Ein Juwel kehrt zurück

Mäzen Hasso Plattner hat es Potsdam geschenkt – Das »Palais Barberini« ist wiederaufgebaut

29.01.17
Auf Anhieb ein Publikumsmagnet: Warteschlange vor dem Museum Barberini in Potsdam kurz vor der offiziellen Eröffnung Bild: Imago

Mit dem „Palais Barberini“ hat Potsdam ein weiteres architektonisches Juwel zurückerhalten. Im Krieg stark beschädigt und später von den Kommunisten zerstört, prägt es nun wieder das historische Stadtbild im direkten Umfeld des ebenfalls wiedererstandenen Stadtschlosses.

Der „großartig rekonstruierte Palast“ sei eine „weitere Attraktion in Potsdams bereits beeindruckendem historischen Zentrum“, schreibt die britische Zeitung „The Guardian“. Sie listet das am 20. Januar eröffnete Ausstellungsgebäude auf dem ersten Platz dieses Jahr entstehender Museen weltweit.
Der wie ein Phönix aus der Asche erstandene und kunstvoll belebte Ort, gestiftet von dem Mäzen und Gründer der Software-Firma SAP Hasso Plattner, sucht auch jenseits der preußischen Museumslandschaft um Potsdam und Berlin seinesgleichen. Selbstverständlich war dieses Wunder nicht. Plattner suchte über Jahre nach einem geeigneten Ort.
Als Friedrich der Große den an die italienische Renaissance angelehnten römischen Palazzo Barberini 1771/72 auf dem Alten Markt nach Entwürfen der Architekten Georg Christian Unger und Carl von Gontard entstehen ließ, war der Bedarf für derartig hohe und repräsentative Räumlichkeiten in Potsdam kaum vorhanden. Durch kleinere Zwischengeschosse, sogenannte Mezzanine, sollten, anders als im römischen Vorbild, auch bezahlbare und beheizbare Räume zur Verfügung stehen. Trotzdem wechselten die Mieter über die Jahrhunderte häufig. Im           19. Jahrhundert zogen Kunstvereine ein. Im März 1948 verfügte die sowjetisch kontrollierte Bezirksregierung, das stark kriegsbeschädigte Gebäude zu zerstören.
Heute residieren Impressionisten und Maler der frühen Moderne in dem wiederaufgebauten, eigentlich nie als Museum geplanten Palast. Zu sehen sind viele Hauptwerke der Künstler. Dass es so weit kam, ist dem Wunsch des Mäzens zu verdanken, der Stadt seine Kunstsammlung in einem würdigen Rahmen zu vermachen.
Das lockte Prominenz: Microsoft-Gründer Bill Gates kam zur Eröffnung, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte mit Blick auf die Unterlagen ihrer eingeplanten Rede: „Hier steht natürlich schon, dass ich begeistert bin.“ Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nannte das von Plattner mit privatem Geld im alten äußeren Gewand neu errichtete Palais mit seinen wechselnden Ausstellungen ein „Juwel im Herzen der Landeshauptstadt“.
Potsdams frisch gekürter Ehrenbürger Plattner zeigte den Gästen die Höhepunkte der aktuellen Ausstellung – darunter die „Seerosen“ oder „Der Seerosenteich“, die der französische Impressionist Claude Monet 1904 malte. Der Stifter hatte im Vorfeld Geschichte und Herkunft der aus seiner Sammlung stammenden Kunstwerke überprüft, um Beutekunstvorwürfe auszuschließen.
Das Ankaufbudget der Sammlung gab er nicht bekannt, ebenso wenig die Kosten des Wiederaufbaus, die Experten auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag schätzen. Neben Plattner stellten 32 Leihgeber ihre musealen Schätze zur Eröffnung zur Verfügung. Zu den Impressionisten der aktuellen Eröffnungsschau „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ gehören Edward Munch und seine „Mädchen auf der Brücke“ von 1902, die erst im November für rund 50,7 Millionen Euro im New Yorker Aktionshaus Sotheby’s versteigert wurden, ebenso Werke von Pierre-Auguste Renoir (1841–1919), Gustave Caillebotte (1848–1894) und Eugène Boudin (1824–1898).
Das Museumskonzept gründet auf der Attraktivität von Wechselausstellungen anstelle einer Sammlung Plattner. Er selbst will das Haus als zweites Kunstmuseum der Stadt nach der Bildergalerie Friedrichs des Großen verstanden wissen. Nur wenige Bilder gehören dem Museum, so die DDR-Maler im Erdgeschoss aus der Sammlung des Gründermäzens.
Dazu zählen Werke von Werner Tübke (1929–2004), Willi Sitte (1921–2013) und Wolfgang Mattheuer (1927–2004). Die aktuelle impressionistische Ausstellung läuft noch bis zum 28. Mai. Wasseroberflächen von Meeren und Flüssen öffnen dem Auge der Betrachter neue Perspektiven. Aber auch Gärten, Felder und Winterlandschaften, wie sie die Impressionisten malten, sind zu sehen. Auf den „Wiesen von Veneux-Nadon“ (1881 von Alfred Sisley) oder mit Blick auf „Die Blu­men­terrassen im Wannseegarten nach Süden“ (1921 von Max Liebermann) lässt es sich vom Frühling träumen.
Die Auseinandersetzung um das 2012 von Plattner als Ort für ein Museum geplante Mercure Hotel ist verblasst. Seine Kritik am deutschen Kulturschutzgesetz, das 2016 den Bundesrat passierte, hingegen bleibt. Der Mäzen integrierte seine kostbarsten Bilder nicht in den Kernbestand des neuen Museums, aus Sorge, die international erworbene Kunst könnte nach dem neuen Gesetz zum nationalen Kulturgut erklärt und festgehalten werden. Eigentümer großer Kunstwerke wie Plattner fürchten, durch eine rigide Auslegung des Kulturschutzgesetzes regelrecht enteignet zu werden. Das Zentrum der privaten Sammlung des Stifters liegt daher in den USA.
    Sverre Gutschmidt


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