Ein »neuer Islam« für Deutschland

Zwei türkische Brüder »klären auf« − Lange vom Verfassungsschutz beobachtet

09.09.09

Erst war es nur eine kleine Wirtschaftsmeldung: In Deutschland gibt es ein neues Zertifikat für Lebensmittel, das wie die verschiedenen Bio-Siegel bestimmte, zuvor festgelegte Methoden und Bestandteile bei der Herstellung attestiert. Das „Halal-Zertifikat“ ist eines von fünf verschiedenen in Deutschland vorkommenden Siegeln, die dem Kunden garantieren, dass die von ihm erworbene Ware nach dem islamischen Recht vorschriftsgemäß hergestellt wurde. Da deutsche Lebensmittelproduzenten auch ins muslimische Ausland exportieren, ist es durchaus sinnvoll, dass sie hierfür Fachleute im Land haben.
Dass es offenbar nicht nur um den Export jener Lebensmittel geht, lässt folgender Satz erahnen: „Wenn Sie sich in deutschen Geburtskliniken umschauen, wissen Sie, wo die Wachstumspotenziale im Food-Bereich sind.“ Der im „Focus“ im Rahmen besagter Wirtschaftsmeldung unkommentiert zitierte Yavuz Özoguz reagiert auf Anfrage der PAZ äußerst hilfsbereit. Der Inhaber der Firma m-haditec, die das neue Halal-Zertifikat vergibt, teilt zwar die Sicht, dass selbst die meisten türkischen Jugendlichen der Gegenwart nicht auf Halal achteten, was auch daran abzulesen ist, dass sie zu den treuesten McDonalds-Kunden zählten, doch die Zukunft sähe anders aus: Özoguz geht davon aus, dass es zu einer Hinwendung zum „neuen Islam“ kommen wird.
Die Sympathien des 1959 in Istanbul geborenen Verfahrenstechnikers gehören jedoch nicht der Türkei, sondern dem Iran. Da es keinen internationalen Halal-Standard gibt, hält er sich an die Richtlinien des religiösen Oberhaupts des Irans, Ali Chamenei. Dabei verweist Özoguz auf eine neue Anwendung islamischer Vorgaben, schließlich müsse Chamenei die Versorgung eines Millionenvolkes garantieren, da müsse man Halal moderner Technik anpassen. Natürlich gehöre Schächten trotz massiver Kritik von Tierschützern weiter dazu, doch die Industrie könne leichter die aktualisierten Halal-Bedingungen erfüllen.
Um seine Vorstellung vom „neuen Islam“ zu verdeutlichen, hat Özoguz der PAZ sein zusammen mit seinem Bruder Gürham verfasstes Buch „Wir sind (keine) ,fundamentalistischen Islamisten‘ in Deutschland“ zugeschickt. In freundlichem Tonfall beschreiben die beiden Brüder ihre Lebensgeschichte und versuchen, dem Leser ihre Religion näherzubringen. Gürham besuchte als Schüler auch einen Bibelkreis, doch viele seiner Fragen blieben unbeantwortet, auch fehlten ihm unverfälschbare Botschaften. Für die beiden Brüder ist der Islam origineller. So sei es ganz logisch, dass sich Mädchen nach Erreichen des neunten Lebensjahres zu verschleiern hätten. Veranstaltungen mit Alkoholausschank werden gemieden. Auch geben die beiden Brüder keiner Frau außerhalb ihrer eigenen Familie die Hand. Verwundert berichtet Yavuz, dass der ägyptische Zahnarzt seiner Frau diese Sitte als nicht muslimisch abgetan hätte. Warum jedoch wer so denkt, erläutern die Brüder nicht. Das ist halt so, klingt bei fast jedem ihrer Sätze mit. Sehr freundlich, aber bestimmt weisen die beiden deutschen Staatsbürger deutsche Hundebesitzer darauf hin, ihre Tier nicht frei auf Muslime zurennen zu lassen: Eine feuchte Hundeschnauze an den Textilien und schon müsse der Muslim sich vor seinem nächsten der fünf Gebete am Tag umziehen, da Hunde für ihn unrein seien.
Auf ihrer Internetseite www.muslim-markt.de informieren die Brüder über ihren Glauben und bieten Produkte und Dienstleistungen an. So zum Beispiel ein Formular, das Moslems hilft, ihre Töchter vom Schwimmunterricht abzumelden. Unter „Palästina-Spezial“ gehen sie auch auf den Nahostkonflikt ein. Dass sie deswegen vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Antizionisten geführt wurden, macht die Özoguz stolz. Zeitungsberichte und eine Verurteilung wegen Volksverhetzung, die nach eingelegter Berufung eingestellt wurde, deuten die Brüder als eine Art Fehlentwick-lung in der deutschen Gesellschaft. Ihrer Schwester Aydan, die für die SPD bei der Bundestagswahl kandidiert, und ihrem Ehemann Michael Neumann, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Hamburgischen Bürgerschaft, seien die beiden Brüder unangenehm, doch das hält diese nicht ab, weiter die Werbetrommel für ihren „neuen Islam“ zu rühren und die Produkte namhafter deutscher Lebensmittelhersteller auf ihre Halal-Fähigkeit zu prüfen.    

R. Bellano


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