Diese Menschen werden 2016 prägen

Ein Jahr der Eskalation steht Deutschland bevor – Die wichtigste Person: der unbekannte Asylbewerber

31.12.15

Die nächsten zwölf Monate? Mit banger Erwartung schauen die Deutschen auf 2016. Rund 80 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage.
55 Prozent blicken mit Sorge in die Zukunft, ermittelte das Nürnberger Meinungsforschungsinstitut GfK und spricht von einer Rück-kehr der „German Angst“, einem diffusen Furchtgefühl, das den Deutschen seit einigen Jahrzehnten zugeschrieben wird.
Diffus aber ist nichts am derzeitigen Pessimismus. Vor allem die Asylkrise und das hilflose bis ignorante Verhalten der Herrschenden bereitet Sorge. Ein Ende ist  nicht abzusehen. Im Gegenteil: 2016 wird wohl ein Jahr der Eskalation, in dem sich die Krisen und Gefahrenlagen weiter zuspitzen werden. Das gilt für den Nahen Osten ebenso wie für die Ukraine und die Asylkrise.
Neun Personen, die rund um den Globus dabei aller Wahrscheinlichkeit nach eine prägende Rolle spielen werden, haben wir ausgewählt. Andere, die es nicht auf diese Seite geschafft haben, dürften ebenfalls kräftig eingreifen in die Geschicke von Ländern und Regionen – zum Beispiel Marine Le Pen. 2016 wird die Chefin des französischen Front National (FN) sicherlich nutzen, um zusammen mit ihrer Nichte, dem FN-Jungstar Marion Marechal-Le Pen, die etablierten, EU-freundlichen Parteien kräftig vor sich herzutreiben. Die Damen Klöcknerschwesigvonderleyen sind andererseits ebenso wenig dabei wie die Herren Gabrielschäubleseehofer. Auch das lässt nichts Gutes ahnen.  Frank Horns

 

Vergleichsweise jung, zu 80 Prozent männlich, weitgehend ungebildet, kulturfremd, mit archaischem Wertesystem im Kopf, den Koran in der Hand und mit dem Fuß in der Eingangstür nach Deutschland – diese Eigenschaften kennzeichnen ihn: den unbekannten Asylbewerber.
Sicher, jeder der Zuwanderer hat ein Gesicht und einen Namen. Jeder kommt als persönliches Einzelschicksal. Jeder strebt ­– zu Recht – nach indviduellem Glück. In seiner millionenfachen Masse aber wird er zur Bedrohung. Sozialsystem, kulturelle Identität, gesellschaftlicher Friede und wirtschaftlicher Wohlstand werden gefährdet. Wie viele dieses Jahr erwartet werden? Kein Mensch wagt noch eine Prognose. Allein in den vier Tagen vom 24. bis zum 27. Dezember wurden 12740 registriert. Völlig offen auch diese Frage: Wie viele Terrorristen des Islamischen Staates kommen mit der Asylbewerberflut ins Land?

So schlimm wird’s schon nicht werden – haben Jarosław Kaczynskis (66) Gegner im In- und Ausland nach dem Wahlsieg seiner nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen gehofft. Erste Aktionen wie der Vorstoß gegen das Verfassungsgericht zeigen: Kaczynski nutzt die absolute Mehrheit seiner PiS um kompromisslos durchzuregieren. Vor der Asylflut wird er sein Land mit Sicherheit bewahren. Deutschland und ebenso die deutsche Volksgruppe in Polen werden es aber schwer mit ihm haben.

Brandstifter, Quasi-Diktator, EU-Quälgeist, Flüchtlings-Schleuser, heimlicher IS-Freund, Kurden-Feind und Putin-Gegner – kaum eine Woche vergeht ohne Schlagzeilen über den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan (61). Der „neue Sultan“ vom Bosporus hat die Hand, so scheint es, stets am Krummsäbel, und scheint vor kaum einer Eskalation zurückzuscheuen. Das wird sich 2016 nicht ändern, zumal seinem Land bei den meisten Brennpunkten im Nahen Osten eine Schlüsselrolle zukommt.
Die Türen fest verschlossen halten, soll Erdogan, wenn es darum geht, Asylsuchende aus türkischen Flüchtlingslagern von der Reise gen Europa abzuhalten. Umsonst ist derlei von ihm nicht zu haben. Drei Milliarden Euro hat er ausgehandelt. Außerdem Einreiseerleichterungen für Türken in die EU sowie eine Ausweitung der Beitrittsverhandlungen mit der  Europäischen Union. Er wird seine Position auch in den nächsten zwölf Monaten weidlich nutzen, um sich weitere Vorteile zu sichern.

