Der lächelnde Trottel

Warum die Deutschen auch für Mali-Kredite bürgen müssen, wie Hitler den Euro rettet, und wie wir die echten Täter erkennen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

02.03.13
Zeichnung: Mohr

Was waren das für schöne Bilder mit den fahnenschwenkenden Kindern in Mali, die die französischen Soldaten begrüßten. Das wird ein Spaziergang, die islamistischen Terrorherren sind im Handumdrehen in die Wüste gejagt. Da waren sich alle sicher.
Mittlerweile meldet man uns Schießereien aus Städten, die als lange schon befreit galten. Nanu? Wie kann denn das angehen? Irgendwie kommt uns das Drehbuch bekannt vor: Spaziergang, kurzer Prozess – und dann ist endlich Frieden? Von wegen, ab da ging es meist erst richtig los.
Es läuft also nicht richtig rund in Mali, da müssen wir dringend etwas tun. Der französische General François Lecointre, Chef des EU-Einsatzes für die Ausbildung der malischen Soldaten, weiß auch schon, was: Mali benötige nicht bloß Ausbilder, sondern auch Waffen. Dafür fehle dem armen Land aber das Geld, weshalb es für den Waffenkauf Kredite aufnehmen müsse. Da dem Drittweltstaat aber kaum jemand etwas leihen würde, sollten die EU-Länder für die Kredite bürgen.
Warum solche Umstände? Wieso (wenn’s denn schon sein muss) kaufen wir denen die Waffen nicht einfach selber bei unseren Rüstungsbetrieben und schicken sie dann runter? Wer so denkt, kennt die Regeln unserer globalisierten Welt nicht.
Kredite an die malische Regierung sind viel besser: Zunächst hätte Paris so nämlich die Gelegenheit, seinen guten Draht zu der ehemaligen Kolonie dafür einzusetzen, dass die Afrikaner französischen Produkten den Vorzug geben. Die (per Putsch an die Macht gekommene) Regierung von Mali könnte sich überdies ein bisschen was abzweigen, wenn sie das Geld erst mal hat. Regierung sein macht ohne schicke Villa, dicke Karossen und eine Kompanie Dienstboten nur halb so viel Spaß. Außerdem muss das Schweizer Konto gefüttert werden für die Zeit nach dem nächsten Putsch. Man will nach seinem Sturz ja nicht als Ziegenhirte im benachbarten Senegal versauern.
Zu guter Letzt können die Banken bei der Sache ihren Schnitt machen, der ihnen bei Direktlieferung der Waffen entgangen wäre: Erst kassieren sie jahrelang Zinsen, und sobald die nächste Putschregierung die Schuldenrückzahlung für Kredite der aktuellen Putschregierung verweigert, ersetzt der Steuerzahler den Banken ihren „Verlust“, denn er bürgt ja. Wenn sich, was nicht unwahrscheinlich ist, der Mali-Krieg ebenso in die Länge zieht wie andere, ähnlich gelagerte Konflikte, wird er zu einer sagenhaften Geldmaschine heranwachsen, bei der alle absahnen dürfen – bis auf einen, und das sind: Sie!
Na ja, Sie nicht nicht ganz allein, ich bin auch dabei, so wie die anderen deutschen Steuerzahler. Trotzdem kommt man sich bei all der Hin- und Herschieberei von Geld manchmal recht einsam vor. Wie der Dorftrottel, hinter dessen Rücken und auf dessen Kosten sich alle anderen delektieren. Egal, wie wir es drehen und wenden: Es scheint zum Grundgesetz zu reifen, dass der deutsche Steuerzahler am Ende immer der Gelackmeierte sein muss.
Sollte man nicht mal dagegen protestieren? Ja, bloß wie? Von offizieller Seite würde uns entrüstet mitgeteilt, dass Mali schließlich ein „souveränes Land“ sei, das selbst entscheide, bei wem es welche Waffen kauft. Aus Respekt vor seiner Souveränität müssten wir ihm die Kredite garantieren, statt die Afrikaner mit von uns ausgesuchten Waffen-Almosen abzuspeisen.
Zwar wissen die Offiziellen natürlich, dass Länder wie Mali noch nie „souverän“ waren, sondern lediglich Beute wechselnder Raffzähne. Aber das kann glücklicherweise niemand öffentlich sagen, ohne sich dem Vorwurf „westlicher Arroganz“ auszusetzen. Wir sehen: Hinterm Paravent der „Politischen Korrektheit“ kann man jeden Misthaufen verstecken. Den Gestank zu bemerken, gilt als moralisch verwerflich. Daher tut jeder so, als rieche er gar nichts.
