Ein Chinese greift nach dem Stern

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Geely-Konzerns hat fast zehn Prozent von Daimler erworben

13.03.18
Im Konzeptfahrzeug „Geely McCar“ auf der internationalen Automobilausstellung in Peking: Li Shufu Bild: Imago

Chinesische Investoren haben 2017 so viel in deutsche Unternehmen investiert wie nie zuvor. Mit umgerechnet 13,7 Milliarden Dollar überstieg die Investitionssumme noch einmal den Rekordwert aus dem vorherigen Jahr. Nun ist auch noch ein Chinese zum größten Einzelaktionär von Daimler geworden.

Der Mittfünfziger Li Shufu ist nicht nur Gründer und Vorstandsvorsitzender von Geely, einem 1986 gegründeten chinesischen Automobil- und Mo­torrad­her­stel­ler mit rund 80000 Mitarbeitern, sondern seit Kurzem auch der größte Einzelaktionär des deutschen Autobauers Daimler. Aus dem Stand erwarb er über eine In­vestmentgesellschaft für etwa 7,5 Milliarden Euro 9,7 Prozent der Aktien.
Geely heißt übersetzt „Glück und Gewinn“, doch ob sein neuer Großaktionär Daimler das bringen wird, ist noch offen. Die Chinesen gelten als unbequem, und das „Handelsblatt“ schrieb sogar, in der Firmenzentrale in Stuttgart sei man ob des Aktienkaufs „kalt erwischt“ worden. Der Einstieg des chinesischen Investors müsse den Daimler-Mitarbeitern aber keine Sorge bereiten, erklärte Wilfried Porth, Arbeitsdirektor und Personalvorstand. „Der neue Investor unterstützt unsere Strategie und das Management voll und ganz. Es sind keine Jobs gefährdet“, sagte Porth der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er zeigt sich gelassen: „Ich habe noch keinen Aktionär erlebt, der bei uns ins tägliche Geschäft eingegriffen hat.“ Der Betriebsrat hatte allerdings zuvor erklärt, man werde sich im Rahmen der Aufsichtsratstätigkeit intensiv damit auseinandersetzen, welche Auswirkungen der Einstieg von Geely „für die Sicherheit von Standorten und Arbeitsplätzen in Deutschland“ habe.
„Das Interesse gerade an deutschen Industrie- und High-Tech-Unternehmen ist … ungebrochen. Wo sich interessante Gelegenheiten ergeben, stehen chinesische Investoren nach wie vor bereit“, sagt Yi Sun, China-Expertin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. In den politischen Zirkeln in Berlin beobachtet man diese Entwicklung mit Argwohn. „Es ist dringend notwendig, dass wir noch in diesem Jahr EU-weit ein schärferes gesetzliches Instrument an die Hand bekommen, um Übernahme-Fantasien sowie Technologie- und Know-how-Abfluss wirksam entgegenzutreten“, sagte Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der Tageszeitung „Die Welt“. „Wenn Deutschland und Europa auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich und innovativ sein wollen, brauchen wir zügig die Möglichkeit, staatlich gelenkte, strategische Firmenübernahmen anderer Staaten genauer unter die Lupe nehmen und notfalls auch untersagen zu dürfen.“ Die Regierung Chinas habe das Ziel, bis zum 100. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik im Jahr 2049 zur weltweit führenden Industrienation aufzusteigen. Dazu gehört ein wachsendes Interesse an deutschen Entwicklungen.
Im vergangenen Jahr sorgte der Fall des Robotikunternehmens Kuka, das an chinesische Unternehmen verkauft wurde, für Aufsehen. „Es kann durchaus sein, dass bei Firmenübernahmen die Rechte an den Patenten an den chinesischen Investor gehen. Ich bin mir sicher, die Chinesen haben Kuka gekauft, weil sie die Technologie dahinter lernen wollen“, erklärte Cornelia Rudloff-Schäffer, Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts. Denn auf dem Gebiet der „Tüfteleien“ habe China immer noch beträchtlichen Nachholbedarf. So sind in Deutschland derzeit mehr als 650.000 Patente in Kraft. China liegt immer noch weit zurück.
„Aber das Land holt rasant auf. Jahrelang haben die Chinesen eher auf Masse statt Klasse gesetzt, nicht alles war neu und erfinderisch. Die Qualität der Patente steigt mittlerweile. Zudem investieren die Chinesen massiv in ein System zum Schutz geistigen Eigentums, sie schaffen Patentgerichte, bis zuletzt wurden 11.000 Patentprüfer eingestellt“, erklärt sie. Das Ziel sei ein gut funktionierendes System, wie man es aus Europa kenne. China arbeite darüber hinaus sehr gezielt daran, seinen Einfluss in internationalen Organisationen auszubauen – ob bei der Weltbank oder beim Internationalen Währungsfonds IWF. Der Deutschlandfunk spricht im Zusammenhang mit dem Vorgehen Pekings von einem „Projekt Weltmacht“.    
    Peter Entinger


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Kommentare

James Ostenmoordorf:
13.03.2018, 19:20 Uhr

China ist unsere Lebensversicherung
Es dient also unserer Sicherheit, wenn Chinesen sich an deutschen Firmen beteiligen.


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