Ein Richter schlägt Alarm

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Jens Gnisa, spricht in seinem Buch Klartext

31.08.17
Amtsgerichtsdirektor, DRB-Vorsitzender und Autor des Buches „Das Ende der Gerechtigkeit“: Jens Gnisa Bild: pa

Jens Gnisa ist Direktor des Amtsgerichts Bielefeld und Vorsitzender des Deutschen Richterbundes. In seinem Buch „Das Ende der Gerechtigkeit. Ein Richter schlägt Alarm“ kritisiert er unter anderem scharf die Asylpolitik Angela Merkels. Die Bevölkerung verliere immer mehr das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Der Deutsche Richterbund (DRB) ist mit über 16000 Mitgliedern der mit Abstand größte Berufsverband der Richter und Staatsanwälte in Deutschland. Gegenüber dem Internetportal „Legal Tribune Online“ nannte Gnisa sein Buch „Das Ende der Gerechtigkeit“ seinen „persönlichen Zwischenruf“. Es sei mit keinem Gremium des DRB abgesprochen. „Aber“, fügte er hinzu, „man nimmt mich öffentlich vor allem als Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes wahr. Das lässt sich nicht völlig trennen. Und es sind ja auch Forderungen des DRB eingeflossen.“ Auf die Frage, ob er das Buch absichtlich kurz vor der Bundestagswahl veröffentlicht habe, erklärte er: „Ja. So ein Debattenbuch muss in einer Phase auf den Markt kommen, in der verstärkt politisch diskutiert wird.“
Tatsächlich verdient das Buch eine große Leserschaft – auch über den Wahltag hinaus. Gnisa scheut sich nicht in seinem Debattenbeitrag, immer wieder auch politisch klar Stellung zu beziehen, wo er den Rechtsstaat bedroht sieht, und benennt auch die aus seiner Sicht Verantwortlichen. „Rechtsfreie Räume: Der Staat weicht zurück“, „No-Go-Areas und deutsche Ghettos“, „Risiken durch Flüchtlinge“, „Duldung aus Ratlosigkeit“, „Sozialhilfe trotz Illegalität“, „Fahrlässig unterschätzt: Clans und Reichsbürger“, „Rück­zug: Die Justiz verliert ihr Gesicht“, „Vom Sparstrumpf erdrosselt“, lauten Kapitelüberschriften. Ohne falsche Zurückhaltung geht er mit Politikern ins Gericht. Diese würden sich das Recht so zurechtbiegen, „wie sie es gerade gebrauchen“ könnten. „Ob das die Finanzierung der Staatsschulden ist oder die abrupt gestrichenen Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke oder der Ankauf der Schweizer Steuer-CDs – all das waren rechtswidrige Aktionen“, erklärt Gnisa. „Nur“, fügt er hinzu, „wie lautet der alte Spruch: Wo kein Kläger, da kein Richter“.
Die Zuwanderung sei ein wesentlicher Faktor der Zunahme von Kriminalität in Deutschland. „Doch die Politik, welche die Parole der Willkommenskultur ausgegeben hat, spricht darüber nur ungern“, konstatiert der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes.
Scharf geht er mit der Zuwanderungspolitik der Bundeskanzlerin ins Gericht. „Angela Merkel“, schreibt Gnisa, „hat aus humanitären Motiven den Flüchtlingen Tür und Tor geöffnet, und dabei aber nicht nur auch Kriminelle und sozial Entwurzelte ins Land ge­lassen. Sie hat darü̈ber hinaus einer noch viel größeren Bedrohung den Weg gebahnt: der phasenweisen Kapitulation des Staates.“
Denn nichts anderes als eine Kapitulation bedeute es, wenn der Staat es größtenteils aufgegeben habe, die Identitäten der Ankömmlinge ernsthaft zu überprüfen. Bis heute habe es der Staat zudem nicht geschafft, dem Sozialbetrug durch Asylsucher einen Riegel vorzuschieben. „Und er hat es vor allem nicht vermocht, diejenigen abzuschieben, die keinen echten Asylgrund haben oder aber sogar gefährlich für die Bürger Deutschlands sind. Der Fall des Berliner Attentäters Anis Amri hat das auf tragische Weise deutlich gemacht. Diese Liste weiteren Staatsversagens ist lang“, so Gnisa.
Unter anderem nennt er die Silvesternacht 2015/2016 in Köln, als rund 1000 Männer aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum dort Frauen sexuell belästigten und ausraubten. Mitten in Deutschland gebe es kriminelle Clans, die in unsicheren Stadtvierteln unverblümt ihren Geschäften nachgingen. „Die Bürger fühlen sich nicht mehr sicher in ihrem eigenen Land – das fördert das Misstrauen in den Rechtsstaat, ein erster, gefährlicher Schritt in Richtung Demokratieverlust“, hält der Richter fest.
In einem spannenden Abschnitt seines Buches beschreibt Gnisa einen letztlich erfolgreichen „Aufstand gegen Abschiebung“, den er im Juli 2015 erlebte. Es ging um eine 18-jährige Albanerin. „30 Anhänger des Arbeitskreises Asyl protestierten gegen einen Abschiebungsbefehl, den eine Richterin meines Haues erlassen hatte“, berichtet er. „Als sie mich erblickten, skandierten die Demonstranten ,Nazi! Nazi!‘ – nur, weil ich der Direktor des Amtsgerichts war.“ Gnisa schildert, wie unter anderem Arzt-Atteste die Abschiebung verzögerten, und erklärt die Ohnmacht der Polizei. Am Ende musste der Abschiebungsbefehl aufgehoben werden. „Noch heute macht mich der Vorfall wütend“, schreibt er.
Es komme in Gerichtsverfahren „immer wieder mal vor, dass die von Abschiebung betroffenen Parteien triumphierend erklären, das Urteil interessiere sie nicht, da sie ohnehin nicht abgeschoben würden“. Die „Nichtanwendung des Rechts“ durch den Staat im Ausländerrecht habe sich „geradezu katastrophal“ ausgewirkt. Gnisa beschreibt in seinem Buch aber nicht nur die Misere des gefährdeten Rechtsstaats, er weist auch auf, was Politik und Justiz ändern müssten.    
    Michael Leh
Jens Gnisa: „Das Ende der Gerechtigkeit. Ein Richter schlägt Alarm“, Herder-Verlag, Freiburg 2017, gebunden mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 24 Euro