Außerdem sollen sich die Deutschen eigentlich darüber freuen, der Trottel sein zu dürfen, statt als „verstoßener Fremdling außerhalb der Völkerfamilie“ auf ihrem Geld sitzen zu bleiben, wegen der Nazis. Es ist Ausdruck reinster Nachsicht, dass man unser Geld überhaupt nimmt. So muss man das sehen, schon kehrt das Lächeln zurück – ein wenig linkisch und debil zwar, aber immerhin.
Das Zitat mit der „Völkerfamilie“ stammt aus Joachim Gaucks glanzvoller Europa-Rede. Europa brauche „jetzt nicht Bedenkenträger, sondern Bannerträger“, bäumt sich der Bundespräsident heroisch auf gegen das „Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit“, das er bei uns ausgemacht haben will.
Genau: Keine Bedenken! Banner in die Luft und marsch! Das ist der Geist, der einst den Euro gebar. Da gab es auch keine „Bedenken“, das wurde einfach gemacht, und der strahlende Erfolg der Gemeinschaftswährung gibt den Bannerträgern von damals doch wohl ... Recht?
Nun, so ganz sicher scheint sich da selbst unser Staatsoberhaupt nicht mehr zu sein. Bei seiner Amtseinführung habe er gefordert, so Gauck,  wir sollten „mehr Europa wagen“. Heute schränkt er ein: „So schnell und gewiss wie damals würde ich es heute nicht mehr formulieren.“ Dann muss es aber wirklich ernst sein.
Ist es auch, weshalb der Präsident die ultimative Waffe aus dem Arsenal zerrt, um die Deutschen auf Linie zu halten: „War es doch unser Land, von dem aus alles Europäische, alle universellen Werte zunichte gemacht werden sollten.“ Baff! Die Hitler-Keule. Die holen wohlmeinende Mahner immer heraus, wenn sie etwas rechtfertigen wollen, was an sich nicht zu rechtfertigen wäre. Die Masche haben sich sogar prügel­geile „Antifaschisten“ abgeguckt: Wenn sie jemanden zusammenschlagen oder anderweitig seiner Menschen- und Bürgerrechte berauben wollen, sagen sie einfach: „Das’n Nazi!“, und ganz Gutdeutschland hat vollstes Verständnis für sie, während der Zusammengeschlagene für immer  mit dem Makel herumläuft, der eigentliche Täter zu sein.
Das kann sehr schnell gehen: Derzeit rumort es in einigen Gemeinden, weil dort große Gruppen von Roma aus Rumänien und Bulgarien für Aufhebens sorgen. Die „Welt“ beschreibt die Zustände in einem Duisburger Stadtteil so: „Laute Musik, Geschrei und Grill-Gelage bis tief in die Nacht, aus den Fenstern geworfener Müll, menschliche Exkremente auf dem Gelände, kein Benehmen, kein Anstand.“ Männer pinkelten zwischen Autos, deutsche Nachbarn trauten sich nachts nicht mehr raus.
Die Sache mit den Roma ist wirklich übel, das hat auch ein Duisburger Pastor erkannt und wurde aktiv. Wie? Wie wohl: Er verfasste einen glühenden Aufruf „gegen Rechts“, in dem er mahnt: „Mit großer Sorge sehen wir, dass die angespannte Situation genutzt wird, um rechtsradikales und menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten und die Stimmung weiter anzuheizen.“
Sprich: Nicht das Benehmen der Roma ist verwerflich, sondern die daraufhin entstandene „Stimmung“ der einheimischen Nachbarn. Tatsächlich hat es schon eine Schlägerei gegeben, bei der Jugendliche aus der Nachbarschaft auf die Roma losgegangen sein sollen. Allerdings waren es Türken, die da ausgerastet sind. Wären es deutsche Jugendliche gewesen, hätten Sie in den Nachrichten längst von der Duisburger Lichterkette und der „Nie wieder“-Demo gehört: „Ganz Deutschland ist empört und beschämt über diesen rassistischen, menschenverachtenden ...“ – Sie kennen den Rest. So jedoch ist auch dieser Zwischenfall lediglich Anlass, den „Dialog“ zu fördern und nichts zu „dramatisieren“.
Ob man Täter oder Opfer ist, hat eben gar nichts damit zu tun, ob man Täter oder Opfer ist, sondern ob man Deutscher oder Nichtdeutscher ist. Dass das so bleibt, ist uns immer wieder einen kleinen Hitler-Verweis wert. Danach sind die Deutschen schon Täter, wenn ihre „Stimmung“ nicht zu dem passt, was „politisch korrekt“ ist. Im Irrenhaus gilt eine strenge Hausordnung.


