Die eigenen Früchte

Warum die Essener Sozis nicht demonstrieren dürfen, wer sich den eigenen Tod wünscht, und wie sich Linke manchmal winden müssen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

30.01.16

Das ist gerade noch mal gutgegangen. Drei Essener SPD-Ortsvereine wollten auf die Straße gehen, um gegen die Überlastung ihrer Stadtteile durch die Asyllawine zu demonstrieren. Unter dem Motto „Genug ist genug, Integration hat Grenzen, der Norden (von Essen) ist voll“ riefen die SPD-Gliederungen in drei einstigen Arbeitervierteln am Freitag vergangener Woche sogar zu Sitzblockaden auf.
Da brach Panik aus in der Parteispitze. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schick­te sogar den Generalsekretär der Landes-SPD, André Stinka, nach Essen, um den Genossen den Kopf zu waschen.
Das musste der aber gar nicht mehr. Schon am Sonnabend sagten die Essener Sozis ihre Aktion ab. Warum? Weil sie von allen (linken) Seiten unter Feuer genommen worden waren. Schlimmer noch sei es zudem gewesen, dass „Rechte“ auf das Thema gesprungen seien.
Komisch! Eigentlich sind die Leute doch in die etablierten Parteien eingetreten, um mehr als ein Normalbürger am politischen Leben teilnehmen zu können. Während der gewöhnliche, parteilose Wähler nur alle paar Jahre mal an die Urne gebeten wird, ist man als Parteimitglied ununterbrochen dabei bei der politischen Willensbildung, so lautet das Versprechen bei der Mitgliederwerbung von Union, SPD und Co. Da hätte man mehr Einfluss auf das Geschehen, finde Gehör, könne seine Anliegen wirkungsvoll anbringen.
Nun sehen wir: alles kalter Kaffee, eher das Gegenteil scheint zuzutreffen. In Essen nämlich hat sich die Mitgliedschaft in einer etablierten Partei als ein Instrument entpuppt, mit dem die Mächtigen ihre politisch interessierten und engagierten Bürger bloß besser disziplinieren können.
So bleibt die Demo-Szene im gegenwärtigen Deutschland eine ganz eigentümliche Erscheinung. Da gibt es die, auch gewalttätigen, Linksextremen von der „Antifa“, die über etliche Kanäle mit Steuergeld gemästet werden und dafür die Anliegen der Staatsmacht auch gern mal mit Faust und Knüppel durchsetzen. Deren Opfer sind meist bürgerliche Demonstranten von der AfD, Abtreibungskritiker, Pegida-Anhänger oder Ähnliches. Dann gibt es Demos aus dem Hooligan-Milieu oder der „Türsteher-Szene“, die allerdings beim geringsten Anlass schnell von den Wasserwerfern der Polizei weggespült werden und daher nicht lange dauern.
Schließlich sind da noch die staatlich veranstalteten „Unsere Stadt bleibt bunt“-Kundgebungen. Deren Kern bilden abgeordnete Schulklassen, Partei- und Gewerkschaftsjugendtrupps sowie Bedienstete von Staat, Kirchen und Gewerkschaften, denen ihr Arbeitgeber „empfohlen“ hat, teilzunehmen.
Das war’s. Und wo sind all die anderen Bürger? Nun, die Anhänger der großen Parteien haben sich von der Straße verbannen lassen durch das ununterbrochen hämmernde „Kampf gegen Rechts“-Gedröhn der Mächtigen und ihrer Medien. Das dient nämlich nicht vorrangig dazu, die NPD zu bezwingen. Zweck ist vielmehr, die normalen Bürger auf Spur zu halten, wie in Essen meisterhaft vorgeführt.
Seit die faktische Nachrichtensperre löchrig geworden ist, verfolgen uns jede Woche neue Meldungen über Verbrechen in und um Asyllager sowie sexuelle Übergriffe vonseiten sogenannter Flüchtlinge. In München wurde eine 18-Jährige von einem „Hamet“ sexuell missbraucht, nachdem sie den Mann mutmaßlich türkischer oder irakischer Herkunft zuvor in einem Klub kennengelernt hatte.
Die „Antifa“ würde vielleicht sagen: Da hat das Mädel noch mal Glück gehabt. Auf „Facebook“ kursiert das Bild einer jungen Frau, die vor sich ein Pappschild mit der Losung „Will trade racists for rapists“ in die Kamera hält, auf Deutsch: „Möchte Rassisten gegen Vergewaltiger tauschen.“ Darunter das „Antifa“-Logo und der Namenszug „Rote Antifa-Front RAF“.
Das Bild ist hoffentlich eine geschmacklose Fälschung. Es scheint jedenfalls „bearbeitet“ worden zu sein. Wäre es echt, hieße dies: Die 18-jährige Münchenerin hätte es viel schlimmer erwischen können. Statt von „Hamet“ missbraucht zu werden, hätte ihr im Klub auch ein (scheinbar!) netter junger Mann ein Glas Sekt ausgeben können, der für Grenzkontrollen eintritt und sich damit nach „Antifa“-Diktion zweifelsfrei als „Rassist“ entlarvt!
Doch wie gesagt, irgendwie müffelt das „Facebook“-Ding nach Provokation. Andererseits: Es ist uns schon so viel Unglaubliches begegnet, dass wir mittlerweile alles für möglich halten. Deutsche, die „Bomber-Harris, do it again“ oder „Deutschland verrecke!“ brüllen, gehören zum Straßenbild. Damit fordern sie letztlich den eigenen Tod ein. Deutschland ist schließlich nur Deutschland, weil die Deutschen darin wohnen. Wer es zum „Verrecken“ bringen will, der meint damit nicht den Tod von Feldern und Wäldern, sondern den der deutschen Menschen, im Falle eines Deutschen inklusive des eigenen.
Wie weit sich diese Leute über den Rand simpelster Vernunft hinausbewegt haben, erhellt ein Blick auf die Natur. Vom niederen Schleimpilz bis zum hochentwickelten Säugetier ist jeder Organismus darauf gepolt, seine eigene Existenz zu sichern und die seiner Art oder Gruppe. Der Patriotismus stellt bloß eine aktuelle, den Menschen eigene Fortschreibung dieses natürlichen Impulses dar. Wobei wir mittlerweile gelernt haben, dass man diesen Impuls auch im Zaum halten muss, damit er nicht zum Völkerhass umkippt wie guter Wein zu saurem Essig.
Wer indes als Deutscher den Schlachtruf „Deutschland verrecke“ ausstößt, bei dem steht alles auf dem Kopf. Bei dem sind die grundlegendsten Regungen in ihr Gegenteil verkehrt. Da erscheint am Ende vielleicht sogar das Vergewaltigtwerden als begrüßenswerte Alternative zum bloßen Vorhandensein von „falsch gesinnten“ Landsleuten.
Kopfstehen können allerdings nicht bloß die Krakeeler von der „Antifa“. Sie haben es alle gehört: Bundesjustizminister Heiko Maas hat „nach Köln“ versprochen, hart durchzugreifen. Und was hat er vor? Er will als Reaktion auf die Silvester-Exzesse den „Kampf gegen Rechts“ massiv ausweiten. Neue Stellen sollen in der „Antifa“-Industrie geschaffen werden und etliche zusätzliche Millionen fließen.
Wobei – ach nein, wir tun ihm vermutlich Unrecht, wenn wir den Minister in eine Reihe stellen mit den verdrehten Schreihälsen. Denn im Grunde handelt Maas gut überlegt. „Köln“ hat der etablierten Politik das Gewand der Vertuschung entrissen. Nun müssen all diejenigen mit noch mehr Macht verscheucht werden, die sich anschicken, das Licht anzuknipsen. Damit niemand sehen kann, wie fürchterlich Maas und die Seinen versagt haben. Denn wie üblich ist der „Kampf gegen Rechts“, den Maas meint, wieder nicht vordringlich gegen echte Neonazis gerichtet, sondern gegen aufmüpfige Bürger aller erdenklichen Sorten, siehe Essen.
Blöderweise interessiert es die Wirklichkeit aber nicht, wenn Politiker sie mit machtvollen Verrenkungen einfach wegzudrücken versuchen. Sie kommt immer wieder durch.
Einige betont linke Musikklubs in Freiburg machen da gerade schmerzhafte Zeiten durch. Asylbewerber gingen dort offenbar massiert auf Frauen los, bis zum gewalttätigen Eindringen in Kabinen auf dem Frauen-WC. Einer der Klubs überlegte in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten E-Mail daraufhin, Asylsuchern ganz den Zutritt zu verweigern.
Die Mail landete dummerweise bei der Lörracher AfD, welche den Text gleich an die Presse weiterleitete. Jetzt herrscht große Beklemmung. Die Verfasser der Mail beteuern, es gehe ihnen nicht um Ausgrenzung, sondern um den „Dialog mit den Flüchtlingen“. Der (interne!) Schrieb sei ein „Hilferuf“ gewesen. An wen? Egal. Es ist schon hart, wenn die Verfechter von Multikulti und offenen Grenzen so unmittelbar auf die unverdorbenen Früchte ihrer eigenen Bemühungen stoßen.


