Der FN verliert seine Nummer 2

Marine Le Pens linker ehemaliger politischer Chefstratege Florian Philippot tritt aus dem Front National aus

19.10.17
Einst ein Team: Florian Philippot und Marine Le Pen im April dieses Jahres Bild: Imago

Was die einen Parteimitglieder zu verhindern suchten und die anderen seit Langem herbeisehnten, trat am 21. September ein: Florian Philippot, die Nummer 2 in der Parteihierarchie des Front National (FN) verließ die Partei. Damit erreichte ein seit Langem schwelender Richtungsstreit innerhalb der Rechtspartei seinen Höhepunkt.


Philippot war dem FN erst 2011 beigetreten, nachdem er sich zuvor an der Seite des Linksnationalisten Jean-Pierre Chevènement politisch engagiert hatte. Innerhalb kürzester Zeit stieg er zu Marine Le Pens politischem Chefstrategen auf. Nach offizieller Lesart des FN war der von links kommende Philippot der Beweis dafür, dass alle Patrioten unabhängig von ihrer sonstigen politischen Positionierungen in der Le-Pen-Partei ihren Platz hätten und dass der Wille, Frankreichs Interessen zu verteidigen, alle Differenzen ausräume.
Doch die Parteiwirklichkeit war nie so harmonisch. Die alten Parteikader sowie der an traditionellen Werten orientierte „Südflügel“ der Partei – der Süden mit seiner überdurchschnittlichen Anzahl maghrebinischer Immigranten ist seit jeher die Hochburg des FN – machten Phi­lippot schnell für einen ideologischen Linksrutsch im Parteiprogramm verantwortlich.
Während der FN unter dem Vorsitz von Jean-Marie Le Pen für Kleinunternehmerfreundlichkeit und eine wirtschaftsliberale Politik innerhalb von Frankreichs Grenzen stand, bewegte sich die Partei unter dem Duo Marine-Philippot in Richtung sozialistischer Wirtschaftspolitik. Die zaghafte Rentenreform unter Präsident François Hollande sollte rückgängig gemacht, das durchschnittliche Renteneintrittsalter sollte wieder auf 60 Jahre vorverlegt, und bankrotte Unternehmen sollten vom französischen Staat „gerettet“ werden. Der Verteidigung des öffentlichen Dienstes in seiner aufgeblähten Form wurde Priorität eingeräumt. Um diese Politik durchsetzen zu können, propagierte das Führungsduo den Austritt aus der Eurozone.
Auch in gesellschaftspolitischen Fragen positionierte sich der FN unter Philippots Ägide neu. Während Jean-Marie Le Pen Abtreibungen verbieten lassen wollte, da er darin einen Genozid an der weißen Bevölkerung sieht, und Marine bis 2011 noch laut darüber nachdachte, sie nicht mehr über die Krankenkassen finanzieren zu lassen, wurde das Recht auf Abtreibung nun zu einem unantastbaren Frauenrecht.
Zur Homo-Ehe bezog der FN offiziell kaum öffentlich Position, während ein Teil der Parteianhänger und die alten Parteikader aktiv an den Protesten gegen dieses sozialistische Gesetz teilnahmen. Im Kampf gegen die Islamisierung Frankreichs galt nicht mehr die Rückbesinnung auf Tradition und Frankreichs christliche Werte als das Heilmittel, sondern ein radikaler Laizismus, in dessen Namen alles Religiöse aus der Öffentlichkeit verschwinden sollte.
Mit dieser Entwicklung ging eine parteiinterne Säuberung einher, der ein großer Teil der alten Kader und der bekennenden Katholiken zum Opfer fielen. Ein beträchtlicher Teil der katholischen Traditionalisten war seit jeher dem FN eng verbunden. Ihre Positionen wurden mit Philippots Getreuen besetzt, die vom traditionellen Flügel der Partei wegen Philippots Homosexualität als seine „Lustjungen“ verspottet werden.
Auch Jean-Marie Le Pens Parteiausschluss geht zu einem wesentlichen Teil auf das Konto von Marines Chefstrategen, der damit öffentlich den Bruch mit der alten, politisch inkorrekten Parteilinie markieren wollte. Unter dem Duo Marine Le Pen-Philippot galt die „Entteufelung“ des FN als das Zauberwort. Politische Respektabilität sollte neue Stimmen bringen. Marine ging dabei sogar so weit zu sagen, dass der Islam mit der Französischen Republik kompatibel sei.
Solange der FN bei den Wahlen gute Ergebnisse erzielte, war Philippot gegen jegliche parteiinterne Kritik geschützt. Die sehr guten Erfolge gerade bei der von den Linken im Stich gelassenen Arbeiterschaft des Nordens schienen ihm Recht zu geben. Doch seit Marine Le Pen in der Debatte mit Emmanuel Macron vor den Präsidentschaftswahlen auf linke Wirtschaftspolitik setzte und kläglich versagte, anstatt das dringliche und bewährte Thema Islam und Massenimmigration aufzugreifen, saß der parteiintern wenig beliebte Philippot auf dem Schleudersitz.
Um einer einfachen Entmachtung zuvorzukommen, gründete er die parteiinterne Bewegung „Les Patriots“ (die Patrioten), ein erster Schritt in Richtung Abspaltung. Marine Le Pens Ultimatum, diesen Schritt rückgängig zu machen, ließ er verstreichen. Damit war die Abspaltung besiegelt.
Philippots Schritt folgten bislang nur sehr wenige Parteimitglieder. Ob nun der FN unter Marine Le Pens Führung damit zu seinen Wurzeln zurückkehrt, bleibt abzuwarten.        
    Eva-Maria Michels


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