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Kommentare

Dr. Waldemar Schneider:
8.03.2013, 13:41 Uhr

...wieso wird in dem Artikel eigentlich der Begriff "Deutscher" verwendet, das ist doch nationalistisch und damit rechtsradikal. Der richtige Begriff lautet entweder "Bürger" oder "Nichtmigrant"...


sitra achra:
6.03.2013, 16:15 Uhr

T.Schult: sachliches Argumentieren ist wohl nicht Ihr Ding?
Hetze oder Ähnliches kann ich in obenstehendem Artikel von Hans Heckel nirgendwo entdecken.
Und wer, bitte, beschädigt die FDGO mehr als die Arschkriecher dieses abscheulichen Systems?
Wo bitte werden die Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit in dieser Staatskarikatur noch gewahrt?
Statt auf Ihrer Furzcouch herumzutrollen, sollten Sie sich die Zeit nehmen und die Mühe machen, objektive Informationen einzuholen. Ein Anfang wäre gemacht, wenn Sie diesen Artikel von Hans Heckel unvoreingenommen lesen und durch Sachargumente widerlegen, falls Ihnen dazu welche einfallen sollten. Ansonsten wäre es besser, Sie würden schlicht und ergreifend den Mund halten.


T. Schult:
5.03.2013, 21:18 Uhr

H. Heckel, widerlich, Ihre Hetze gegen die FDGO und die EU und alle damit verbundenen Notwendigkeiten. Noch widerlicher nur, die ganzen Kommentare dieser ganzen ignoranten unwissenden PersonalBürgen hier, die sich plötzlich aus Ihrer verfurzten Couch denken, melden zu müssen!


Bernhard Bianca:
5.03.2013, 10:52 Uhr

Ein Genuss Ihren Artikel zu lesen. Jeder Satz sitzt und spricht mir aus der Seele. Vielen Dank.
Eventuell könnte nach angemerkt werden, dass es die Franzosen waren die dafür sorgten, dass die Währung von ca. 100 Millionen West- und Zentralafrikanern an den Euro gekoppelt ist. Wie vor dem euro an den Franz. Franc.
Alles durch die "Kalte Küche" abgemacht.
Vielen Dank ihr lieben Erbfreuende.


W. Scholz:
4.03.2013, 13:06 Uhr

Och unser armer Bundespräsi, vor seiner Amtseinführung war die EUdSSR mit den Kommisaren eine total demokratische Veranstaltung mit Befragung und Abstimmungen der Völker und jetzt wird abgestimmt per Handheben(aber uffpasse daß der Arm nicht getreckt ist). Mit Aufgezogenen Bannern hat noch kein Volk wirklich gute Erfahrungen gemacht. Und das abgenudelte 'Hitlerargument' wird auch nicht mehr lange ziehen. Spätestens wenn es, nach dem neoliberalen grünen Träumern der Türkenmajorität geht dann wird Schluß sein mit Zahlungen an alle Welt. Und durch Undemokratisches EU-Gebahren wird eine Neuauflage des Faschismus nicht verhindert. Übrigens die faschistische Korporation ist die Privatisierung von Staatsaufgaben und der Schutz von privatem wirtschaften durch ausschalten von Gewerkschaften, Tarifen und Mitsprache (s. Mussolini, dessen großer Bewunderer ein gewisser W. Churchill war). Kommt einem irgendwie bekannt vor - oder?


Jürgen Justavitz:
4.03.2013, 12:54 Uhr

Alles wahr, aber der deutsche Michel ist zu blöd um mal dagegen anzugehen! Einfach zu blöd um auf zu stehen und Einhalt zu gebieten!
Mensch Leute, werft euren Politikern mal ne Flasche an den Kopf und fragt warum wir immer die dummen sein müssen? Wenn er keine antwort darauf gibt, dann werf gleich 10 Flaschen hinterher!
Dieses feige Pack gehört abgesetzt und das für immer!
Wir dürfen dieses Pack nicht wählen, wählt mal was anderes, das was für euch gut ist, und nicht immer das was für euch schlecht ist!
Nur dumme Bürger wählen immer das, was sie vorgesagt bekommen und für gut halten sollen!
Wählt doch mal anders, werden ja dann sehen was auf uns zukommt!
Wahrscheinlich genau das was Ihr gewählt habt, die Freiheit der Deutschen!
So wählt ihr immer nur die Wirtschaft, und die kann keine Staatsbürgerschaften ausgeben und auch Staat sein!
Wie Schauberger schon sagte, "Ihr geht falsch!"


manfred richter:
4.03.2013, 06:18 Uhr

leider alles ziemlich wahr - wenn auch nicht mainstreammässig. aber das ist und war wahrheit ja noch nie.


Jürgen Forbriger:
3.03.2013, 16:01 Uhr

Nur gut, daß es einen Adolf gegeben hat((Vom Stalin reden wir nicht!)sonst könnten die Allierten kein Deutsches Volk umerziehen und ausbeuten.


sitra achra:
3.03.2013, 14:17 Uhr

Wir machen den Clown, also wählen wir den Clown!
Beppo steh! uns bei!


Herbert Müller:
2.03.2013, 22:27 Uhr

Respekt, der Bericht ist klasse. Absolut auf den Punkt gebracht. Dürft Ihr sowas politisch unkorrektes schreiben? ;-)


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