Die Hemmschwelle sinkt

Berlin: Übergriffe in Bussen und Bahnen werden immer brutaler

10.02.18

Innerhalb von drei Tagen ist es in Berlin zu sechs Gewalttaten gegen Fahrer und Kontrolleure der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gekommen. Bereits am       27. Januar wurde ein BVG-Angestellter auf seinem Weg zur Arbeit in Berlin-Hellersdorf angegriffen. Dabei näherte sich eine Person von hinten und schlug plötzlich gegen den Kopf des Opfers.
Der 49-Jährige erlitt bei dem Angriff schwere Kopf- und Augenverletzungen. Einen Tag später bedrohte ein stark alkoholisierter Mann im U-Bahnhof Wittenau einen BVG-Sicherheitsmitarbeiter mit einem Messer. Ebenfalls am letzten Januarwochenende verletzte ein Schwarzfahrer in der Buslinie M 29 einen Kontrolleur. Am U-Bahnhof Südstern wurde zudem ein Fahrzeugführer mit einer Flasche beworfen. Am Montag darauf versuchte schließlich am Hauptbahnhof ein Mann, gewaltsam die Tür eines Busses aufzudrücken, der bereits abgefahren war. Bei einem anschließenden Gerangel erlitt der Busfahrer eine Handverletzung.
Gegen den Tatverdächtigen wird nun wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung ermittelt. Wie aus den Sicherheitsberichten der Verkehrsbetriebe hervorgeht, ist die Zahl der Übergriffe auf BVG-Personal in den vergangenen Jahren zwar sogar zurückgegangen. So wurden 2012 insgesamt 1004 Angriffe registriert. Für das Jahr 2016 weist der Bericht zahlenmäßig weniger, nämlich 555 Übergriffe aus. Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz ist allerdings die Hemmschwelle der Angreifer spürbar gesunken und deren Gewaltbereitschaft gestiegen. Alarmierend ist auch eine andere Entwicklung: Insbesondere seit Jahresbeginn sorgt eine Reihe von sexuellen Übergriffen auf Frauen in Bussen und Bahnen für Schlagzeilen. Die für Bahnhöfe und Züge zuständige Bundespolizei meldete im Januar gleich mehrere Fälle, bei denen Frauen unsittlich berührt wurden oder solche, bei denen Täter in der Öffentlichkeit masturbierten.
Auch Berlins Polizei hat 2017 deutlich mehr Anzeigen wegen sexueller Übergriffe in Bussen und Bahnen aufgenommen. Mit 295 hat sich deren Zahl zu 2016 fast verdoppelt. Als Erklärung für den drastischen Anstieg wird die Reform des Sexualstrafrechts vom November 2016 genannt. Auch unter dem Einfluss der Ereignisse der Kölner Silvesternacht 2015/16 ist das Recht verschärft worden. So können auch verbale oder körperliche Belästigungen, wie etwa ein Begrapschen, besser geahndet werden.     Norman Hanert


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