Ein Rohrkrepierer

Wahl-Debakel in NRW trotz oder wegen Martin Schulz?

17.05.17
Die Landtagswahl in seiner Heimat war die dritte in Folge, welche seine Partei unter seiner Führung krachend verlor: Martin Schulz Bild: pa

Der Schulz-Effekt erweist sich als Rohrkrepierer. Er sollte als Rakete starten und beschädigt das eigene Lager schwer. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen war die dritte Landtagswahl in Folge, welche die SPD krachend verlor.

Wie hatte Mister-100-Prozent nach Amtsantritt als Parteichef und Kanzlerkandidat getönt? Zuerst gewinnen wir an der Saar, dann nehmen wir Schleswig-Holstein, anschließend siegen wir in NRW und dann, „dann werde ich Bundeskanzler“. Es gibt Leute, die ihm das geglaubt haben. Denen Überschriften genügen, die keinen Wert auf den Text legen, geschweige denn auf das Kleingedruckte. Das hatten sie mit dem Kandidaten gemeinsam.
Erst jetzt, nach dem Debakel an Rhein und Ruhr, reift die Erkenntnis, dass man das Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“ konkreter unterlegen muss. Und dass das Thema nicht ausreicht, um beim Wähler zu punkten. Nun soll alles im Leben der Bundesbürger gerechter werden, immer und überall. Es ist schon bemerkenswert, dass eine sogenannte Volkspartei erst drei Wahlen verlieren muss, ehe sie beim Volk einmal hinhört.
Das haben die regierenden Sozialdemokraten in Düsseldorf nicht getan, das haben sie in Kiel nicht getan. „Krachende Niederlage“ wurde zum meistgebrauchten Bild des Wahlabends.
 Fast ebenso häufig wurde das Wort „Demut“ bemüht, mit dem man das Wahlergebnis zur Kenntnis nehme. Mit etwas weniger Hochmut im Amt müssten sich die Regierenden von gestern jetzt nicht in Demut üben.
Für SPD-Ministerin Manuela Schwesig galt das allerdings nicht, als sie in der Nachwahl-Gesprächsrunde nachtrat und der CDU vorwarf, sie habe einen „Wutbürger-Wahlkampf im Stile der AfD“ geführt. Das Thema Asylsucher hatten die Parteien gemieden wie der Teufel das Weih-
­was­ser. Diese Hypothek hat zum Ausgang der Wahlen in Düsseldorf und Kiel beigetragen. Auch wenn nicht darüber gesprochen wurde, hatten viele Wähler das Thema im Hinterkopf. Und CDU-Wahlsieger Armin Laschet dürfte einiges an Zustimmung dazu gewonnen haben, als er den Konservativen Wolfgang Bosbach in sein Beraterteam holte. Ohnehin hatte die CDU mit ihren Aussagen zu Bildung, Verkehr und Sicherheit den Nerv der Wähler besser getroffen.
Der rasche Rücktritt der Vorsitzenden Hannelore Kraft vom Parteiamt verdient Respekt. Das bekommt Ralf Stegner, der den Wahlkampf für seine Partei in Schleswig-Holstein bestritt, nicht mehr hin. Und vermutlich kommt er auch nicht auf den Gedanken. Solange er mit immer tiefer sinkenden Mundwinkeln wenig telegen hinter dem Wahlverlierer steht, wird die nächste Niederlage vorbereitet.
Aus der NRW-Wahl lassen sich zwei Prognosen ableiten. Die schlechte: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Die gute: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Unter den gegebenen Umständen ist das tatsächlich die bessere.
    Klaus J. Groth


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Kommentare

Marco S.:
18.05.2017, 18:32 Uhr

Das Ergebnis für die SPD geht in Ordnung. Was nicht nachvollziebar ist, ist der Fakt, dass die Merkel-Partei erst die Karre in den Dreck fährt (unkontrollierter Zuzug von Migranten mit allen Begleiterscheinungen) und dann auch noch politisches Kapital daraus schlägt, wenn man ankündigt, mehr für die innere Sicherheit zu tun. Man sieht wieder einmal, wie verblödet dieses Land mittlerweile ist. Gute Nacht Deutschland!


