Die Wahrheit über Ilja Ehrenburg
Präsentation eines neuen Werkes zum Streit um die Benennnung einer Rostocker Straße nach dem sowjetischen Propagandisten
Vorletzten Donnerstag fand in der Rostocker Universitäts-Buchhandlung Thalia die Buchpräsentation des 9. Bandes der Schriftenreihe „Diktaturen in Deutschland“ statt. Dabei handelt es sich um eine Dokumentation zum Streit um die Namensgebung der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel, der seit rund zwei Jahrzehnten in der Stadt schwelt und bundesweite Aufmerksamkeit erregte und immer noch erregt.
Das Buch unter dem Titel „Ilja Ehrenburg ,Töte!‘“ ist eine gemeinsame Initiative der Forschungs- und Dokumentationsstelle des Landes zur Geschichte der Diktaturen in Deutschland und des ß Verlages aus Rostock. Herausgeben von Fred Mrotzek von der Universität Rostock und Ingo Sens vom ß Verlag wurden die Dokumente von Studenten der Geschichts- und Politikwissenschaften der Universität zusammengestellt.
Eingeleitet wird diese Dokumentensammlung durch drei Artikel aus der Feder des Professors Ingo von Münch, Hamburg, des ehemaligen Oberbürgermeisters Rostocks und Professors Dieter Schröder, Born, und der studentischen Forschungsgruppe. Schwerpunkte dabei sind „Ilja Ehrenburg im Urteil der Geschichte“ (von Münch), „Straßennamen – eine besondere kommunalpolitische Herausforderung“ (Schröder) und „Die Benennung der Ilja-Ehrenburg-Straße“ (Hackbarth/Henschel/Wolf). Darüber hinaus hatten alle politischen Parteien der Rostocker Bürgerschaft die Möglichkeit eine aktuelle Stellungnahme zur Problematik abzugeben. Abgeschlossen wird der Band durch den Abdruck eines Kapitels aus v. Münchs eindrucksvoller Studie „Frau, komm!“ über die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch Angehörige der sowjetischen Streitkräfte 1944/45.
Nach einer Begrüßung durch Werner Müller vom Historischen Institut der Universität Rostock ging das Wort an Fred Mrotzek, der das Auditorium in die Dimensionen und Facetten von Schuld einführte beziehungsweise die Frage von Opfer und Täter während und nach dem Zweiten Weltkrieg erörterte. Den Hauptteil der Veranstaltung bestritt der bekannte Völkerrechtler und ehemalige Zweite Bürgermeister Hamburgs Ingo von Münch, in den 90er Jahren Professor an der Juristischen Fakultät der Rostocker Universität. Dieser brachte dem Publikum Ehrenburg über dessen Autobiografie „Menschen, Jahre, Leben“ näher. Allein anhand dieses Dokumentes zeigte v. Münch eindrucksvoll, dass Ehrenburg keinesfalls der große Menschenfreund und Systemkritiker gewesen war. Die Frage, ob Ehrenburg eine Ehrung, welcher Art auch immer, verdiene, ist aus von Münchs Sicht nicht mit letzter Gewissheit zu klären. Jedoch schloss er seinen Vortrag mit einem auch im Buch enthaltenen Text:
„Ehrenburg selber würde sich vermutlich sehr darüber wundern, dass in Rostock eine Straße nach ihm benannt wurde. Vielleicht würde er diesen Vorgang der ,Liebedienerei‘ und der ,Katzbuckelei‘ zuordnen, die Ehrenburg bei der verängstigten Bevölkerung der Stadt Rastenburg in Ostpreußen nach deren Besetzung durch die sowjetischen Truppen bemerkt haben wollte. In Russland selbst ist man, was frühere Straßennamen betrifft, offensichtlich schon weiter als einige Politiker in Rostock: Im Rat für die Entwicklung der demokratischen Institutionen und der Zivilgesellschaft beim russischen Präsidenten ist vorgeschlagen worden, die Bezeichnungen von Straßen und Plätzen aus der Sowjetzeit zu überprüfen. Fest steht jedenfalls: Wer nach alldem, was wir heute über Ehrenburgs Aktivitäten während des Zweiten Weltkrieges und danach wissen, an einer ihn ehrenden Straßenbenennung festhält, handelt unbegreiflich.“
Nach diesen Vorträgen folgte eine sehr emotional geführte Diskussionsrunde. Hatten die mehr als 100 Gäste bis zu diesem Zeitpunkt gebannt den Ausführungen der Autoren gelauscht, herrschte vor allem durch die erste Wortmeldung eine geladene Atmosphäre. Cornelia Mannewitz, Vertreterin der Initiative Ilja-Ehrenburg, Rostock, stellte die meisten Argumente des Hauptreferenten in Abrede. Ihr Standpunkt stieß bei der Masse der Zuhörer auf keine Gegenliebe. Louis Ferdinand Schwarz, Dissen, unterstrich zusammenfassend v. Münchs Positionen: „Aus meiner Sicht als langjähriger Kommunalpolitiker ist es unerträglich, dass es in der Stadt Rostock eine Straße mit diesem Namen gibt.“ Er forderte die Bürgerschaft auf, diesen Missstand endlich zu beseitigen.
Das Buch kann über den Buchhandel, über die ß Verlag & Medien GbR, Kröpeliner Straße 78, 18055 Rostock, Fax (0381) 25295091, E-Mail: eszet-verlag@web.de, oder die Universität Rostock, Historisches Institut zu einem Preis von 15 Euro bezogen werden. C.N.
Kommentare
Nee! Sag ich. Ehrenburg habe ich intensiv gelesen. Er schrieb als Journalist. Nicht als Propagandist. Ich denke, dass er sicher Vieles nicht GESEHEN hat, weil der Blick eingeschränkt war. Wer aber hat einen OBJEKTIVEN Blick? Erst mal Ehrenburg lesen! Dann bewerten.
Es ist allerhöhste Zeit endlich alle Verbrechen des Krieges als das zu benennen, was sie sind: Verbrechen gegen die Menschlichkeit bzw. Völkermord. Ilja Ehrenburg hat alle Deutschen und Deutschland blindwütig gehasst, das mag seine Sache sein, dass er aber zum Völkermord gegen alle Deutschen aufrief, disqulifiziert ihn als Schriftsteller. Sein Name schändet die Stadt Rostock, dieser Name ist zu tilgen.
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Endlich, doch viel zu spät ein Trost für die Überlebenden der sowjetischen Gewaltorgien und jedes Gegners einer Diktatur, gleich welcher Coleur!