Ende der goldenen Zeiten?

Deutschlands Autobauer stehen glänzend da, doch das könnte sich bald ändern

18.04.17
Kein Einbruch trotz des Abgas-Skandals: Volkswagen kann sich noch immer über volle Auftragsbücher freuen Bild: Imago

Die Autoindustrie hat im vergangenen Jahr so rentabel wie nie zuvor gearbeitet. Zwei deutsche Autobauer hängten die Konkurrenz sogar ab. Das könnte sich aber bald wieder ändern.

Laut einer Studie des Centers of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach haben die weltweit 17 größten Autokonzerne im letzten Jahr mit insgesamt 104 Milliarden Euro den bislang höchsten Gesamtgewinn überhaupt eingefahren. Bei einem Vergleich der Unternehmensberatung Ernst & Young schnitten die deutschen Autobauer Daimler und BWM sogar als die erfolgreichsten Autobauer der Welt ab. Gemessen an den verkauften Fahrzeugen lagen Toyota und, trotz des Dieselskandals, auch Volkswagen vorn. Anders sieht dies bei der Profitabilität aus: Der BMW-Konzern erzielte einen Gewinnanteil am Umsatz von zehn Prozent. Auch Daimler brachte es auf eine Umsatzrendite von 8,4 Prozent und verwies damit den japanischen Autobauer Toyota auf den dritten Platz.
Auf der Höhe dieses Erfolges ist eine ganze Reihe von Herausforderungen und geänderten Rahmenbedingungen sichtbar. Schon für dieses Jahr prognostizieren die Branchenexperten von Ernst & Young eine Abkühlung des Geschäfts in Europa, China und den USA. Den europäischen Autobauern macht derzeit vor allem der Absatz bei Diesel-Fahrzeugen Sorgen. Am Horizont ist allerdings schon ein ganzes Bündel weiterer Probleme absehbar. Der Chef des Automobilzulieferers ZF sprach unlängst davon, dass „aufgrund von Vorfällen, die wir alle kennen“, der Verband der Deutschen Automobilindustrie und die gesamte deutsche Automobilindustrie in den letzten zwei Jahren an Glaubwürdigkeit eingebüßt hätten. „Deshalb ist die Politik der Autoindustrie auch bei weitem nicht mehr so zugetan wie früher und hört auch nicht mehr so auf sie“, so der ZF-Chef Stefan Sommer. Wie zur Bestätigung hat das EU-Parlament vor Kurzem deutlich schärfere Regeln für die Autoindustrie beschlossen. Als Konsequenz aus dem Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte soll die EU-Kommission unter anderem das Recht erhalten, auch bereits zugelassene Fahrzeugtypen nochmals testen zu können. Die EU-Kommission will zudem die nationalen Prüfungsbehörden, wie etwa den deutschen TÜV, künftig stärker kontrollieren.
Damit nicht genug. Schon länger forscht die Automobilindustrie aufgrund politischen Drucks an den verschiedensten Antriebsarten für Autos. Hoch im Kurs stehen derzeit alle elektrischen Antriebsarten, vom reinen Elektroauto mit Hochleistungsakkus über Hybridfahrzeuge bis hin zu wasserstoffbetriebenen Autos mit Brennstoffzellen. Forschung und Entwicklung binden allerdings erhebliche Ressourcen und bislang ist nicht abzusehen, welche Technik am Ende das Rennen machen wird.
Selbst das Aus für den Verbrennungsmotor scheint keineswegs eine ausgemachte Sache zu sein. Die Industrie forscht weiterhin intensiv an synthetischen Kraftstoffen, die sich ohne Erdöl herstellen lassen. Erst vor Kurzem hat die Bundesregierung ein Förderprogramm für so genannte E-Fuels angekündigt, die „klimaneutral aus Erneuerbaren Energiequellen“ hergestellt werden sollen. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ hat sich ZF-Chef Sommer für einen weiteren Einsatz von Verbrennungsmotoren mit derartigen synthetischen Kraftstoffen ausgesprochen. Laut Sommer könnte dies der Autoindustrie und ihren Zulieferern Zeit beim Umstieg auf die Elektromobilität verschaffen. Als Problem sieht der Chef des drittgrößten deutschen Automobilzulieferers, dass „der Markt Elektroautos bislang eigentlich gar nicht haben will“. Allerdings würden Politik und Gesellschaft eine andere Form der Mobilität wünschen. Als Folge sieht Sommer einen Kraftakt für die Industrie und insbesondere für mittelständische Zulieferer.
In der Tat müssen nicht nur die Forschungskosten für die politisch gewollte Elektromobilität gestemmt werden, sondern auch die Kosten für die Entwicklung beim Zukunftstrend der sich selbst lenkenden Autos. Zudem haben inzwischen auch einige chinesische Hersteller so weit aufgeholt, dass sie in den nächsten Jahren den erfolgsverwöhnten deutschen Autobauern ernsthafte Konkurrenz machen können. Als Erfolgsgeschichte gilt die Übernahme der schwedischen Traditionsmarke Volvo durch den chinesischen Auto- und Motorradhersteller   Geely. In der Vergangenheit war Geely als Anbieter von Billigfahrzeugen bekannt, der westlichen Herstellern technologisch weit hinterherhinkte. Aus Sicht von Branchenexperten könnten es die Chinesen mit Hilfe von Milliardeninvestitionen und der Technologie des Premiumherstellers Volvo in den nächsten Jahren schaffen, einen global agierenden Autokonzern aufzubauen, der auch deutschen Unternehmen Marktanteile abjagt.    N. Hanert


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