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Kommentare

Rudolf Pueschel:
5.02.2016, 04:10 Uhr

Wenn ich etwas Positives ueber Deutschland lesen will, dann muss ich zum Buch eines nichtdeutschen Autors greifen. Das letzte Beispiel dafuer ist Gerrard Menuhins "Tell the Truth and Shame the Devil." Dafuer gibt es zwei Gruende: Erstens haben 70 Jahre Umerziehung, auch "re-education" genannt, den meisten Deutschen die Faehigkeit zu klarem Denken entzogen. Zweitens muss ein Deutscher, der Menuhins Auffassungen vertritt, mit Verurteilung zu 5 Jahren Gefaengnis wegen "Volksverhetzung" rechnen, weil auch Richter und Staatsanwaelte mit Grund eins belastet sind.


sitra achra:
30.01.2016, 19:04 Uhr

Der inflationäre Gebrauch von "links", "rechts" oder "nazi" in
diesem Land kann nicht die Tatsache verdecken, dass die gesamt Mischpoke
aus mittelmäßigen Spießern besteht, die sich gegenseitig wegen ihrer Unfähigkeit, eine lebensbejahende Position einzunehmen, hassen.
Echte Rechte oder Linke gibt es in diesem Micky-Maus-Staat schon lange nicht mehr.
Merkwürdig auch, dass Intellektuelle, die zu den aktuellen Zuständen Stellung nehmen könnten, vollkommen untergetaucht sind.
Es scheint, als seien sie ausgestorben.
Aber vielleicht haben sie nur Angst vor dem Zensor.
Wozu auch etwas riskieren? Es geht uns ja noch gold!


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