Er gewann den Krieg, aber verlor das Empire

Vor 50 Jahren starb Winston Churchill – Im Zweiten Weltkrieg sowie 1951 bis 1955 war er Großbritanniens Premier

21.01.15
Gewaltsame Auseinandersetzungen waren das Metier des Falken: W. Churchill Bild: action press

Vor 50 Jahren starb Sir Winston Leonard Spencer-Churchill, der bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts, der sein Land im Zweiten Weltkrieg zum Sieg geführt, aber damit zugleich den Niedergang des Empire sowie den Kalten Krieg eingeläutet hatte.

Winston Churchill, der am 30. November 1874 auf Schloss Blenheim Palace im englischen Woodstock unmittelbar während einer Tanzveranstaltung geboren wurde, war ein talentfreier Versager und Taugenichts – das jedenfalls glaubte sein Vater Randolph Henry Churchill (1849–1895), der es bis zum Schatzkanzler im Kabinett von Lord Robert Cecil (1830–1903) gebracht hatte. Und tatsächlich gestaltete sich die schulische Laufbahn des späteren Premierministers als eine einzige Kette von Katastrophen.
Ebenso gelang es dem jungen Churchill zunächst nur mit Mühe, im angestrebten Soldatenberuf Fuß zu fassen: Die Aufnahmeprüfung an der Militärakademie in Sandhurst bestand er erst im dritten Anlauf 1893. Danach freilich platzte der Knoten. Mit 21 Jahren wurde der frühere Albtraum aller Lehrer Leutnant und schaffte es anschließend, innerhalb von fünf Jahren an fünf Feldzügen teilzunehmen, darunter der Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan. Dabei bestritt er in der Schlacht von Omdurman auch verbissene Nahkämpfe mit den islamischen Rebellen.
Parallel hierzu schrieb Churchill packende Reportagen und Bücher über die erlebten Abenteuer, die ihm beträchtliche Honorare eintrugen, so dass er nicht mehr länger auf das Geld seiner Mutter, der amerikanischen Millionärstochter Jennie Jerome (1854–1921), angewiesen war. Im Laufe der Jahre entstanden dann zudem auch größere historische Werke, darunter zwei monumentale Abhandlungen über die beiden Weltkriege und mehrere umfangreiche Biographien, für die Churchill am 10. Dezember 1953 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde.
Darüber hinaus begann der nunmehr schon recht populäre Kavallerieoffizier im März 1901 auch noch eine politische Karriere, indem er für die Konservativen ins Unterhaus einzog. Dort machte Churchill durch mehrere abrupte politische Richtungswechsel von sich reden. Trotzdem aber avancierte er 1905 zum Unterstaatssekretär für die Kolonien und bewährte sich in dieser Position derart, dass er 1908 zum Handelsminister in der Regierung von Herbert Henry Asquith (1852–1928) ernannt wurde. Dem sollten bis 1929 noch sieben weitere Ministerämter folgen: Innenminister, Erster Lord der Admiralität, das heißt Marineminister, Munitionsminister, Luftfahrtminister, Kriegsminister, Kolonialminister und Schatzkanzler beziehungsweise Finanz- und Wirtschaftsminister. Aus diesem Grunde spotteten die Zeitgenossen nicht zu Unrecht, Churchill sammle Kabinettsposten wie andere Leute Briefmarken.
Dabei erlebte er in seinen diversen Regierungsfunktionen sowohl grandiose Erfolge als auch bittere Niederlagen. So gehörte er zu den Vätern der britischen Sozialgesetzgebung und förderte auch frühzeitig den Bau von Panzern und Flugzeugen, was sich später als kriegsentscheidend erweisen sollte. Andererseits scheiterte sein Plan, auf der türkischen Halbinsel Gallipoli zu landen, um das Osmanische Reich aus der Front der Kriegsgegner des Empire zu brechen, 1915 unter schwersten Verlusten. Deshalb musste er schließlich als Marineminister zurücktreten, worauf ein mehrmonatiges Front-Intermezzo als Kommandeur eines Bataillons der Royal Scotch Fusiliers in Nordfrankreich folgte.
Ansonsten war Churchill auch stets ein ausgemachter Falke. Hiervon zeugten beispielsweise seine unnachgiebige Haltung gegenüber der indischen Unabhängigkeitsbewegung oder die Anweisung an die britische Luftwaffe im Irak, aufständische Stämme zu bombardieren. Am meisten hasste er allerdings den aufkommenden Bolschewismus. Der sollte seiner Meinung nach „bereits in der Wiege erwürgt werden“. Jedenfalls geriet Churchill 1931 ins politische Aus, weshalb er sich auf seinen Landsitz Chartwell zurückzog, wo er neben dem Schreiben nun auch der Malerei frönte.
Zehn Jahre später bescherte der Zweite Weltkrieg dem bekennenden Hitlergegner dann aber unversehens ein phänomenales Comeback. Am 10. Mai 1940 wurde Churchill sowohl zum Premier- als auch zum Verteidigungsminister ernannt. Dafür versprach er den Briten einen „Sieg um jeden Preis“. Und dieser Preis war tatsächlich hoch. Zum einen verlor das Empire infolge der Kriegsereignisse einen Großteil seiner Kolonien, zum anderen führte das taktisch bedingte Zusammengehen mit der UdSSR dazu, dass die Hälfte Europas unter das Joch des Kommunismus geriet.
Des Weiteren traf Churchill während des Krieges immer wieder Entscheidungen, die dem geltenden internationalen Recht zuwiderliefen. Besonders hervorzuheben ist dabei der Befehl vom 25. August 1940 an die Royal Air Force, mit gezielten Angriffen auf die Wohngebiete deutscher Städte zu beginnen – diese bezeichnete der Premier dann später übrigens auch selbst als „reine Akte des Terrors und der mutwilligen Zerstörung“!
Im Anschluss an den Sieg über das Dritte Reich reiste Churchill im Juli 1945 nach Potsdam, wo über die Nachkriegsordnung beraten werden sollte. Dort erreichte ihn die unerwartete Nachricht, dass er die Unterhauswahlen verloren hatte. Damit fand sich der Bezwinger Adolf Hitlers plötzlich in der Opposition wieder, was ihn nun freilich der Pflicht enthob, außenpolitische Rücksicht üben zu müssen. Und so wurde Churchill in der Folgezeit zum größten Mahner vor den Konsequenzen der Gewaltpolitik Josef Stalins und seiner osteuropäischen Satelliten. Dabei kritisierte er auch immer wieder die brutalen Exzesse bei der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten; hinzu kam die Infragestellung der Oder-Neiße-Linie als Grenze.
Dies wiederum kam im nunmehr entbrannten Kalten Krieg so gut an, dass Churchill nach den Parlamentswahlen des Jahres 1951 erneut an die Spitze der Regierung gelangte. Allerdings erlitt er schon zwei Jahre später einen schweren Schlaganfall, woraufhin ihn seine „Parteifreunde“ zur Demission nötigten, die er dann auch nach längerem Zögern im April 1955 erklärte. Anschließend trat Churchill nur noch sporadisch politisch in Erscheinung, so zum Beispiel als er sich 1955 und 1959 nochmals ins Unterhaus wählen ließ.
Der in den Adelsstand erhobene Nationalheld starb am 24. Januar 1965, erreichte also trotz seines legendären Alkohol- und Nikotinkonsums das bemerkenswert hohe Alter von 90 Jahren.  Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

