Dumme Jungen, schlaue Mädchen?

Frauen domininieren den Lehrerberuf und benachteiligen dabei, so zeigen es mehrere Studien, oft die männlichen Schüler

21.04.17
Drei, die auf einer Linie liegen, einer, der sich langweilt: Jungen lernen über praktische Beispiele. Wo viel theoretisiert wird, tun sie sich oft schwer Bild: Colourbox

Eine Schule ohne einen einzigen Mann am Lehrerpult? Heutzutage keine Seltenheit. Die Feminisierung des Bildungswesens hat allerdings, so scheint es, dramatische Folgen.
 
Ein ewiges Ärgernis sind sie! Rotzfrech kommen sie daher. Sie rangeln und raufen, wenn sie stillsein müssen. Sie schweigen mürrisch, wenn sie reden sollen. Sie haben keinen Bock auf gar nichts. Alles finden sie abtörnend und irgendwie daneben. Nicht einmal für die seelenvollen Gedichte der deutschen Romantik und die bezaubernden Romane von Jane Austen können sie sich begeistern – Jungen eben. Ein irgendwie seltsames, verqueres und bösartiges Geschlecht. Ach, würde es doch nur Mädchen auf der Welt geben …
Sehen viele Lehrerinnen so den männlichen Teil ihrer Schüler? Haben jahrzehntelange feministische Kopfwäsche in Kindergarten, Schule, Uni und Medien ihnen die Fähigkeit genommen, vorurteilsfrei und fair mit Jungen umzugehen? Ihr Potential zu erkennen? Ihr Anderssein zu respektieren?
Ein böser Verdacht, den manche Untersuchungen bestätigen. So werden Jungen für gleiche Leistungen schlechter benotet als Mädchen. Das steht Schwarz auf Weiß in einem Bericht des Erziehungswissenschaftlers Jürgen Budde an das Bundesbildungsministerium aus dem Jahre 2007. Daran anknüpfend wiesen Buddes Fachkollegen Heike Diefenbach und Michael Klein nach, dass diese Ungleichbehandlung umso deutlicher ausfällt, je mehr Frauen unter dem Lehrpersonal sind. Offenbar üben diese bei der Notenvergabe bewusst oder unbewusste Rache an den sozial weniger angepassten und somit „anstrengenderen“ Jungen – so lautet zumindest die Erklärung des emeritierten Pädagogik-Professors Ferdinand Eder von der Universität Salzburg.
Und auf ausgleichende Gerechtigkeit dürfen freche Berliner
Huckleberry Finns und vorwitzige Michels, die nicht aus Lönneberga sondern aus Hamburg stammen, dabei auch kaum hoffen. Denn männliche Lehrer werden ihnen nur selten zur Seite springen. Die sind nämlich heutzutage zur raren Spezies im Lebensraum Schule geworden. Frauen dominieren nicht nur die Kindertagesstätten – hier liegt ihr Anteil bei 97 Prozent –, sondern ebenso das Bildungssystem. Laut Statistischem Bundesamt stellen sie in den Grundschulen bereits 89 Prozent der Lehrkräfte, und an den sonstigen Schulen 60 Prozent. Alles in allem sind in der Bundesrepublik 72 Prozent der Lehrer weiblich, und dieser Anteil wird noch steigen. Das ergibt sich aus den aktuellen Geschlechterverhältnissen bei den Lehramtsstudenten.
Angesichts dessen sprach Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes von Nordrhein-Westfalen, schon 2014 von einer „Katastrophe“. Sie zeigt sich in der Praxis: So dreht sich der Unterricht immer seltener um Themen, die Jungen interessieren. Darüber hinaus kommt auch die Methodik der Lehrerinnen vorrangig den Mädchen entgegen: Es wird viel geredet und theoretisiert, aber wenig praktisch gehandelt und aus den dabei gemachten Fehlern gelernt.
Den politisch Verantwortlichen scheint die Benachteiligung der männlichen Schüler nicht nur einerlei, sie zeigen sogar unverhohlen ihre Freude darüber: „Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen“, meinte die ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ursula von der Leyen, als der Inhalt von Buddes Bericht in der Öffentlichkeit Wellen schlug. Die Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung am Deutschen Jugendinstitut in München, Waltraud Cornelißen, assistierte anschließend beflissen: „Ein Bildungsvorsprung ist für junge Frauen oft bitter notwendig, um auch nur annähernd gleiche Chancen im Beruf zu haben.“
