Erfinder der Gelehrtenrepublik: Alexander und Wilhelm von Humboldt

18.10.17

Das lebensgroße Denkmal direkt vor der Berliner Universität grüßt jeden Berlin-Touristen. Da hocken Wilhelm und Alexander von Humboldt und schauen in das Berlin des 21. Jahrhunderts.
Gemocht haben die Brüder die Stadt nie so richtig. Vielleicht nur als Jugendliche, als ihre Mutter 1783 mit ihnen vom langweiligen Leben im Tegeler Schloss in die königliche Hauptstadt zog. Doch bald schon erschien ihnen dieser Ort als zu „selbstbezogen und verbissen“.
Den Lebensweg der bedeutendsten Köpfe Preußens nachzuvollziehen, hat sich der Journalist Peter Korneffel mit dem Werk „Die Humboldts in Berlin. Zwei Brüder erfinden die Gelehrtenrepublik“ aufgemacht. Er selbst ist Weltreisender, tummelt sich unter anderem dort, wo es auch Alexander von Humboldt einst hingetrieben hat, als freier Korrespondent in Südamerika. Da lag es nahe, sein Interesse auch dem „zweiten Entdecker Kubas“ zu widmen. So betitelte den Preußen Alexander von Humboldt der kubanische Philosoph José de la Luz y Caballero. Die Bezeichnung, ein Geschenk der Universität von Havanna und der Geografischen Gesellschaft Kubas, ist seit 1939 auf dem Sockel des Denkmals Alexanders zu finden. Beinahe ehrfürchtig nimmt man im Vorwort des Autors zur Kenntnis, dass in der deutschen Hauptstadt derart viel Humboldt-Gen stecke, dass diese Republik, dieses Berlin, ohne die Humboldts so nicht denkbar wäre. Korneffel spricht vom „humboldtschen Spirit“ an der Spree, der die Freiheit der Geschlechter, die Überwindung von Mauern, die ewig unvollendeten Bahnen und Bauten bis hin zu den Träumen von einem neuen „Forum für die Welt“ mit einschließe. Kaum jemand habe die preußische Hauptstadt um 1800 so geprägt wie die Humboldt-Brüder, die einen intellektuellen Kosmos formten, der, so der Verlag, den Ruf des „Athens an der Spree“ mit begründete.
Doch was hat sie getrieben, die zwei privilegierten Adelssprösslinge, die sich mit ihrem reichen Erbe ein feudales Leben hätten ermöglichen können? Hauslehrer Gottlob Johann Christian Kunth hatte schon die Mutter überzeugt, die Jungen zur weiteren Bildung nach Berlin zu bringen. Dort angekommen, nahm er die Halbwüchsigen mit in die geheime „Gesellschaft der Freunde der Aufklärung“, den Salon des jüdischen Arztes und Experimentalphysikers Marcus Hertz. Hier tummelten sich führende Männer aus Physik, Philosophie und Geistesleben zu anregenden Diskussionen. So etwas prägt.
Bücher über die ungleichen Brüder, die zeitlebens in engem Kontakt standen, gibt es viele. Korneffel lädt in seinem Werk ein zu einer Zeitreise. Prallgefüllt mit Abbildungen und Fotos ist die Reise ins 18. Jahrhundert besonders anschaulich. Wie Alexander als Weltreisender zum führenden Naturforscher seiner Zeit wurde und Wilhelm als Staatsmann und Sprachforscher die Berliner Universität gründete, liest sich spannend und höchst informativ. Am Ende der Zeitreise steht der Leser vor der Baustelle des Berliner Stadtschlosses, das bald das wissenschaftliche, kulturelle und geistige Erbe der Humboldtbrüder als Humboldtforum beherbergen wird.
Die Welt lag diesen großen Geistern zu Füßen. Welch Glück für Berlin, dass die Brüder trotz aller Ablehnung gegen diese Stadt, dennoch immer wieder hierher zurück kamen.     Silvia Friedrich


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