Flucht vor dem schlechten Wetter?

Über die Frage der Bedeutung des unterstellten Klimawandels für die Migration scheiden sich die Geister

03.04.18
Sie warnt vor bis zu 140 Millionen "Klimaflüchtlingen“ bis 2050: Die Geschäftsführerin der Weltbank und ehemalige Vizepräsidentin der EU-Kommission Kristalina Georgiewa Bild: Imago

Der angebliche Klimawandel könnte zum Hauptfluchtgrund werden, prognostizierte schon 2009 das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge. Eine neue Studie der Weltbank unterstützt diese These. Doch es gibt auch Kritik.
 
Der „Klimawandel“ verstärke den Wettstreit um die Ressourcen Wasser, Nahrungsmittel sowie Weideland, und daraus könnten sich Konflikte entwickeln, behaupteten die Vereinten Nationen bereits vor Jahren. Eine Studie im Auftrag der Weltbank kommt nun zu einem ähnlichen Ergebnis. Bis zum Jahr 2050 könnte es mehr als 140 Millionen „Klimaflüchtlinge“ geben, sollte die Politik nicht entschiedener gegen den „Klimawandel“ vorgehen. In bestimmten Regionen sei die Flucht vor dem „Klimawandel“ bereits eine Realität, heißt es in einem Bericht, der in der vergangenen Woche veröffentlich wurde. Alleine in der Subsahara-Region Afrikas könne es 86 Millionen Menschen geben, die auf Grund des „Klimawandels“ flüchten. Weitere 40 Millionen Menschen könnten in Südasien und 17 Millionen in Lateinamerika vertrieben werden.
Ihre Prognose versucht die Weltbank mit unterstellten Auswirkungen des „Klimawandels“ wie Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, Wasserknappheit und Anstieg des Meeresspiegels zu begründen. „Mit jedem Tag wird der Klimawandel zu einer größeren wirtschaftlichen, sozialen und existenziellen Bedrohung“, warnte einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge Kristalina Georgiewa, die seit diesem Jahr die Geschäfte der Weltbank führt.
Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge unterstützt diese These und geht davon aus, „dass in den nächsten 50 Jahren zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Menschen gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen. Das sind jedes Jahr mindestens sechs Millionen neue Vertriebene.“ Die Menschen würden innerhalb und über Grenzen hinweg fliehen. Sie würden bei einer Katastrophe schnell und in großer Zahl oder allmählich flüchten, wenn die Trockenheit zu groß und das Wasser knapp werde.
Georgiewa erklärte, der „Klimawandel“ sei bereits „unaufhaltsam zu einem Motor für Migration geworden“. Betroffen seien Individuen, Familien, aber auch ganze Gemeinschaften, die nach lebenswerteren Orten suchten. Innerhalb bestimmter Regionen sei die Flucht vor dem „Klimawandel“ bereits eine Realität. Die sogenannten Klimaflüchtlinge kämen zu denjenigen hinzu, die bereits aus politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen auf der Flucht seien.
Wenigstens um 80 Prozent könne die Zahl der „Klimaflüchtlinge“ reduziert werden, wenn die Politik die Kohlendioxidemission reduziere, die Migration in Entwick­lungsplänen berücksichtige und in die Untersuchung interner Klimafluchtprozesse investiere.
Dem widerspricht nicht nur Tobias Ide, Friedens- und Konfliktforscher am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig, der davor warnt, „den Zusammenhang zwischen wärmeren Temperaturen und Migration derart vereinfacht darzustellen“. Steffen Bauer und Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn erklären, der „Klimawandel“ treffe arme Bevölkerungsgruppen, die sich selbst nur sehr begrenzt schützen könnten, besonders stark. Dies seien beispielsweise Kleinbauern, Fischer oder städtische Arme. „Sie leben ohnehin unter harschen Bedingungen. Entscheiden sie sich, ihre Heimat zu verlassen, dann lässt sich empirisch kaum erfassen, ob Umweltfaktoren oder andere Ursachen die maßgeblichen Beweggründe waren“, so die beiden. Deshalb sei es falsch, voreilige Schlüsse zu ziehen. Wo von Umweltwandel betroffene Menschen tatsächlich migrieren, erfolge dies häufig in zirkulärer oder saisonaler Migration, schreiben die Forscher in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“. Dies bedeute, dass sich einzelne Familienmitglieder oftmals zeitlich begrenzt auf den Weg machten, um woanders Geld zu verdienen. „Sie versuchen, Ernte- oder Viehverluste der Familie oder des Clans zu kompensieren. Dabei bewegen sie sich in den allermeisten Fällen innerhalb der Grenzen des eigenen Herkunftslandes oder zwischen benachbarten Ländern einer Region.“ Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich ein von Dürren geplagter kenianischer Viehhirte auf den Weg nach Europa mache.
Vor der Weltbank hatten bereits US-amerikanische Forscher Ende des vergangenen Jahres einen Zusammenhang zwischen klimatischen Veränderungen und Migration hergestellt. Ein Beitrag in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Science“ löste daraufhin eine große Kontroverse aus, die durch die jüngste Veröffentlichung der Weltbank noch befeuert werden dürfte. Die Zahl der Asylgesucher würde vor allem von Kriegen, Wirtschaftskrisen und dem Netzwerk von Migranten verändert und nicht von Umwelteinflüssen, konterten Forscher der Universität Zürich. Die „schwache Korrelation“ der neuen Theorien zwischen Wetter und Asylgesuchen sei „hochspekulativ“. Andere Studien hätten demnach gezeigt, dass Menschen, die vor Wetterkatastrophen flüchten, im Gegensatz zu vielen Kriegsflüchtlingen nicht weit weg gingen.    Peter Entinger


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Kommentare

Hans Kolpak:
4.04.2018, 22:57 Uhr

Im Mittelalter wurden Hexen und Ketzer verbrannt, weil die Ernten schlecht ausfielen. Und heute?

