eine Milchglasveranda darauf gebaut. Seit der Zeit sind die Jalousienen oben.
Sollen solche 'Selbstverwirklichungs'Architekten einen Museumsneubau verantworten?


Heinz-Gerd Schlagregen:
4.02.2018, 15:41 Uhr

Kitsch as Kitsch can!

Es ist einfach verkitscht, nachgemacht, absichtliches fake. Steht für manchen offensichtlichen politischen Betrug in dieser Republik. So gesehen fast schon notwendig gebaut zu werden. Ein Fanal der Lüge und des Unechten.


Albert Nola:
31.01.2018, 08:39 Uhr

@Marcus Junge- "Es ist trotzdem nicht das Schloß, sondern ein "Fake Building", ein Witz." Absolut nicht! Was mich schmerzt, ist die Tatsache, dass wir keinen König, keine Königin (wie Elizabeth II) haben und nur eine widerliche Republik (Philipp Scheidemanns), die den Nationalsozialismus möglich gemacht hat! Es lebe die Monarchie!


Marcus Junge:
28.01.2018, 11:12 Uhr

Es ist trotzdem nicht das Schloß, sondern ein "Fake Building", ein Witz. Also passend zur BRD, vielleicht wird ja mal zukünftig, nach der BRD, sofern nicht der Islam übernimmt und es hier noch Deutsche gibt, dann zum Stadtschloß umgebaut.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.