Drahtzieher des Attentats

Dragutin Dimitrijevic, Chef des serbischen Geheimbundes »Schwarze Hand«, sammelte bereits 1903 Erfahrungen als Königsmörder

01.07.14
Erst erschossen, dann zerstückelt: Das serbische Königspaar

Nein, selber abgedrückt hat er nicht, doch dies ist wohl nur auf den Umstand zurückzuführen, dass er bereits zuvor von einer Palastwache schwer angeschossen worden war. So wurde er des Erlebnisses beraubt, dabei zu sein, als die von ihm aufgestachelten Of­fi­zie­re am 11. Juni 1903 das serbische Königs­paar Alexander I. Obrenovic und seine Frau Draga aus der Umkleidekammer zerrten, es in einem Kugelhagel niederstreckten, mit Säbeln zerstachen, ihnen mit Bajonetten die Eingeweide herausrissen und sie dann teilweise sogar zerhackt aus dem Fenster in den Garten warfen.
Eigentlich hatte Dimitrijevic, der wegen seiner stierartigen Statur „Apis“ genannt wurde, bereits 1901 als junger Leutnant das Königspaar töten wollen. Angedacht war, es beim Geburtstagsball der Königin dazu zu zwingen, Gift zu nehmen. Doch da diese auf ihrem Fest gar nicht erschien, fiel der Plan ins Wasser. Vor allem auf die „Mätresse Draga Masin“ hatten es die Attentäter abgesehen. Die einstige Hofdame von Alexanders Mutter, die viele Liebhaber vor dem zehn Jahre jüngeren König gehabt hatte, wurde im ganzen Land gehasst. Da sie unfruchtbar war, hieß es zudem, ihr Bruder sollte Thronfolger werden, ein Gerücht, das im ganzen Land für Unmut sorgte. Aber auch der König selbst sorgte mit seinem autoritären, unzeitgemäßen Führungsstil für Widerstand. Hinzu kam, dass er eng mit der Habsburgermonarchie kooperierte, was die Offiziere um Dimitrijevic erzürnte. Sie waren für ein freies Großserbien, das viele zur Donaumonarchie zählenden Gebiete wie Bosnien und Kroatien mit einschloss. 1903 hatte Dimitrijevic laut dem australischen Historiker Christopher Clark dann zwischen 120 und 150 Verschwörer um sich geschart, von denen 28 am Lynchmord an dem Paar, den beiden Brüdern der Königin und einigen Ministern aktiv teilnahmen.
Offenbar überwog in Serbien die Erleichterung über das Ende der ungeliebten Herrscher, so dass Dimitrijevics Karriere in der serbischen Armee ungebremst voranging. Und mit der Entsorgung der Obrenovic-Dynastie konnte die seit Jahrzehnten mit ihr um den Thron kämpfende Karajordjevic-Familie mit Peter I. endlich den Herrscher stellen. Der gewährte den Bürgern sogar eine vergleichsweise liberale Verfassung und ließ dem Militär wie dem Parlament weitgehend freie Hand.
1911 gründeten die „Männer des 11. Juni“ unter Dimitrijevic dann den serbisch-nationalistischen Geheimbund „Vereinigung oder Tod“, der auch „Schwarze Hand“ genannt wurde. Als Logo wählten sie einen Schädel mit gekreuzten Knochen, einem Messer, einer Phiole mit Gift und einer Bombe. Die „Schwarze Hand“ führte ein Attentat auf den österreich-ungarischen Verwalter in Bosnien durch, der jedoch überlebte. Pläne für weitere Attentate, unter anderem auf den östereich-ungarischen Monarchen Franz Joseph I., zerschlugen sich bereits vor der Ausführung. Bei den beiden Balkankriegen von 1912 und 1913, die zu einer beachtlichen Vergrößerung des serbischen Territoriums auf Kosten des Osmanischen Reiches beziehungsweise Bulgariens führten, mischte Dimitrijevic mit. Die „Schwarze Hand“ übernahm als verlängerter Arm des Außenministeriums die Sicherung der eroberten Gebiete. Eine Beförderung zum Chef des Militärgeheimdienstes krönte seinen beruflichen Werdegang.
Und dann wurde der österreich-ungarische Thronfolger sein Ziel, da der Reformer, wäre er Monarch geworden, mit seiner Sympathie für die Slawen einem Großserbien im Weg gestanden hätte. Gezielt ließ Dimitrijevic die Attentäter von Sarajevo auswählen. Vieles spricht dafür, dass die serbische Regierung von den Zielen des Geheimdienstchefs wusste. Nach dem Attentat wurde ihr die Verbindung zu riskant und sie bezichtigte „Apis“ samt einiger Anhänger, ein Attentat auf den serbischen Thronfolger geplant zu haben. 1917 wurde Dimitrijevic deswegen hingerichtet und erst 1953 vom Obersten Gerichtshof Serbiens rehabilitiert. Für die von ihm wirklich begangenen Verbrechen hingegen wurde er nie zur Rechenschaft gezogen.     
Rebecca Bellano


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Hans-Joachim Nehring:
3.07.2014, 22:31 Uhr

Wie mein Vorgänger es bereits schreibt. Serbien und Russland tragen eine hohe Mitschuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges. Frankreich und England haben alles dafür getan, dass das Völkermorden auch richtig losgehen konnte. Weshalb das Deutsche Reich zum Kriegsende nun zum Alleinschuldigen des 1. Weltkrieges erklärt wurde, ist ein Treppenwitz der Geschichte von der aller gemeinsten Art. Da sind sie die Königsmörder Serbiens und des österreichischen Thronfolgerpaares. Da sind sie die Zarenmörder der Romanows. Europa braucht solche Brutalis nicht, wenn es denn ein geeinter Kontinent werden möchte. Das Ziel ist gut, allein der Weg ist weit.


Sebastian Günther:
1.07.2014, 21:44 Uhr

Rebecca Bellano,

Apis hat die mit seinem Panslawisten Terrornetzwerk - nach Absprache mit ausländischen Geheimdiensten - die Waffen nachweislich geliefert. Die gefälschten Prozessbetrugsakten zur kommunistisch panslawistischen Pseudo Rehabilitierung und das Denkmahl für den 2. Attentäter Princip in Sarajevo von vorgestern - beweist das sich die panslawistische Gesellschaft zu einer Gesellschaft von Sekundärpsychopathen entwickelt hat - da sie nicht verkraftet - dass ihr panslawistischer Rassismus und die dadurch hervorgegangenen Attentäter für den Auslöser des 1. Weltkriegs die Alleinschuld für immer tragen werden.

Standortältester Forensiker für den Alleinschuldigen des 1. Weltkriegs Apis Dimitrijevi? - serbischer Soldatenfriedhof Zeytinlik Thessaloniki - Verscharrungsort Nummer 5746 N.N.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.