M. Hucke:
8.03.2015, 16:59 Uhr

Für mich ohne Zweifel die Nummer 1. der größten Polit-Schweinehunde die diese Welt je ertragen musste!


Hans-Joachim Nehring:
5.03.2015, 10:27 Uhr

Man entblödet sich nicht, die englische Bulldogge Winston Churchill als "Mann des Jahrhunderts" zu feiern. Sein Bündnis mit Joseph Stalin brachte die Hälfte Europas in den Würgegriff der Bolschewiken. Nur gut, dass das britische Empire seine Weltherrschaft verlor. Diese Kolonialherren haben sich auf Kosten vieler Völker schamlos bereichert. Churchill und Bomber Harris tragen die Verantwortung für die Ausradierung deutscher Städte und die verheerenden Bombenopfer der deutschen Zivilbevölkerung. Wollen mal die Kirche im Dorf lassen. Nach den Verbrechern Hitler und Stalin reiht sich die englische Bulldogge mühelos ein.


Helmut Schidan:
11.02.2015, 12:48 Uhr

Ohne Churchill hätte es den Zweiten Weltkrieg mit den über 50 Millionen Toten nicht gegeben. Churchill dürfte wohl der größte Menschheitsverbrecher, den die Menschheit hervorgebracht hat, sein. Er handelt aus rein persönlichen Gründen.


Herbert Schinkel:
6.02.2015, 19:35 Uhr

Churchill war ein kalter und berechnender Killer. Das haben seine Entscheidungen beim Tonypandy-Aufstand, Gallipoli und der Lusitania gezeigt.

Den Mann zu ehren ist eine Verhöhnung der Opfer.


Michael Jahn:
6.02.2015, 13:11 Uhr

Winston Churchill hat nicht nur das Empire verspielt. Er hat auch sein angebliches Kriegsziel, die Wiederherstellung der Souverenität von Polen, nicht erreicht. Die Polen waren nur die nützlichen Idioten um Deutschland in den Krieg zu zwingen. Polen wurde ohne Skrupel der sowjetischen Hegemonie ausgeliefert.


Jürgen Kunz:
27.01.2015, 09:28 Uhr

Ohne die Hilfe der USA hätte Churchill weder 1918 noch 1945 den Krieg gewonnen. Wobei im 2. WK noch der entscheidente Einsatz der Sowjetunion kam.


Hans-Joachim Nehring:
23.01.2015, 19:22 Uhr

Erstaunlich was für Mengen Whisky Winston Churchill konsumiert und wie viel Zigarren als Rauch von ihm inhaliert wurden. Da ist wohl recht viel in seinem Körper konserviert worden. Ein Konservativer war er gewiss und stets "very british". So ist er halt u.a. als englische Bulldogge (bulldog)in die Geschichte eingegangen. "Hervorzuheben ist dabei sein Befehl vom 25. August 1940 an die Royal Air Force, mit gezielten Angriffen auf die Wohngebiete deutscher Städte zu beginnen". Den Niedergang des Empire konnte auch er nach 1945 nicht verhindern. Churchills nicht sicher belegter Ausspruch in Hinblick auf Hitler und Stalin: "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet" ist ihm durchaus zuzutrauen, wie er auch die Begriffe "Eiserner Vorhang" und "Kalter Krieg" salonfähig machte. The British Empire hat Ihn zum Sir Winston Leonard Spencer-Churchill geadelt, der Literatur-Nobelpreis wurde ihm verliehen. Seiner Beliebtheit in Deutschland wurden dennoch reichlich Grenzen gesetzt. So schwankt halt in der Parteien Gunst und Ungunst, sein Charakterbild auch heute noch in der Geschichte.


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