Es droht ein paradoxer Rollentausch

Kämpfen bald Deutsche in Syrien, während wehrfähige »Syrer Unter den Linden ihren Kaffee trinken«?

27.11.15
Er spricht die inländerfeindlichen Konsequenzen und Gefahren der europäischen Syrienpolitik offen aus: Polens neuer Außenminister Witold Waszczykowski Bild: pa

Wie zu erwarten, hat die jüngste Welle islamistischen Terrors auch Forderungen nach einem Syrien-Einsatz der Bundeswehr aufkommen lassen. Kommt es zu einem derartigen Auslandseinsatz, dann droht eine absurde Situation, auf die unlängst Polens neuer Außenminister Witold Waszczykowski aufmerksam gemacht hat. Es müsse verhindert werden, „dass wir unsere Soldaten in den Kampf nach Syrien schicken, während Hunderttausende Syrer Unter den Linden ihren Kaffee trinken“, so Waszczykowski mit Blick auf Berlins zentrale Prachtstraße.


Als Lösung schlug der Politiker der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) die Schaffung einer syrischen Exilarmee vor. „Hunderttausende Syrer sind in letzter Zeit nach Europa gekommen. Wir können ihnen helfen, eine Armee aufzubauen. Mit unserer Hilfe könnten sie zurückgehen, um ihr Land zu befreien“, so Waszczykowski im polnischen TV-Sender TVP Info.
Der Exodus vor allem junger syrischer Männer im wehrdienstfähigen Alter ist allerdings nicht nur für die bewaffneten Oppositionskräfte in Syrien ein Problem. So hat die „Washington Post“ vor Kurzem darauf Aufmerksam gemacht, dass Syriens Machthaber Baschar al-Assad inzwischen immer mehr das Fehlen von Soldaten zu schaffen macht, welche die Rebellion in seinem Land wirkungsvoll bekämpfen könnten. Die Folgen bekommt das russische Militär in Syrien zu spüren. Zwar wird regelmäßig über eindrucksvolle russische Luftschläge gegen den „Islamischen Staat“ (IS) berichtet, am Boden können Assads Truppen die russische Luftunterstützung allerdings meist nicht effektiv ausnutzen – unter anderem weil die Truppe mittlerweile personell ausgedünnt ist.
Aus Sicht der „Washington Post“ ist es ein Mix von Ursachen, die den Exodus junger Männer im wehrdienstfähigen Alter aus Syrien herbeigeführt hat. Angeführt wird unter anderem, dass Syriens Regierung seit Ende vergangenen Jahres vermehrt Männer zur Armee einberuft. Daraufhin begann die zu erwartende Absetzbewegung junger Männer unter 30 Jahren aus Syrien.
Dass die Nachbarländer Syriens dabei oft nur Zwischenstation nach Europa und vor allem Deutschland waren, wurde durch eine Entwicklung forciert, die bislang nur unzureichend aufgeklärt ist. Anfang 2015 setzte eine finanzielle Unterversorgung in den UN-Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens ein. Eine generelle Unterfinanzierung und nicht eingehaltene Finanzzusagen einzelner Länder führten dazu, dass es in den Flüchtlingslagern zu gravierenden Kürzungen der Lebensmittelrationen kam.
Wie ein zusätzlicher Katalysator wirkte im Juni 2015 die Entscheidung Mazedoniens, überraschend seine „Flüchtlingspolitik“ zu liberalisieren und den Syrern die Durchreise zu erleichtern. Offen stand mit dieser Entscheidung eine Direktroute aus den Flüchtlingslagern in der Türkei in Richtung EU.
Nochmals verschärfend wirkte die Ankündigung von Bundeskanzlerin Merkel, für Asylbewerber aus Syrien die sogenannte EU-Dublin-Vereinbarung nicht mehr anzuwenden. Gerüchte, dass auf Syrer nach ihrer Ankunft in Deutschland Haus und Auto als Willkommensgeschenke warten, taten ihr Übriges den Migrationsstrom anschwellen zu lassen.
Resultat ist ein Zustand, auf den Polens Außenminister zutreffend hingewiesen hat: Nachdem Hunderttausende syrischer Männer in Deutschland Zuflucht gefunden haben, kommen in Deutschland Forderungen nach dem Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Syrien auf. So fragt etwa der „Spiegel“-Autor Jan Fleischhauer nach den Pariser Terroranschlägen: „Doch was spricht gegen einen begrenzten Einsatz von Elitesoldaten gegen fanatische Zauselbärte?“
In sozialen Internetdiensten zirkulieren mittlerweile die ersten Verschwörungstheorien, denen zufolge der Exodus aus Syrien von interessierter Seite bewusst befördert wurde. Bundeskanzlerin Merkel wird unterstellt, sie habe ganz bewusst wehrfähige junge Syrer nach Deutschland gelockt, um die Wehrkraft des syrischen Regimes zu untergraben. Denkt man derartige Vorwürfe konsequent zu Ende, wird impliziert, dass die deutsche Regierung die Schwächung der Position Deutschlands durch die Zuwanderung Hunderttausender Syrer dabei billigend in Kauf genommen habe.    
    Norman Hanert