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Kommentare

Christof Prange:
4.09.2017, 10:29 Uhr

Ich muß dem Kommentar von Marcus Junge beipflichten!

Im Artikel sagt Herr Jens Gnisa, selbst Richter:" „Nur“, „wie lautet der alte Spruch: Wo kein Kläger, da kein Richter“.

Tausende von Klagen gegen rechtsstaats - marodierendes Unrecht wurden von vom - genau! - von "Richtern" abgewiesen!

Halten wir also fest! Es gibt offenkundig keine Opposition und offenbar (?) keine Judikative, welche etwas dagegen unternimmt oder unternehmen könnte!

Fazit:
Irgend etwas ist doch dann in diesem "Rechtsstaate" oberfaul!?

MfG.


Charly Whiskey:
3.09.2017, 22:50 Uhr

Der Wind dreht sich. Die Wendehälse orientieren sich neu. Wir vergessen aber nicht. Wer Wind sät wird Sturm ernten.


Norddeutscher Kerl:
31.08.2017, 20:00 Uhr

Organisierte Unverantwortlichkeit:
Die Politik verweist auf die Unabhängigkeit der Justiz,
die Justiz auf die Einflußnahme (Zurechtbiegen des Rechts) der Politik.
Am Ende ist es niemand gewesen, kennen wir das nicht?


Marcus Junge:
31.08.2017, 11:12 Uhr

"Die Bevölkerung verliere immer mehr das Vertrauen in den Rechtsstaat."

Welcher Rechtsstaat?

Und ausgerechnet ein Richter macht das Schandmaul auf. Dazu noch einer der weit oben steht, "Vorsitzender des Deutschen Richterbundes" und daher für viele andere spricht. Wer hat denn, über Jahrzehnte hinweg, die Rechte der Invasoren immer weiter ausgedehnt (Geld statt Sachleistungen, Harz-IV, Bleiberecht, Abschiebung nicht wenn XY vorliegt, abgelehnt und ich soll jetzt die Abschiebung anordnen, kommt gar nicht in Frage, ...)? Fällt Urteil um Urteil gegen Deutschland, im Namen von "Humanismus", "Gleichheit", "Liebe" und "Frieden", sowie dem neuen Staatssozialismus? Fällt dem Volk mit seinen Urteilen täglich in den Rücken? Hat sich millionenfach vor der Systempolitik prostituiert? Steckt die wenigen echten Feinde des BRD-System für Jahre hinter Gitter, wegen Meinungsäußerung? Läßt ausländische Gewaltverbrecher dafür aber laufen. Läßt Merkel und Co. täglich gewähren? Wer stellt noch diese Superverarschung in Karlsruhe dar? ...

Typisches Beispiel von Ursache beschwert sich über eigene Wirkung / ein Täter bejammert die Folgen seiner Taten, für seinen "guten" Ruf. Wer auf diese Leute, auf ihre "guten" Ratschläge hört, der kann auch gleich wieder Merkel zuhören und dann wählen.

"Die Zuwanderung sei ein wesentlicher Faktor der Zunahme von Kriminalität in Deutschland"

Der kennt "seine eigenen" Statistiken nicht. Die PKS ist da, trotz aller Fälschungen durch das System, absolut eindeutig. Die Deutschen werden weniger kriminell (außer bei den Politischen, wie es sich für eine zünftige Diktatur gehört), die Fremden verursachen die Steigerung. Wer von "ein wesentlicher Faktor" fabuliert, ist ein Betrüger.


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