Jürgen Umfahr:
17.05.2017, 21:08 Uhr

Schulz hat absolut seinen Zweck erfüllt, den ihm die Hintergrundmachthaber zugedacht haben:

Er sollte als Angstmacher der CDU die Stimmen zutreiben. Diese Rechnung ist VOLL aufgegangen.
Von der Staatshetze gegen die AfD hat letztlich die FDP profitiert. Die FDP hätte auch einen Besenstiel aufstellen können.

Ich glaube, Merkel sollte unbedingt Bundeskanzlerin bleiben. Sehr bald wird nun dieser ganze apokalyptische Irrsinn so richtig hochkochen. Dann darf sich Merkel nicht als "unbeteiligt" daran hinstellen können!!!


Arnold Schacht:
17.05.2017, 19:24 Uhr

Ob es wirklich so gut ist,daß Merkel Bundeskanzlerin bleibt, wage ich zu bezweifeln. Sobald die Wahlen vorbei sind, sagt sie wieder: "Wir schaffen das!" und öffnet die Grenzen. Als sie Steinmeier zum Bundespräsidenten vorgeschlagen hat, dachte ich bei mir, das die hinter den Kulissen abgesprochen hat: "Ihr bekommt den Präsidenten und ich bleibe Kanzlerin." Sich absichtlich doof anstellen, damit man nicht gewählt wird, kann jeder. Schulz ist ein Apparatschik. Dass der die Leute nicht aus den Stühlen reißt, ist klar. Ich hatte gerade eben eine Diskussion mit einem Bekannten. Der hat 2015 so über Merkels Grenzöffnung beschimpft und ist auch heute der Meinung, das das ein Riesenfehler war, trotzdem überlegt er das "kleinere Übel" CDU zu wählen. Manche Leute wollen es nicht anders.


Hans-Joachim Nehring:
17.05.2017, 18:44 Uhr

In der Tat hat Martin Schulz als SPD-Tiger abgehoben und ist als Bettvorleger nach drei Landtagswahlen unsanft in der Realität gelandet. Der ganze Medienhype war schlicht und einfach ein Rohrkrepierer. Dabei hat diese Euro-Null auch nichts anderes verdient. Der Hannelore ist auf der Zielgeraden die Kraft ausgegangen. Verloren hat sie deshalb, weil sie ihren unfähigen Innenminister Jäger nicht gefeuert hat. So lacht sich jetzt Merkel in ihr Fäustchen. Gegenüber Euro-Schulz ist sie das kleinere Übel, taugen tun aber beide nichts.


Max Müller:
17.05.2017, 15:38 Uhr

Aus der NRW-Wahl lassen sich zwei SCHLECHTE Prognosen ableiten. Die schlechte: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Die doppelt schlechte: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin.

Unter den gegebenen Umständen wäre das vielleicht mal ein Grund für die Bevölkerung den Götz zu machen und gänzlich anders zu wählen.


Fritz Brandenburger:
17.05.2017, 13:54 Uhr

Tja , dann mal weiter so! Schlimm daran ist, welche Schlüsse die "Wahlgewinner" daraus ziehen. Frau Merkel wird als Stabilitätsanker angepriesen, und das obwohl sie bis heute nicht eine ihrer falschen Positionen und Handlungen bereit ist einzusehen, geschweige zu verändern.


Der Sonnerich:
17.05.2017, 07:43 Uhr

"Aus der NRW-Wahl lassen sich zwei Prognosen ableiten. Die schlechte: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Die gute: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Unter den gegebenen Umständen ist das tatsächlich die bessere."

Erkenntnis ist eine Strafe.

Schiller


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