Die »Berliner Tafel« wird 25

Viele kommen ohne sie nicht mehr aus − Der Ton ist durch die Asylflut »rauer« geworden

11.02.18
Wird der Anteil der Asylsucher verschleiert? Essensausgabe an einer Berliner Tafel

In Berlin fing es an, im Februar 1993. Mittlerweile zählt Deutschland fast 1000 Tafeln, wo Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt werden. Über den steigenden Anteil der Asylsucher schweigt man an der Spree aber lieber. Soll etwas verschleiert werden?

Im Januar machte die Berliner Tafel auf der Grünen Woche wieder einmal von sich reden. Ihre Helfer sammelten zwölf Tonnen Lebensmittel ein, um sie an Obdachloseneinrichtungen, an die Stadt- und die Bahnhofsmissionen zu verteilen. Vor 25 Jahren gründeten die Sozialarbeiterin Sabine Werth und einige Mitstreiterinnen den Verein Berliner Tafel – ein Anlass, um Bilanz zu ziehen.  
Was im Februar 1993 in Berlin mit einer Initiative nach New Yorker Vorbild ins Werk gesetzt wurde, fand rasch ein breites Echo. Nach wenigen Jahren hatten sich die Tafeln in Deutschland zu einem festen Bestandteil bürgerlichen Engagements bei der Armenunterstützung entwickelt und etabliert.
Das Konzept ist einfach, erfordert in Großstädten aber eine ausgeklügelte Logistik. Überschüssige Lebensmittel und Spenden werden bei Supermärkten und im übrigen Einzelhandel eingesammelt und in den Ausgabestellen der Tafeln kostenfrei oder gegen einen symbolischen Betrag an Bedürftige abgegeben. Vorwiegend sind es leicht verderbliche Waren, welche die Geschäfte rechtzeitig loswerden wollen.
Generell basiert der Dienst der Tafeln auf Spenden und ehrenamtlicher Tätigkeit. Die Berliner Tafel hat außerdem 14 festangestellte Mitarbeiter. Landesweit betreiben heute 60000 ehrenamtliche Mitarbeiter 934 Tafeln. Auch in einigen anderen europäischen Ländern sind vergleichbare Initiativen entstanden.
Nach Auskunft des Bundesverbandes Deutsche Tafeln verschaffen die Einrichtungen durch ihre Arbeit insgesamt 1,5 Millionen Armen einen unverzichtbaren finanziellen Spielraum, um bei den Lebenshaltungskosten zu sparen. Vorausgegangen ist in allen Fällen eine Bedürftigkeitsprüfung.
Die Tafel-Kunden sind Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Hartz-IV-Empfänger, Geringverdiener, zunehmend aber auch Rentner und Asylsucher. Einige Tafeln bieten inzwischen sogar Deutschkurse und Beratung für Asylsucher an. Flächendeckend verteilt die Berliner Tafel in ihren 45 „LAIB-und-SEELE“-Ausgabestellen Lebensmittel und gelegentlich Gebrauchsartikel. Manche Tafel-Mitarbeiter sind zugleich auch Kunden. Jeder Kunde ist berechtigt, einmal wöchentlich bei der Ausgabestelle, die seiner Postleitzahl zugeordnet ist, Lebensmittel abzuholen.
Dass die Nachfrage stetig steigt, sieht Sabine Werth, die langjährige ehrenamtliche Vorsitzende der Berliner Tafel, mit Sorge. Offensichtlich ist diese Entwicklung eine Folge der schleichend um sich greifenden Verarmung in der Hauptstadt. Berlin ist die Stadt mit dem bundesweit höchsten Anteil an Hartz-IV-Empfängern. 2015/16 musste zudem noch ein großer Zuzug von Asylsuchern geschultert werden. Kritiker wie der Sozialwissenschaftler Stefan Selke scheinen recht zu behalten mit ihrer Bewertung, dass die Tafeln und andere Lebensmittelangebote zunehmend die Grundversorgung der Armen übernehmen, die eigentlich dem Staat obliege.
Laut Auskunft des Bundesverbandes Deutsche Tafel verzeichneten die Tafeln von 2014 bis Frühjahr 2016 landesweit einen Rekordzuwachs an Kunden, in Nordrhein-Westfalen mancherorts bis zu 50 Prozent. Allgemein wurde dies vor allem auf einen hohen Anteil von Asylsuchern zurückgeführt.
Die Berliner und Brandenburger Tafeln hatten bis zum Frühjahr 2016 ebenfalls einen Zuwachs an Neukunden von einem Drittel (32,9 Prozent) zu stemmen. Es kam zu Engpässen bei der Lebensmittelausgabe. Seither sei der Ton unter den Kunden rauer geworden, meldete die „Welt“. Ab Mitte 2016 war diese Entwicklung in Brandenburg wieder rückläufig.
Und in Berlin? Aus nicht nachvollziehbaren Gründen gibt die dortige Tafel keine detaillierten Zahlen zum Anteil der Asylsucher bekannt. Die auf ihrer Netzseite veröffentlichten „Jahresberichte“ verraten hierüber nichts. Auskünfte wie „2017 kamen 27 bis 28 Prozent unserer Kunden aufgrund zu geringer Rente oder als Grundsicherungs-Empfänger zu uns, weil sie von ihrem Geld einfach nicht leben können“ – so Geschäftsführerin Antje Trölsch in der „Berliner Zeitung“ – vermitteln gar den Eindruck der Verschleierung. Der Berliner Verein teilt lediglich mit, dass in der Hauptstadt monatlich bis zu 50000 bedürftige Menschen in die Ausgabestellen kämen. Zudem versorge die Tafel rund 300 soziale Einrichtungen wie die Bahnhofsmission am Zoo sowie Kinder- und Jugendzentren mit frischen Lebensmitteln, die vor Ort verarbeitet würden.
Vor diesem Hintergrund macht sich Skepsis breit angesichts der Tatsache, dass Werth seit 2010 in Interviews stets die Zahl von 125000 Menschen nennt, die „inzwischen“ durch die Berliner Tafel versorgt würden.     D. Jestrzemski


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Kommentare

Albert Nola:
11.02.2018, 15:15 Uhr

Die "Tafel" muss sein! Freie Marktwirtschaft heißt Hunderttausende von gering qualifizierte Menschen durchfüttern: eine absolut notwendige Arbeitskräftereservoir! Vollbeschäftigung heißt Abhängigkeit von Zuwanderung! Die kinderlosen Ostdeutschen werden dieses lernen müssen!


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