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Kommentare

H. Schinkel:
29.11.2015, 10:23 Uhr

Tja, genau so ist es. Wehrfähige aber feige und konsumgeile junge Männer verlassen ihre Länder und der deusche Soldat soll es richten. 1200 deutsche Soldaten sollen erstmal gegen den IS kämpfen. So möchte es die von der Laien. Diese Zahl wird nicht ausreichen.

Ein interessantes Szenario bietet sich an. Während der Deutsche gegen den IS kämpft, schwängern eben genau diese Flüchtlinge deutsche Frauen und setzen den Hooton-Plan termingerecht um. So wird der UN geforderte Austausch der deutschen Bevölkerung konsequent umgesetzt.

Jeder verantwortungsvolle Soldat sollte sich an seinen Eid erinnern und den Dienst in Syrien verweigern.


Friedrich Phlak:
29.11.2015, 08:09 Uhr

Wen will die Bundeswehr dort unten bekämpfen? ISIS unterhält Geschäfte mit der Türkei, ISIS unterhält Geschäfte mit Irael und Saudi-Arabien. Im Norden kämpfen Turkmenen und die Türkische Armee im Süden Al Quaida. Al Quaida bekommt ihre Monatsgehälter von Senator McCain. Was wenn die Bundeswehr nun versehentlich auf Türken schiesst oder eine Raffinierie von Erdogans Sohn trifft? oder einen von McCains Vermögenswerten vernichtet? Bleiben nicht viele Ziele übrig. Der Rest ist nämlich "gemäßigte Opposition" so Al Nusra und so also die guten. würde gerne einmal wissen, wie die Generäle das managen wollen. Wahrscheinlich werden sie sich darauf beschränken, beschossene Terroristen "humanitär" zu versorgen mit Nutella und so`n Zeug, um die Flüchtlingsstrröme aufrecht zu erhalten.


Ernst Thälmann:
28.11.2015, 20:52 Uhr

Es war der USA Befehl an Merkel, mit der Grenzöffnung der die Soldaten der syrischen Regierung desertieren zu lassen. Ich war Mitarbeiter des Ministeriums für Staassicherheit der DDR, also einer von der bösen STASI und ich schäme mich allein dafür, daß wir Elemente wie Gauck und Merkel nicht unschädlich gemacht haben. Liebe Mitbürger , verzeiht uns


omas bioladen:
28.11.2015, 19:05 Uhr

Na wenn, denn dann da nur Kaffeetrinken würden wäre ja alles gut. Nur wird es dabei vermutlich nicht bleiben. Die Pariser Nächte scheinen diesen Herren ja Lust auf mehr zu machen. Warum sollte das in Berlin anders sein?


Dietmar Fürste:
27.11.2015, 20:14 Uhr

Dass ein großer Teil junger syrischer Asylforderer in Wahrheit Deserteure sind ist bekannt.

