Die fast bessere Hälfte des Großen Kurfürsten

Die niederländische Entwicklungshilfe für Brandenburg und die Souveränität Preußens sind nicht zuletzt Louise Henriettes Werk

26.06.17
Vor 350 Jahren gestorben: Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg Bild: Imago

Die erste Ehefrau des Großen Kurfürsten und Mutter des ersten preußischen Königs ist alleine schon aus zwei Gründen für die Geschichte Brandenburg-Preußens von größerer Bedeutung. Zum einen half sie ihrer neuen Heimat von ihrer alten zu lernen. Zum anderen beriet sie ihren Mann und trug damit dazu bei, dass er ein souveräner Herrscher wurde.

Die am 27. November 1627 in Den Haag geborene Prinzessin Louise Henriette von Oranien war eine kluge und politisch denkende Frau. Da fiel der Apfel nicht weit vom Stamm, denn ihre Mutter war die Gräfin Amalie zu Solms-Braunfels, die als politisch hochbegabt gilt. Die Suche nach den Spuren der Kurfürstin in der Geschichte des Landes, dessen Landesmutter sie mit 19 Lebensjahren wurde, wird jedoch dadurch erschwert, dass sie sich nicht hervortat, nicht aus der Rolle fiel und eher durch Bescheidenheit glänzte.
So ist denn auch kein Versuch von ihr überliefert, ihre Liebe, den Hugenotten Henri Charles de Trémouille, zu ehelichen. Er galt nicht als standesgemäß. Schließlich war ihr Vater, Prinz Friedrich Heinrich von Oranien, seit 1625 Statthalter der Vereinigten Niederlande. Nachdem ihr ältester Bruder Wilhelm bereits 1641 die älteste Tochter des britischen Königs Karl I. geheiratet hatte, sollte sie als älteste Tochter ihrer Eltern Karls Ältesten heiraten. Doch mit dem Ausbruch des Englischen Bürgerkriegs 1642, der sieben Jahre später mit Karls Hinrichtung endete, verlor diese Partie entscheidend an Attraktivität.
Damit bekam der seit 1640 regierende Große Kurfürst Fried­rich Wilhelm seine Chance. Für den war das auch nur die zweitbeste Lösung. Eigentlich hatte er die seit 1632 regierende schwedische Königin Christina heiraten wollen, nicht zuletzt, weil man mit Pommern ein gemeinsames Interessensgebiet hatte. Aber Fried­rich Wilhelms diesbezügliche Hoffnungen zerschlugen sich, und die Niederlande konnten ihm ja auch etwas bieten. Immerhin waren es ihre Truppen, die seine rheinischen Besitzungen Kleve und Mark besetzt hielten.
1646 wurde geheiratet. Während die Niederlande zu dieser Zeit den Höhepunkt ihres Goldenen Zeitalters (Gouden Eeuw) erlebten, war Brandenburg vom zu Ende gehenden Dreißigjährigen Krieg gezeichnet. Luise Henriette holte zusammen mit ihrem Mann Künstler, Bauleute, Handwerker, Bauern, Gärtner sowie Wasserbau- und andere Experten aus ihrer hochentwickelten alten Heimat in ihre neue, wo sie segensreiche Entwick­lungshilfe leisteten. Sie selber stand dem nicht nach. Nachdem ihr Mann ihr 1650 die im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannte und geplünderte Domäne Bötzow unweit Berlins geschenkt hatte, machte sie sich daran, daraus ein Vorbild für das ganze Land zu machen. Sich selbst baute die Oranierin 1651 bis 1655 in dem Mustergut ein Schloss im Stil ihrer alten Heimat, das sie „Oranienburg“ nannte, ein Name, der auf den Ort und das Amt übertragen wurde.
Auch auf außenpolitischem Gebiet war Louise Henriette aktiv. Im 1655 ausgebrochenen Zweiten Polnisch-Schwedischen Krieg wechselte Brandenburg-Preußen mehrmals die Seite. Als „brandenburgisches Wechselfieber“ ist dieser Zickzackkurs in die Geschichtsbücher eingegangen. Louise Henriette machte sich dafür stark, dass sich ihre neue Heimat schließlich wie ihre alte 1657 auf die Seite Polens schlug. Friedrich Wilhelm war als Herzog in Preußen Lehnsmann des polnischen Königs, und dieser dankte jenem die Unterstützung, indem er im Vertrag von Wehlau auf die Lehnsherrschaft über das Herzogtum Preußen verzichtete. 1660 wurde die Souveränität des Herzogs in Preußen im Frieden von Oliva, mit dem der Zweite Nordische Krieg endete, international bestätigt.
Friedrich Wilhelm, dem nachgesagt wird, dass er kein Problem mit starken Frauen gehabt hätte – wofür die Tatsache spricht, dass er lange Zeit an Königin Christina interessiert war –, wusste die Ratschläge seiner Frau, die mancher seiner Zeitgenossen vielleicht als Einmischung abgelehnt hätte, zu schätzen. Nach ihrem Tode meinte er, es sei ihm nie etwas misslungen, wenn er ihrem Rat gefolgt sei. Friedrich Wilhelm schätzte jedoch nicht nur seine erste Frau als Ratgeberin, er liebte sich auch, wie auch sie ihn liebte. Das ist umso bemerkenswerter, als es sich ja nicht um eine Liebesheirat gehandelt hatte, und Braut wie Bräutigam zweite Wahl gewesen waren.
Als Louise Henriette vor 350 Jahren, am 7. Dezember 1667, in Cölln starb, hinterließ sie außer ihrem Ehemann auch drei Söhne. Der älteste, Karl Emil, starb vor seinem Vater 1674 an der Ruhr. Ihr zweiter, Friedrich, trat 1688 das Erbe und die Nachfolge seines Vaters an und wurde 1701 Preußens erster König.    Manuel Ruoff


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