Die Bürger brechen aus

Was die Wahlen in den USA, Großbritannien und Frankreich gemeinsam haben

14.06.17
Gegen die Etablierten gewählt: Donald Trump, Jeremy Corbyn und Emmanuel Macron (v.l.) Bilder: Imago, ddp images, pa

Donald Trump, Jeremy Corbyn und Emmanuel Macron − nichts vereint sie. Und doch stehen alle drei für einen historischen Trend.

Auf den ersten Blick haben die politischen Erdbeben, welche die drei wichtigsten Verbündeten Deutschlands seit einem Jahr erschüttern, wenig miteinander gemein. Näher betrachtet aber zeigen sie ein gemeinsames         Muster.
Ob in den USA, in Großbritannien oder zuletzt in Frankreich, überall haben die Bürger ihren politischen Eliten Schläge verpasst wie seit Generationen nicht. Es begann mit der Brexit-Abstimmung vor einem Jahr, setzte sich über den Sieg von Donald Trump fort bis zum Vormarsch von Jeremy Corbyn bei den britischen Parlamentswahlen und endete nun in Paris, wo die Wähler das seit Jahrzehnten herrschende Parteiensystem weggefegt haben.
Die Protagonisten der drei Erschütterungen könnten zwar unterschiedlicher kaum sein. Beim Brexit stand der nationalkonservative EU-Gegner Nigel Farage an vorderster Front, ein Jahr später scharten sich unerwartet viele Briten um den roten Rebellen Corbyn. In den USA gelangte der bunt schillernde, anti-intellektuelle Donald Trump zur Macht − wie Corbyn von der eigenen Parteiführung erbittert bekämpft. In Frankreich hat der geschmeidige Ex-Sozialist Emmanuel Macron die alten Parteien, insbesondere die sozialistische, überrannt.
Wie es aussieht, ging es den Bürgern noch vor weltanschaulichen Fragen insbesondere darum, die Etablierten, die „alten Eliten“, abzustrafen oder gleich ganz vom Hof zu jagen. Wer an deren Stelle treten würde, war vielen zweitrangig − Hauptsache diejenigen, die seit ewig oben sind, verschwinden endlich. Man ist ihrer in einem Maße überdrüssig, welches bei der Suche nach einer Alternative regelrecht wahllos macht.
Deutschland bildet in diesem Reigen eine verblüffende Ausnahme. Regierungschefin Merkel und ihre Partei können glänzende Zustimmungswerte vorweisen, zumal der SPD-Herausforderer kaum etwas wirklich Abweichendes bietet.
Überhaupt gelang es Merkel, die politische Linke zu neutralisieren, indem sie in allen Punkten, die heute in den Vordergrund gestellt werden (Asyl, Zuwanderung, „Gender“, Energie oder Klima), die linken Positionen zu ihren eigenen gemacht hat. Gegen rechts wurde eine Front errichtet, die schon die geringste Abweichung in diese Richtung mit einem Furor erstickt, welche manchen an die „Mobilisierung aller Kräfte“ in der DDR erinnert.
Die in Berlin Herrschenden profitieren davon, dass sich die Masse hierzulande von den wirtschaftlichen Problemen verschont glaubt, welche in den drei westlichen Ländern weite Kreise des Volkes quälen. In Deutschland dürfte es erst spannend werden, wenn diese wirtschaftliche Selbstgenügsamkeit in die Krise gerät. Welche Kraft aber die dann unruhig gewordenen Bürger hinter sich vereinen, ist völlig offen.     Hans Heckel


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Kommentare

Laszlo Nagy:
28.06.2017, 20:05 Uhr

Marcus Junge
Corbyn ist im Gegensatz zu Macron keinesfalls ein Kandidat des postdemokratischen Establishments. In Bezug auf die Themen: EU, Eiwanderungs- und Asylpolitik und Islam vertritt er zwar in der Tat partiell bis weitestgehend obrigkeitskonforme Anschauungen, jedoch nicht in Hinblick auf Themen wie Außen-, Militär-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Corbyn ist eher eine europäische Mischung aus Jill Stein und Bernie Sanders. Im Übrigen resultiert
Corbyns islamophile Grundhaltung aus einem selektiv-grobschlächtigen Anti-Imperialismus als aus einem xenozentrischen Kulturrelativismus. Corbyn ist beispielsweise ein Unterstützer der sozialistisch-kommunistischen Terror-Organisation PKK, die bei strenggläubigen Muslime überhaupt keine Sympathie genießt, sondern die als Objekt der Verachtung und des Hasses gilt.


Arnold Schacht:
14.06.2017, 13:06 Uhr

Macron in Frankreich war aber Kandidat des Establishment. Er wurde in der zweiten Runde von allen etablierten Kräften unterstützt, obwohl er in keiner etablierten Partei ist - wie van der Bellen in Österreich. Le Pen wäre die Anti-Establishment-Alternative gewesen. Macron will mehr EU und Islamisierung Einige haben Macron schon als Hollandes "Mini-Me" bezeichnet. Also "Weiter so!"


Max Müller:
14.06.2017, 11:50 Uhr

Man muss den selbst gekauften Umfragen aber auch nicht alles glauben ...

Ausserdem: ein, zwei Breitscheidplätze mehr und die Situation ist eine gänzlich andere ...


Marcus Junge:
14.06.2017, 11:18 Uhr

Also ich halte die Kernaussage dieses Artikel schlicht für Unsinn.

Corbyn und Macron sind 150%ig Vertreter des bestehenden Systems.Die Wähler sind, wie üblich, nur viel zu indoktriniert / verblödet, um dies zu bemerkeln. Das ändert rein gar nichts an der Verortung dieser Verbrecher.

Corbyn will EUdSSR, Sozialismus, Islam. Er war sogar gegen die Beobachtung von islamischen Gefährdern, deren "Glauben" solle als normale politische Weltsicht gelten und nicht der Beobachtung unterliegen, zusätzlich zu offenen Grenzen, versteht sich.

Macron ist ein Rothschild-Knecht, er will die Super-EUdSSR (BRD zahlt), offene Grenzen, möglichst viele Moslems und ist ein Blender vor dem Herren.

Die Völker haben ihre endlose Dummheit gezeigt, wie üblich, nichts anderes.

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Zitat Acta Diurna von Michael Klonovsky:
"Emmanuel Macron, der sieghafte Sunnyboy mit dem Zukunftsabo, Trump-Dompteuer und Populistenbezwinger, errang eine Mehrheit von 32 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 48,7 Prozent. Theresa May, die ihr Land ins Gestern der Souveränität führen will, erlebte ein Desaster mit 42,4 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 68,7 Prozent."


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