Weniger bekannt sind die Verstrickungen der Türkei mit den islamistischen Terroristen.

Obwohl hochrangige deutsche PolitikerInnen darüber Bescheid wissen, wie unten dargelegt, wird das in den Medien ausgeblendet und stattdessen die Aufnahme der Türkei in die EU in den Bereich des Möglichen gerückt.

Claudia Roth zum Verhältnis Türkei - ISIS in einem Interview mit RUDAW
Quelle: http://rudaw.net/english/middleeast/12102014

Erdogan’s “dealings with the ISIS are unacceptable. I could not believe that Turkey harbors an ISIS militant camp in Istanbul,” Roth said. “Turkey has also allowed weapons to be transported into Syria through its borders. Also that the ISIS has been able to sell its oil via Turkey is extraordinary,” she added.


Dieter Schmitz:
27.11.2015, 18:45 Uhr

Zitat: "Denkt man derartige Vorwürfe konsequent zu Ende, wird impliziert, dass die deutsche Regierung die Schwächung der Position Deutschlands durch die Zuwanderung Hunderttausender Syrer dabei billigend in Kauf genommen habe." -

Da denken die Leute viel zu komplex von Merkel. Die einfachste Erklärung ist Dummheit und Naivität. Wer ein nicht abhörsicheres Handy benutzt und sich dann wundert, dass einen die "amerikanischen Freunde" abhören (allein das wäre schon ein Rücktrittsgrund erster Kategorie gewesen), ist auch zuzutrauen, daß man einfach mal einen Satz so dahinplappert, der eine Flüchtlingswelle auslöst und diese durch Selfies noch verstärkt.

Am Anfang habe ich das ja für eine Böswilligkeit gehalten, aber inzwischen glaube ich, dass ihr Kohl wirklich zeigen musste, wie man mit Messer und Gabel ißt.


Hans-Joachim Nehring:
27.11.2015, 17:12 Uhr

Polens neuer Außenminister Witold Waszczykowski der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) schlug die Schaffung einer syrischen Exilarmee vor. Nachdem Hunderttausende syrischer Männer in Deutschland Zuflucht gefunden haben, welche oftmals vor der Einberufung in Syrien geflohen sind, sollen nun Europäer den Krieg gegen den IS führen. Der polnische Politiker vertritt die Auffassung, dass von den mehr als 1 Million geflohenen Syrern eine Art Armia Krajowa (Heimatarmee)im Exil geschaffen werden sollte, welche die Befreiung und den Wiederaufbau Syriens in die eigenen Hände nimmt. Dieses erscheint immerhin besser als die verfehlte Asylpolitik Merkels, da eine Integration von Zuwanderern aus ehemaligen Kolonien in Frankreich und Belgien offensichtlich in die Hose gegangen ist. Neu-Köln ist inzwischen überall in Deutschland und lässt grüßen. Multi-Kulti wird nur noch von Rot-Grün und der Kanzlerin zelebriert. Es steht allerdings zu befürchten, dass die eingewanderten Syrer keineswegs geneigt sind den Ruf nach dem Aufbau einer Exilarmee zu folgen. Da wird wohl Polens Außenminister vergeblich Ausschau halten, denn als Wirtschaftsflüchtling lebt es sich in Deutschland wesentlich besser, zumal die Willkommenskultur ohne Obergrenzen ein ganz gutes Auskommen garantiert. Blöd nur, dass selbst Schweden und Frankreich den Kurs von Merkel nicht mehr mitmachen wollen.


Andreas Müller:
27.11.2015, 13:42 Uhr

Und was meint das Parlament dazu???

Die Deutschen Bürger werden ja sowieso NIE gefragt, was sie wollen.
Eindeutig verfassungswidrig!
Wo bleibt da der Bundesstaatsanwalt und ermittelt???
Ach ja, der ist ja mit Satire-Pappgalgen beschäftigt....
In was für einer Bananenrepublik leben wir eigentlich???


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