Die PAZ auf Wikipedia:

Wie man die Internet-Gemeinde hinters Licht führt

28.12.11

Im Wikipedia-Eintrag zur Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) reiht sich eine ganze Palette von sachlichen Fehlern aneinander, die leicht aufzudecken sind.

Eine Reihe von Fehlern wurde nach Protesten und Diskussion mittlerweile bereinigt. Andere Versuche der gezielten Manipulation von Wikipedia-Lesern sind jedoch geblieben.

Dies beginnt schon mit der groben politischen Zuordnung am Beginn des Eintrags. Die Zuordnung der PAZ zur „Neuen Rechten“ ist irreführend. Der Begriff „Neue Rechte“ ist überaus schwammig und wird von einzelnen Stellen auch zur Bezeichnung von radikal oder gar extrem rechten Positionen jenseits des freiheitlich-demokratischen Spektrums verwendet. Da die PAZ aber seit jeher strikt freiheitlich-demokratische Positionen vertreten hat, wird so eine fehlerhafte Einordnung der Zeitung insinuiert. Es ist nicht auszuschließen, dass genau dies auch die Absicht der angegebenen Quellen war.

Dem entsprechend finden sich auch im Abschnitt „Neuausrichtung 1997-2008“ Fehler: Hier heißt es, „darüber hinaus entwickelte sie sich jedoch zunehmend zu einem Medium auch für ultrakonservative und neurechts geprägte Autoren und Leser“. Zwar hat die PAZ wie jedes andere Medium keinen Einfluss darauf, wer sie zur Kenntnis nimmt. Hier wird jedoch nahegelegt, dass die PAZ gezielt gewisse Gruppen bedient, die mit dem polemischen Zusatz „ultra-“ gebrandmarkt oder mit der schwammigen Vokabel „neurechts“ bewusst unscharf beschrieben werden.

Im selben Absatz wird zudem bemerkt, dass der Preussische Mediendienst „vom (?) als rechtsextremistisch eingestuften Verlag Siegfrid Bublies (sic!) … übernommen“ worden sei. Auch hier wird eine bewusste Auswahl eines „rechtsextremistischen“ Verlages durch das Ostpreußenblatt (OB, früherer Name der PAZ und heute Beilage) insinuiert. Dies ist irreführend, da zum damaligen Zeitpunkt eine „rechtsextremistische“ Position des Bublies-Verlages nicht erkennbar war. Wenige Jahre später ging der Preußische Mediendienst in andere Hände über, was gar nicht erwähnt wird. Inzwischen ist die Herausgeberin der PAZ nur noch geringfügig am nunmehr eigenständigen PMD beteiligt, weshalb sich die Erwähnung des Dienstes zur Beschreibung der Arbeit der PAZ gänzlich erübrigt.

Ein Fehler hat sich auch in den Satz „Zu Ostern 2003 wurde das Blatt in Preußische Allgemeine Zeitung umbenannt, womit die ehemalige Beilage zur eigentlichen Zeitung aufgewertet wurde“ eingeschlichen. Die PAZ war zu keinem Zeitpunkt eine „Beilage“ des OB. Der Autor dieses Satzes bezog seine Auffassungen über die PAZ offenkundig aus fehlerhafter Sekundärliteratur.

Der Absatz „Wissenschaftliche Einordnung“ ist auffallend einseitig und wiederholt die Unterstellung des linksextremen Autoren „Anton Maegerle“ alias Gernot Modery, das OB resp. die PAZ versuche einen „Brückenschlag vom konservativen Spektrum zur rechtsextremen Szene“ herzustellen. Mit welcher Berechtigung Modery als „Wissenschaftler“ geführt wird, bleibt völlig offen. Seine Behauptung ist falsch, sofern man nicht das gesamte konservative, liberale und christdemokratische Spektrum selbst als „rechtsextrem“ einordnet. Entsprechend sind auch Moderys Belege für seine Behauptung falsch: Die PAZ „relativiert“ weder den Holocaust noch fordert sie einen Schlussstrich unter die Geschichte. Die Aufarbeitung der Geschichte ist vielmehr ein beständiger und wesentlicher Bestandteil der PAZ. Der Hinweis auf die „Vergangenheitsbewältigung“ soll die Aufarbeitung der Geschichte lediglich auf eine bestimmte Betrachtungsweise verengen. Die PAZ ist dagegen bemüht, einen möglichst umfassenden Blick auf die Geschichte zu werfen.

So stützen sich weiterhin wesentliche Teile des Wikipedia-Eintrags zur PAZ auf offenkundig falsche Behauptungen und irreführende Insinuierungen, und das in einem Internet-Nachschlagewerk, das einen lexikalischen Anspruch erhebt.

 

 

H. Heckel


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Kommentare

Dietmar Jendreyzik:
21.10.2011, 18:23 Uhr

Guten Tag
als Leser der PAZ bin ich an einer korrekten Darstellung interressiert. Ich bin bei Wikipedia registriert und bitte um Vorgabe neuer Formulierungen, die ich dann ersetzen und im Auge behalten werde.


Dan Cooper:
13.10.2011, 11:46 Uhr

Leider finden sich bei Wikipedia häufig Halb- oder Unwahrheiten. Es basiert eben auf von Laien zusammengetragenen Informationen und erreicht nicht die Zuverlässigkeit eines richtigen Lexikons. Auch Versuche politischer Manipulation lassen sich immer wieder feststellen.
Am besten wäre es, jemand, der bei Wikipedia registriert ist, ändert die unzutreffenden Passagen im PAZ-Artikel. Man muß aber dann damit rechnen, daß die Änderungen von anderen Teilnehmern wieder zurückgenommen werden. Also hartnäckig bleiben, bis sich die Wahrheit durchgesetzt hat.


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