Es geht auch ohne Bolero

Beim diesjährigen Schleswig-Holstein-Musik-Festival dreht sich (fast) alles um Maurice Ravel

14.06.17
Markenzeichen des SHMF: Musik auf dem Lande Bild: Olaf Malzahn

In seiner diesjährigen Saison stellt das Schleswig-Holstein- Musik-Festival den französischen Komponisten Maurice Ravel ins Zentrum seines Programms und widmet dem israelischen Mandolinenvirtuosen Avi Avital das Solistenporträt 2017.

„Er möchte Brücken zwischen der Musik und den Menschen bauen“, schwärmt SHMF-Intendant Christian Kuhnt über den 38-jährigen Solisten mit Wohnsitz in Berlin. „Er hat eine ausgeprägte kommunikative Kraft und möchte, dass die Mandoline aus ihrem Schattendasein gerissen und genauso ernst genommen wird wie die Geige oder das Klavier. Das hat er bereits eindrucksvoll vor zwei Jahren beim Festival bewiesen“, erläutert der Festivalleiter.
In insgesamt 20 Konzerten stellt Avital sein Instrument in all seinen Facetten vor, unter anderem in ei­nem genreübergreifenden Abend mit dem Jazz-Bassisten Omer Avital und drei Soloabenden. In den Projekten „Between Worlds“ und „Ponte Vecchio“ spürt er gemeinsam mit anderen herausragenden Musikern der Verbindung von klassischer Musik und Volksmusik nach.
Ebenfalls im Zentrum steht der französische Komponist Maurice Ravel, dessen überschaubares Werk in rund 60 Konzerten beleuchtet wird – auch von Weltstars wie gleich zur Eröffnung am 1. Juli der französischen Pianistin Hélène Grimaud, die mit dem NDR-Elbphilharmonie-Orchester unter Thomas Hengelbrock in der Lübecker Musik- und Kongresshalle auftreten wird. Aber auch Geigerin Anne-Sophie Mutter, Gitarrist Pepe Romero, die Labeque-Schwestern am Klavier und Christoph Eschenbach am Diri­gentenpult kümmern sich um Ravel. Etliche große, internationale Orchester werden ebenfalls erwartet.
„Während einem breiten Publikum beim Namen Ravel reflexartig der ,Bolero‘ einfällt, tut sich bis auf wenige Ausnahmen seine Musik auf deutschen Konzertpodien schwer. Wir wollen den Gründen hierfür ebenso nachspüren wie den spannenden und bahnbrechenden Klangkosmos seiner Werke vorstellen“, erläutert Kuhnt den diesjährigen Komponistenschwerpunkt. Ravel habe „nur erstklassige zeitlose Meisterwerke hinterlassen“.
Das Programm der 32. Auflage des SHMF stellte Intendant Kuhnt im Februar auf der Bühne des Konzertsaales der Musik- und Kongresshalle Lübeck vor – si­cherlich ein Signal der Erleichterung, dass dieser Saal nach der Sanierung seit Ende April wieder zur Verfügung steht. Auch die Hamburger Elbphilharmonie be­spielt das SHMF in insgesamt neun Konzerten.
Die Reihe „Luustern“ präsentiert Stars abseits der Klassik. In diesem Jahr mit dabei: das Multitalent Ulrich Tu­kur und seine swingenden Rhythmus Boys, die Hamburger Liedermacherin Anna Depenbusch, der ehemalige Supertramp-Sänger Roger Hodgson, die Gustav-Peter- Wöhler-Band mit überraschenden Neuversionen bekannter Hits, der musikalische Tausendsassa Chilly Gonzales, Axel Prahl und „Das Inselorchester“, 60er-Jahre-Ikone Esther Ofarim, die Berliner Kultband 17 Hippies, Klavierka­barettist Bodo Wartke und das be­liebte Puppentheater Familie Flöz.
Hinzu kommen die „Musikfeste auf dem Lande“, die klassische Musik in ungezwungener Atmosphäre präsentieren. Auf den schönsten Gutshöfen des Landes können Besucher die Musik mit ausgedehnten Picknicks verbinden. Auch in diesem Jahr öffnen Emkendorf, Hasselburg, Pronstorf, Stocksee und Wotersen ihre Tore. Ganz auf Familien zugeschnitten ist sind Angebot der Kindermusikwerkstatt sowie die Kindermusikfeste, die Musik zum Mitmachen anbieten.
In guter Tradition eröffnet und beschließt das NDR-Elbphilharmonie-Orchester den Festivalsommer. Steht die Eröffnung im Zeichen von Ravel, so stehen beim Abschlusskonzert am 27. August in der Sparkassen-Arena in Kiel gleich zwei moderne Klassiker auf dem Programm: Lutosławskis spektakuläres „Konzert für Orchester“ und Carl Orffs „Carmina Burana“. Am Pult steht in diesem Jahr der Erste Gastdirigent des Orchesters, der Pole Krzysztof Ur­banski.
Für 193 Konzerte, zusätzlich fünf „Musikfeste auf dem Lande“ und zwei Kindermusikfeste, die in 63 Orten an 107 Spielstätten in Schleswig-Holstein, Hamburg, im Süden Dänemarks und im Norden von Niedersachsen veranstaltet werden, stehen rund 190000 Eintrittskarten zur Verfügung. Die wollen erst einmal verkauft sein, um das Haushaltsbudget von 9,2 Millionen Euro am Ende wieder ausgleichen zu können. Abgesehen davon kann sich das Festival auf Sponsorenverträge und ei­nen Zuschuss von 1,233 Millionen durch das Land Schleswig-Holstein stützen.    Andreas Guballa

Vollständiges Programm und Buchungen im Internet unter www.shmf.de. Telefonische Bu­chungen bei der Kartenzentrale unter (0431) 237070.


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