Unter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten liegt der exzentrische Immobilientycoon Donald Trump (69) wieder an erster Stelle. Dass er sich am 8. November gegen den Mitbewerber der Demokraten – wahrscheinlich Hilary Clinton – durchsetzen kann, scheint auch nicht ausgeschlossen. Bei einer Umfrage lag er nur sechs Prozentpunkte hinter der Ex-First-Lady, und für eine Überraschung war er bislang immer gut. Wie sich Trump als „Mr. Präsident“ machen würde? Niemand weiß es, niemand, zumindest keiner aus dem Establishment, möchte es wohl auch so genau wissen.

China, schwächelt, Indien boomt: Während des ersten Amtsjahres von Premierminister Narendra Modi (65) ist das indische Bruttoinlandsprodukt um gut 7,4 Prozent gestiegen. Die 1,2-Milliarden-Menschen-Demokratie gilt allgemein als neuer Wachstumsmotor der Weltwirtschaft.

Im vergangenen Jahr war hier noch das Konterfei vom damaligen AfD-Chef Bernd Lucke abgebildet. Von ihm und seiner Neu-Partei Alfa spricht kaum noch jemand. Nachfolgerin Frauke Petry (40) dagegen lässt es im Parteiensystem ordentlich krachen. Wenn es ihr halbwegs gelingt, Ruhe und Geschlossenheit in die Partei zu bringen, wird 2016 das Jahr der schönen Vorsitzenden. Das Schicksalsdatum: Der 13. März, wenn in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewählt wird. Umfragen sehen die nationalkonservative Partei bereits bei neun Prozent.

Schon 2015 wählte das US-Magazin „Forbes“ Russlands Machthaber Wladimir Wladimirowitsch Putin (63) zum mächtigsten Menschen der Welt. Die Initiative des Handelns hat er den westlichen Gegenspielern nahezu komplett aus der Hand genommen. 2016 dürfte sein Einfluss sogar noch wachsen, denn die USA sind rund um die Präsidentschaftswahlen vorwiegend mit sich selbst beschäftigt. Bei einem Treffen in Moskau mit dem US-Außenminister John Kerry zeigten sich beide Seiten ohnehin in Kuschellaune: In offener und freundlicher Atmosphäre habe man festgestellt, dass man sich in Syrien weitgehend einig sei. Trotz des Konfliktes mit der Türkei um das abgeschossene russische Kampfflugzeug, hilft gerade Putins Engagement im Nahen Osten, die Isolation durch den Westen aufzubrechen
Auch im eigenen Land steht „Zar Wladimir“ unangefochten da: Zwar ist die russische Wirtschaft im freien Fall, trotzdem gilt er der Masse seiner Landsleute als „Garant der Stabilität“. Seine Popularität ist derzeit auf einem Allzeithoch. Bis zu den Parlamentswahlen im September 2016 dürfte sich daran wenig ändern.

Schottland konnte Premierminister David Cameron (49) 2014 im Vereinigten Königreich halten. In diesem Jahr kommt ihm eine Schlüsselrolle bei der Existenz einer anderen Ländergemeinschaft zu. 2016 spätestens 2017 möchte Cameron seine Landsleute über den Brexit abstimmen lassen, den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Derzeit würde die Mehrheit der Briten für den EU-Abschied votieren. 

Schafft es der neue VW-Boss Matthias Müller (62), den deutschen Vorzeigekonzern wieder flott zu bekommen? 2016 werden jedenfalls alle Augen auf ihn und die Wolfsburger Autoschmiede gerichtet sein. Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte ist für das 600000-Mitarbeiter-starke Unternehmen existenzbedrohend. VW hatte im September zugegeben, in etwa elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt zu haben, die den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb als zu niedrig auswies. Anfang November gestand das Unternehmen, dass bei rund 800000 seiner Autos der tatsächliche CO2-Ausstoß höher ist als angegeben. Auf den Konzern kommen Schadenersatzforderungen und Umrüstungskosten im Milliardenhöhe zu.
Unter der Leitung des früheren Porsche-Chefs Müller ist nun eine gigantische Rückrufaktion geplant. Manipulierte Motoren sollen mit Software-Updates und – falls nötig – per Umbau sauberer werden. Einen „Kulturwandel“ hat Müller ebenfalls angekündigt. Die Zukunft soll nicht den Ja-Sagern, sondern den Unangepassten und Pionieren gehören. Die Betrügereien seien in einem Klima der Angst entstanden.
Angst scheint allerdings nach wie vor ein großes Thema im Konzern: Angeblich verschiebt Müller eine geplante USA-Reise immer wieder aus Furcht, dort wegen des Abgas-Skandals verhaftet zu werden.


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Kommentare

Mil Busanno:
1.01.2016, 15:52 Uhr

Es bleibt weiterhin sozialpolitisch äusserst spannend in D. Besonders auf den Sozialämtern.


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