Fall mit gesamteuropäischer Dimension

Mord an slowakischem Journalisten steht wohl in Zusammenhang mit seinen Korruptions-Recherchen

07.03.18

In der Slowakei ist der bekannte Investigativjournalist Ján Kuciak ermordet worden. Der 27-Jährige und seine Lebensgefährtin wurden erschossen in ihrem Haus in Velkej Maci im Westen des Landes gefunden, wie die Behörden mitteilten. „Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten ist in einem Land der Europäischen Union ein Journalist ermordet worden“, sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich weltweit für Pressefreiheit und gegen Zensur ein. „Die slowakischen Behörden müssen jetzt schnell aufklären, wie es zu dieser schockierenden Tat kommen konnte, obwohl Ján Kuciak schon vor Monaten bedroht wurde“, so Mihr weiter
Kuciak war als Reporter des Nachrichtenportals Aktuality.sk auf große Recherchen zu Korruption und Steuerhinterziehung spezialisiert. Der slowakische Polizei- präsident sagte bei einer Pressekonferenz, die journalistische Tätigkeit Kuciaks sei das wahrschein- lichste Motiv für den Mord. Weitere Journalisten von Aktuality.sk würden nun unter Polizeischutz gestellt. Die Verlage Axel Springer und Rigier, denen Aktuality.sk über eine gemeinsame Tochtergesellschaft gehört, erklärten, der Verdacht liege nahe, dass der Mord im Zusammenhang mit einer laufenden Recherche stehe.
Medienberichten zufolge hatte Kuciak auch über mutmaßliche Verfehlungen von Unternehmern berichtet, die der Partei Smer von Ministerpräsident Robert Fico nahestehen sollen. Im Herbst soll er Drohungen erhalten haben und erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei. In Kuciaks letztem Artikel vor seinem Tod ging es um Marián Kocner, einen slowakischen Geschäftsmann mit kontroversen Verbindungen zu mehreren Politikern
Am 16. Oktober war in Malta die bekannte Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia ermordet worden. Drei Männer stehen wegen der Tat derzeit unter Mordanklage vor Gericht, aber die Auftraggeber der Tat sind nach wie vor völlig unklar. Reporter ohne Grenzen fordert deshalb mit einer Protestmail-Aktion an die maltesischen Behörden vollständige Aufklärung über die Hintergründe des Verbrechens.
Bestätigt sich, dass Kuciak wegen seiner journalistischen Tätigkeit ermordet wurde, dann wäre dies der fünfte Mord an Journalisten in der EU innerhalb von zehn Jahren. 2008 wurde in Kroatien der Zeitungskolumnist Ivo Pukanic durch einen Sprengsatz getötet, 2010 in Griechenland der Radiojournalist Socratis Guiolias erschossen. Anfang 2015 starben in Frankreich zwölf Menschen bei dem Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, darunter sieben Journalisten.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht die Slowakei auf Platz 17 von 180 Ländern weltweit. Die unabhängigen Medien in der Slowakei können auch kontroverse Meinungen wiedergeben. Die meisten privaten Häuser gehören jedoch einflussreichen Unternehmern, die über unklare Besitzverhältnisse ihre Verbindungen zu Politik und Wirtschaft verschleiern. Der private Sender Markiza erreicht die höchsten Einschaltquoten, aber auch Rundfunkprogramme aus den Nachbarländern Ungarn und der Tschechischen Republik sind beliebt. Die Politik hat in den vergangenen Jahren wiederholt Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgeübt.    rog


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