Schuld an Wetter und Krankheit

Die Wahrheit sieht anders aus, wie es die Aufzeichnungen aus Bamberg zeigen. Anlass der großen Verfolgungswellen waren hier die Auswirkungen der „Kleinen Eiszeit“ sowie konfessionelle Kämpfe im Zuge der Reformation. Missernten und die Wirren des 30jährigen Krieges führten zu Leid und Not. Dazu kamen unerklärliche Himmelserscheinungen wie Nordlichter, die die Menschen fürchten ließen, das Ende der Welt sei nah.

Schuld an all dem, so glaubten sie, seien Zauberer und Hexen. Wie andernorts auch, ging man in Bamberg gegen die vermeintlichen Hexen vor. Im Zuge der Verfolgungen starben im ehemaligen Hochstift etwa 1000 Einwohner. In ganz Europa fielen schätzungsweise 100.000 Menschen dem Hexenwahn zum Opfer, sowohl in katholischen als auch protestantischen Gebieten, verurteilt und hingerichtet durch weltliche Gerichte.


Arnold Schacht:
3.04.2018, 13:12 Uhr

Historisch gesehen nannte man Warmzeiten, die es übrigens immer mal wieder gegeben hat und die sich mit den Kaltzeiten abwechselten, "Klimaoptima", weil es da der Menschheit relativ gut ging. Bei Kaltzeiten traten eher Hungersnöte auf. Mehr CO2 in der Atmosphäre bedeutet mehr Pflanzenwachstum. Wieso (gerade bei der heutigen Technik) ein steigender Wasserspiegel mit mehr Dürre einhergehen muss, erschließt sich auch nicht (Meerwasserentsalzungsanlagen). Die jetzige Dürre in Südafrika wird eher dadurch verursacht, dass die schwarze Regierung aus rassistischen Gründen weiße Spezialisten entlassen hat und keine Schwarzen mit annähernd ähnlicher Qualifikation findet.


Haukur up Tronje:
3.04.2018, 07:43 Uhr

""Mit jedem Tag wird der Klimawandel zu einer größeren wirtschaftlichen, sozialen und existenziellen Bedrohung von Afrika.
Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge unterstützt diese These und geht davon aus, dass in den nächsten 50 Jahren zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Menschen weltweit gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen.""

Auch die dafür vermeintlich DE-Verantwortlich-Kompetente Bärbel Höhn (Grüne), seit jeher bekannt als "Personalisiertes Investitionshindernis“, mußte selbstredend einen derartigen "arteigenen" diesen Standpunkt von sich geben:

"60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, immer mehr davon auch KLIMAFLÜCHTLINGE.
Eine wachsende Zahl sucht den Weg nach Europa."
Nur die Zahlen widerspreche sich etwas , die UN setzt das gleich einmal um ein paar Potenzen höher an.

Nur irren hier Fr. Höhn und Fr. Kristalina Georgiewa, (Geschäftsführerin der Weltbank) sehr gewaltig:
Verantwortlich ist VORDERGRÜNDIG die absolute Schieflage zwischen einer steil anwachsen Geburtenrate und der kompletten excessiven Plünderung und Vernichtung der natürlichen Ressourcen des Kontinentes Afrika.
Die dann kausal auch in eine Klimaveränderung mündet, die jedoch nicht gottgegeben ist!

BEACHTE:
Afrika: Täglich kommen ca.99.000 Babys zur Welt – In Summe an Geburten / a: 36,135 Mio.

Ein Kontinent mit eingebrannter Immanenz von unsäglicher Korruption, sich maßlos bereichernder Stammesfürsten, Clanverwerfungen, hohe Kriminalität, AUSUFERNDER FERTILITÄT.
DAS sind die eigentlichen Fluchtursachen!

Die bisherigen vielen, vielen Milliarden Entwicklungshilfe – Zerstoben in den wandernden Sanddünen der Sahara.

Will man die eigentlichen Fluchtursachen bekämpfen, dann sollten die Verantwortlichen der Weltgemeinschaft (UN) und die immer nur mit unsinnigen Vorschlägen hervortretenden Regierungen in Europa, Afrika, Arabien, etc., sich endlich über die ausufernde Fertilität in Arabien und Afrika und der damit in diesem Zusammenhang umgehend erforderlichen und zwingenden Gegenmaßnahmen austauschen und auf dieser Basis probate Konzepte der Bevölkerungssteuerung & – wanderungen für die nahe Zukunft entwickeln!


James Ostenmoordorf:
3.04.2018, 00:23 Uhr

Grund und Begründung
Die USA und England wollen den Großen Austausch. Und seit 2015 haben sie es plötzlich sehr eilig mit den gesteuerten Migrationsströmen nach Europa, zwecks Flankierung ihres geplanten Krieges gegen China und Russland. Aber damit könnten sie sich vielleicht unbeliebt machen. Als Begründung herhalten muss daher das schlechte Wetter, zuwenig Geburten hier (die man selbst künstlich absenkt), zuviele dort, und ähnlicher Zinnober.


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