Digitales Jamaika

Wie Union, FDP und Grüne die »Revolution« meistern wollen

07.11.17

Dass die neue Bundesregierung einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung legen soll, darin sind sich die Parteien einig. Die CDU hat mit dem stellvertretender Bundesvorsitzenden Thomas Strobl sogar einen eigenen Beauftragten für dieses Thema in die Koalitionsverhandlungen mit FDP und den Grünen entsandt.
Doch in der Bevölkerung löst die Aussicht auf eine „digitale Revolution“ nicht nur Begeisterung aus. Viele Deutsche blicken vielmehr mit Sorge auf die Arbeitswelt im Jahre 2030. Das besagt zumindest ein „Zukunftsmonitor“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der dieses Jahr veröffentlicht worden ist. Robotik und Digitaltechniken würden die Arbeitsplätze der Menschen dramatisch verändern oder sogar abschaffen. 60 Prozent der Befragten erwarten, dass „durch die Veränderungen Jobs verloren gehen“.
Der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Achim Berg, teilt diese Befürchtungen teilweise und warnt vor einem massiven Rück­gang bisheriger Berufe durch Automatisierung und Digitalisierung. „Ich gehe davon aus, dass etwa die Hälfte aller Aufgaben in den nächsten 20 Jahren von Maschinen oder Computern erledigt werden kann“, sagte er der „Rheinischen Post“. Alle Branchen seien davon betroffen, in fast allen Berufen machten sich die Veränderungen bemerkbar.
Im Januar hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Auftritt vor Funktionären des Deutschen Beamtenbundes davor gewarnt, Deutschland könne den Anschluss im internationalen Vergleich verlieren. Vor allem die Verwaltung müsse digitaler werden.
CDU und CSU wollen daher im Kanzleramt den Posten eines Staatsministers für Digitales schaffen. Glasfasernetze sollen bis 2025 flächendeckend verlegt werden, Deutschland und Europa künftig Vorreiter für den sogenannten 5G-Mobilfunk werden. Mehrere Studien hatten in der Vergangenheit belegt, dass Deutschland gerade im Telekommunikationsbereich erheblichen Nachholbedarf hat. Vor allem Länder in Nord- und Osteuropa seien in Sachen Infrastruktur schon wesentlich weiter. Die Arbeitswelt soll nach dem Willen der Unions-Parteien durch Teleheimarbeit und mobiles Arbeiten an den digitalen Wandel angepasst werden. Zudem wird der Aufbau eines bundesweiten Verwaltungsportals angestrebt. Über einen Bund-Länder-Digitalpakt sollen über fünf Jahre fünf Milliarden Euro für Modernisierung an die Schulen fließen.
Die FDP fordert gar ein eigenes Digitalisierungsministerium, langfristig soll auch ein entsprechendes Schulfach eingeführt werden. Pro schulpflichtigem Kind sollen 1000 Euro investiert werden.
Die Grünen hingegen legen den Schwerpunkt bisher auf umfassenden Datenschutz in der digitalen Welt. Zudem solle der Umweltschutz nicht zulasten einer erneuten „industriellen Revolution“ vernachlässigt werden. Die Grünen fordern auch, die neue Regierung solle soziale Bedenken der Bevölkerung ernstnehmen.. Immer häufiger könnten Computer den Menschen ersetzen. Innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte sei die Künstliche Intelligenz dazu in der Lage, in verschiedenen Branchen bis zu 40 Prozent der bestehenden Arbeitsplätze zu ersetzen. Wie viele neue Berufsfelder durch die veränderte Arbeitswelt entstünden, sei dagegen „nur schwer absehbar“.    
    Peter Entinger


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