Die Verachtungs-Gemeinschaft

Wenn sich Spitzenpolitiker über deutsche Werte und Kultur auslassen, ist vor allem Fremdschämen angesagt

09.12.16
Schwarz-Rot-Gold? Angela Merkels Verhältnis zur deutschen Nation scheint zwischen Gleichgültigkeit und Verachtung zu pendeln Bild: Kurt Krieger/Getty Images

Vorbei sind die Zeiten, als Politprominenz von links wie rechts einen gesunden Patriotismus pflegte. Mit haarsträubenden Äußerungen zeigen die Regierungsverantwortlichen von heute ihr  gestörtes Verhältnis zur Nation. Für das Land im Zuwandererchaos eine tödliche Gefahr.

Sie hetzt und giftet, sie pöbelt, brodelt und schäumt. Jutta Ditfurth (65), einst Mitbegründerin der Grünen und heute als Mitglied einer obskuren Partei namens ÖkoLinX Stadtverordnete in Frankfurt, tut sich keinen Zwang an. Der Rassismus und der Hass, den sie an diesem 13. Oktober am Rednerpult im Römer, dem Rathaus der Finanzmetropole, verbreitet, wird sie nicht um ihre berufliche Existenz bringen. Ihre Facebook-Seite wird nicht gesperrt werden. Die Empörungsmaschinerie der Mainstream-Medien wird nicht über sie hinwegrollen.
Es geht schließlich nur um Deutschland. Verrecken soll es, weil das wunderbar wäre, zitiert Jutta Dithfurt genüsslich aus dem Lied einer Punkband. Aus ihren Sympathien für das hirnlose Liedgut macht sie keinen Hehl.
Was die Stadtverordnete Ditfurth in aller Öffentlichkeit zum Besten gibt, würde der Bundeskanzlerin Merkel selbstredend niemals über die Lippen kommen. Ihre Haltung zur Nation scheint eher in einem Stadium angelangt, das zwischen Gleichgültigkeit und Verachtung pendelt. Geht es um geborene Deutsche, spricht sie – so geschehen in einem ARD-Interview mit Anne Will – von „den Leuten, die schon etwas länger hier leben“. Im Gegensatz zu „denen, die neu hinzugekommen sind“, womit wohl die Heerscharen der Asylsucher gemeint sind, die sie ins Land gelassen hat. Beliebiger geht es nimmer. Eine Patientenschar beim Zahnarzt ließe sich so charakterisieren: Manche warten eben schon etwas länger auf ihre Wurzelbehandlung.
Lässt sich die Kanzlerin doch einmal über kulturelle Werte und nationale Identität aus, ist Fremdschämen angesagt. Der Sorge vor dem expansiven Islam solle man durch die Pflege christlicher Traditionen begegnen, so ihre krude Logik. Auf einem Sonderparteitag der CDU im Oktober riet sie der entgeisterten Zuhörerschaft, zu Weihnachten, Liederzettel zu kopieren und jemanden aufzutreiben, der Block-flöte spielen kann. „Ich meine das ganz ehrlich. Sonst geht uns ein Stück Heimat verloren.“ Ehrlich war an dieser Stelle wohl nur der Eindruck, wie falsch und unecht die Töne in Merkels Blockflöten-Statement klangen.
Dass solche haarsträubenden Äußerungen von einer breiten Öffentlichkeit nahezu gleichgültig hingenommen werden, liegt vielleicht daran, dass neben und hinter Merkel allzu viele Blockflöten in der gleichen Tonlage musizieren. Derart dauerbeschallt, wird dem Bürger der antideutsche Klang zur Selbstverständlichkeit, etwa wenn Innenminister Thomas de Maizière bei einer Diskussion über Integration zum Stichwort Nationalkultur nichts weiter einfällt als Schweinebraten und Currywurst. Derlei Leckereien werde man natürlich trotz islamisch-orientalischer Einwandererflut auch weiterhin verspeisen können, verkündet er generös.
Was ein möglicherweise zukünftiger SPD-Kabinettkollege vom Land seiner Geburt hält, hat er ebenfalls schon deutlich gemacht. Martin Schulz, noch bis Januar Parlamentspräsident in Brüssel und dann als neuer deutscher Außenminister im Gespräch, will erklärtermaßen auch künftig EU-Interessen vertreten. Berliner Belange scheinen ihm weniger am Herzen zu liegen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Auch wenn CDU und SPD mit dem beginnenden Wahlkampf in vielen Fragen auseinanderdriften, als Verachtungsgemeinschaft in Sachen Staatsvolk harmonieren sie prächtig. Unvorstellbar sind heute die Zeiten, als Willy Brandt mit dem Slogan antrat „Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land“. Zum Bundestagswahlkampf 1972 war das, und die SPD errang mit 45,8 Prozent der Stimmen den höchsten Sieg ihrer Geschichte. Mit Patriotismus lassen sich Wahlen gewinnen, Es ist jene herrlich irrationale Antriebskraft, die Menschen veranlasst, auf eigene Egoismen zu verzichten und sich dem Dienst an einer größeren Sache zu widmen. Sie bringt US-amerikanische Schüler dazu, jeden Morgen in ihren Klassenzimmern die Nationalhymne anzustimmen und zaubert den Franzosen Schmetterlinge in den Bauch angesichts der Marianne, der Nationalfigur ihrer Republik, deren Büste derzeit die Züge des korsischen Topmodels Laetitia Casta trägt.
Wem all dies zu gefühlig und pathetisch klingt, kann sich einmal fragen, wie es eigentlich einer Firma ergeht, deren Spitzenkräfte sich nicht mit dem Unternehmen identifizieren. Er kann sich Verkaufsleiter vorstellen, die halbherzig Preise aushandeln, Personalchefs, denen es egal ist, wer angeheuert wird, und Produktionsleiter, die mehr auf die Qualität ihrer Krawatten achten als auf die Güte der Firmenerzeugnisse. Das Unternehmen wäre binnen Kurzem ein Fall für den Konkursverwalter.
Es braucht die Volkstod-Phan-tasien einer Jutta Ditfurth nicht, um einem Land massiv zu schaden. Gleichgültigkeit und Verachtung reichen vollkommen.
    Frank Horns


