Die Frist ist abgelaufen

Bis Ende März sollten Polens Städte ihre Sowjetdenkmäler entfernen – Eine Bestandsaufnahme

12.04.18
Bestandteil der polnischen Dekommunisierung: Demontage des „Dankbarkeits-Denkmals“ im niederschlesischen Liegnitz Foto: action press

Bis Ende vergangenen Monats sollten Polens Städte Denkmäler aus der Zeit des Kommunismus entfernen. Die Regierungspartei PiS will damit die Glorifizierung der Sowjetunion beenden.

Das „Dankbarkeits-Denkmal“ im niederschlesischen Liegnitz, das an die sowjetischen „Befreier“ der Stadt erinnert, wurde nach dem Krieg aus dem Metall zweier eingeschmolzener deutscher Denkmälern gegossen. Auf den Trümmern Deutschlands sollte ein neues, junges Polen mit brüderlicher Hilfe durch die Sowjetunion entstehen. In Ostdeutschland stehen besonders viele dieser sowjetischen Ehrenmale, denn dort hatte kaum ein Pole vor dem Kriege gewohnt, also hatte dort auch kaum ein Pole für die „Befreiung“ gekämpft, sondern nur die Sowjetsoldaten. 600000 von ihnen sind für die „Befreiung“ dieses Teils der heutigen Republik Polen gestorben.
Unlängst wurde das Denkmal von Liegnitz mit einem Kran vom Sockel gehoben. Seine heutigen Bewohner wurden genauso wenig wie die der anderen betroffenen Städte gefragt. Allerdings waren sie auch bei der Aufstellung der Denkmäler nicht gefragt worden, und die heutigen politischen Entscheidungsträger sind im  Gegensatz zu den damaligen durch allgemeine, gleiche und geheime Wahlen demokratisch legitimiert.
Die Abrisse erfolgten im Rahmen des am 21. Oktober vergangenen Jahres in Kraft getretenen sogenannten Dekommunisierungsgesetzes. Ebenfalls bereits im vergangenen Jahr haben die Behörden in Stettin das sowjetische Mahnmal „Zu Ehren derer, die für Stettin kämpften“ zerlegen und verschrotten lassen. Stettin hatte noch bis 1955 einen sowjetischen Hafen, keinen polnischen. Fast 300 Sowjetehrenmäler in der gesamten Republik Polen sind von dem neuen Gesetz betroffen, mit dem die polnische Regierung den öffentlichen Raum von der Verherrlichung der Sowjetunion befreien möchten.
Die etwa 30 Kilometer südöstlich von Braunsberg und 55 Kilometer südwestlich von Königsberg liegende ostpreußische 3000-Einwohner-Stadt Mehlsack [Pieniezno] sorgte bereits 2015 für Schlagzeilen, als die Rathausverwaltung ein Sowjetdenkmal für den dort gefallenen Iwan Tschernjachowski entfernen ließ. Polnische Historiker waren zuvor zu der Erkenntnis gekommen, dass der jüngste Armeegeneral in der Geschichte der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg für die Tötung Tausender polnischer Untergrundkämpfer verantwortlich gewesen sei. Kritik am Abbau kam damals vor allem aus der nur 40 Kilometer entfernten Russischen Föderation. In deren Königsberger Gebiet haben Sowjetdenkmäler seit einigen Jahren wieder Konjunktur. Dort wird Tschernjachowski noch heute als „Held des Großen Vaterländischen Krieges“ gefeiert.
Nur wenige Gemeinden in der Republik Polen haben sich entschieden, für den Erhalt von Sowjetdenkmälern zu kämpfen. Allenstein [Olsztyn] im südlichen Teil Ostpreußens ist eine von ihnen. Dort hatte die Stadt das Monument für die Rote Armee früh genug unter Denkmalschutz stellen lassen. Deshalb konnte sich der Stadtrat erfolgreich weigern, es zu entfernen. Laut einer Umfrage handelte der Stadtrat im Sinne der Mehrheit der Stadtbewohner.
1994 hat Polen mit Russland vertraglich vereinbart, Gedenkorten und letzten Ruhestätten zu erhalten. Artikel 3 enthält die Verpflichtung, den „Schutz der Gräber, Grabsteine, Denkmäler und anderer Gedenkobjekte sowie die Begrünung und den Erhalt“ sicherzustellen. Die PiS-geführte polnische Regierung interpretiert das in der Weise, dass die russischen Kriegsgräber, die es auf vielen Friedhöfen polnischer Kommunen gibt, gepflegt werden sollen. Sie sollen denn auch von der Dekommunisierung unberührt bleiben. Neben den 600000 gefallenen Sowjetsoldaten und Offiziere sind auf dem Territorium der Republik Polen zwischen 700000 und eine Million sowjetische Kriegsgefangene beerdigt, die in der Zeit dort starben als diese Gebiete noch zum Reich gehörten beziehungsweise von der Wehrmacht besetzt waren. Für Empörung sorgt die Entfernung der Sowjetdenkmäler naheliegenderweise vor allem in der Russischen Föderation, dem Rechtsnachfolger der Sowjetunion. Seitens Russland gab es sogar den Wunsch, das polnische Dekommunisierungsgesetz durch internationale Gremien auf seine Rechtmäßigkeit hin überprüfen zu lassen. Zudem wirft die russische der polnischen Seite Geschichtsfälschung vor.    
    Bodo Bost


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Kommentare

Marcus Junge:
12.04.2018, 20:17 Uhr

Wann werden eigentlich die ganzen Schandmale in der BRD, Ex-DDR, entsorgt? Z.B: Berlin mit seinen 2 großen, bekannten Sowjetsprotzmalen am Brandenburger Tor + Treptower Park?

Ach ja, niemals, solange es eine BRD gibt, die steht ja auf Selbsthaß.


Jan Kerzel:
12.04.2018, 20:13 Uhr

Tatsache ist, dass Polen durch die Rote Armee von der Nazi-Herrschaft befreit wurde. Tatsache ist ferner , dass die Sowjet-Union dem polnischen Staat die deutschen Ostgebiete überlassen hat. Damals vertraute man auf ein kommunistisches Polen als engen slawischen Verbündeten. Das heutige Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR bereut diesen Schritt. Dankbarkeit kann Russland von Polen nicht erwarten und tut es auch nicht.


Hans-Joachim Nehring:
12.04.2018, 19:40 Uhr

Wollen doch daran denken, dass die Sowjets am 21. September 1939 in Ostpolen einmarschiert sind und Tausende polnischer Offiziere bei Katyn umgebracht haben. Aus diesem Grunde allein schon sind sowjetische Ehrenmale in Polen eine Zumutung für einen großen Teil der Bevölkerung.


hans heiher:
12.04.2018, 12:42 Uhr

sowjetischen „Befreier“???????


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