Für die Ungerechtigkeiten im Schulsystem, aber auch für die Zerstörung männlicher Identitäten durch ein total durchfeminisiertes Bildungswesen, zahlt unsere Gesellschaft freilich einen hohen Preis. Beispielsweise verüben Jungen mittlerweile achtmal häufiger Selbsmord als Mädchen. Außerdem kommt es zu selbsterfüllenden Prophezeiungen: Wenn die Lehrerinnen den männlichen Schülern einreden – ob bewusst oder unbewusst –, dass sie leistungsschwächer seien, dann lassen deren Lernanstrengungen tatsächlich nach, woraufhin das Ergebnis am Ende entsprechend schlecht ausfällt. Deshalb stehen viele Jungen inzwischen in einem regelrechten Bildungsstreik. Davon zeugt beispielsweise die Abiturquote, die sich immer mehr zugunsten der Mädchen verschiebt (siehe PAZ 8, Seite 12). Das wiederum verschärft den Fachkräftemangel in der Wirtschaft, dem die Bundesregierung nun paradoxerweise durch den Import von ausländischen jungen Männern mit niedrigem Bildungsstand abhelfen will!
Wie Ludger Wößmann, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München den Lehrstuhl für Bildungsökonomie innehat, vor einiger Zeit errechnete, kosten die schlechten Schulleistungen der Jungen infolge der übermäßigen Verweiblichung des Lehrbetriebes Deutschland jedes Jahr einen halben Prozentpunkt beim Wirtschaftswachstum. Dazu kommen die gesellschaftlichen Effekte, die letztlich sogar noch schwerer wiegen als die ökonomischen Verluste: Weil Jungen häufiger als Mädchen einen geringwertigen oder gar keinen Schulabschluss erwerben, haben sie deutlich schlechtere Chancen, erfolgversprechende Berufe zu erlernen. Sie landen daher eher im Niedriglohnsektor oder gleich in der Arbeitslosigkeit.
Wer so schlecht gestellt ist, überlegt es sich zudem zweimal, ob er eine Familie gründen oder Nachwuchs in die Welt setzen möchte. Deutschlands niedrige Geburtenrate ist somit darauf zurückzuführen. Manche Experten wie der Berliner Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann warnen sogar vor einem „Krieg der Geschlechter“, der losbreche, wenn die vom Bildungssystem frustrierten und wirtschaftlich abgehängten jungen Männer zur Gegenwehr schreiten.
Nötig wäre konsequente Lobbyarbeit zugunsten der Jungen sowie die Steigerung des Anteils männlicher Lehrer. Doch die Praxis sieht leider anders aus.  
Zum anderen steht jedweder Einsatz für die Belange der Jungen oder benachteiligter Männer unter dem Generalverdacht der „Frauenfeindlichkeit“. Diese Erfahrung muss-ten beispielsweise die Veranstalter eines Männerkongresses an der Universität Düsseldorf machen. Sie erhielten im Internet ähnliche Drohungen, wie Politiker von Parteien, die der Linken verhasst sind. Ja, mehr noch: Der Kölner Publizist Thomas Gesterkamp verfasste gar im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ein Pamphlet mit dem Titel „Geschlechterkampf von rechts“, in dem er Zusammenhänge zwischen der Kritik an feministischen Postulaten und neonazistischem Gedankengut herbeihalluzinierte.
Gleichzeitig treten in der sogenannten „Männerarbeit“ nun dubiose Gruppierungen wie der Institutsverein „Dissens“ in Erscheinung. Dieser wird vom Land Berlin, dem Bund und der Europäischen Union gefördert und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Jungen auch noch den letzten Rest an Männlichkeit abzutrainieren, indem man ihnen beispielsweise das Fußballspielen verleidet, weil selbiges „nicht auf Körperbewusstsein und Körperwahrnehmung zielt, sondern auf leistungsgerechtes Funktionieren“.
Deshalb könnte es möglicherweise gar keine Verbesserung mehr bringen, wenn die jungen Männer, die eine derartige Gehirnwäsche aushalten mussten, zukünftig stärker im Bildungswesen präsent wären. Denn sie verhalten sich dann vielleicht genau wie ihre weiblichen Kollegen und verschärfen die Misere noch. So drängen immer mehr Männer an die Geldtöpfe, die den Genderwissenschaften zur Verfügung stehen. Sie bearbeiten Themen, bei denen noch vor einigen Jahren alle nichtweiblichen Forscher die Nase gerümpft hätten, weil jedwede praktische Relevanz fehlt und der feministische Hintergrund des Ganzen unübersehbar ist. Als typisches Beispiel hierfür kann das kürzlich erschienene Buch eines gleich mit drei Stipendien gesponserten Doktoranden der Geschichtswissenschaft dienen: Falko Schnicke vertritt in „Die männliche Disziplin“ die lächerliche, aber politisch offenbar höchst willkommene These, dass es früher so wenig Historikerinnen gegeben habe, weil das Fach von den Kollegen in egoistisch-dominanter Weise „vergeschlechtlicht“, also „vermännlicht“, und „sexualisiert“ worden sei. So macht Mann heutzutage Karriere und tritt dann bestimmt bald in einem Gymnasium als Geschichtslehrer auf!     Wolfgang Kaufmann


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