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Kommentare

rene kahl:
19.12.2016, 23:46 Uhr

Volltreffer. So ist es! Vollverarsche der BRD Verwurstungsmaschine fuer Deutsche laueft zu neuen Hoehen auf!Wie unterdrueckt man den Brechreiz?


Fritz Brandenburger:
9.12.2016, 12:36 Uhr

Schlimm ist, das diese Leute auf Kosten deutscher Steuerzahler ihr Dasein bezahlt bekommen. Ich glaube nicht das diese Dame etwas praktikabeles gelernt oder studiert hat zumindest kann sie es nicht vernünftig in Anwendung bringen.


Anton Berger:
9.12.2016, 11:29 Uhr

So sehen wahre pathologische HEXENVERBRENNER aus.

Niemand solle sagen die wären ausgestorben!


Dietmar Fürste:
9.12.2016, 08:26 Uhr

Seit sie sich mit ihrem unvergessenen Vater, dem bekannten Arzt und Journalisten Hoimar von Ditfurth in einem Anfall von ideologie-getriebener, übersteigerter Besserwisserei überworfen hat, mündet nun ihre Weltanschauung in einen pathologischen Hass auf alles und jedes, was nicht so ist, wie es aus ihrer Sicht sein sollte.

Mein Mitleid mit einer derart bedauernswert Gestörten hält sich jedoch in Grenzen: Ihr einziger, eigentlich lächerlicher Antrieb wurzelt offenkundig in einer abstrusen links-grünen Ideologie, deren irrationaler Kern aus nichts anderem besteht, als aus einem neuen, diesmal "grünen" Modus, zu Macht und Einfluss zu kommen, wofür man jeden Anhänger mit einem geradezu monströses Sendungsbewusstsein indoktriniert.

Der irrige Anspruch solcher Menschen, im Besitz der einzig gültigen Wahrheit und für die Rettung der Welt vor allem Bösen zuständig zu sein, ist wahrscheinlich nicht therapierbar. Solche Selbst-Überhöhung ist leider einer über Jahrzehnte andauernden Desorientierung geschuldet, die jede historische Tatsache ausblendet, die nicht ins eigene Überzeugungsmuster passt.

Dieses Verhalten nimmt dann im Lauf der Jahre wahnhaft-religiöse Züge an und läßt den Betroffenen nur noch den Ausweg, den eigenen Selbsthass nach außen zu tragen und in ständigen Anklagen gegen Andersdenkende zu verstetigen.


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