Frankreichs Intellektuelle fordern islamischen Separatismus heraus

16.04.18

Der französischen Gesellschaft drohe „ein neuer totalitärer Islamismus“, der „mit allen Mitteln Fuß fassen will und für den die Toleranz geopfert werden soll“. Das befürchten 100 namhafte Intellektuelle aus Politik, Literatur und Wissenschaft, die ihren Unmut am 20. März in der Zeitung „Le Figaro“ veröffentlicht haben.
In dem Zeitungsforum finden sich auch die Unterschriften von Alain Finkielkraut und Catherine Kintzler, die 1989 noch dazu aufgerufen hatten, angesichts der Ankunft des islamischen Kopftuchs in der Schule nicht „zu kapitulieren“. 15 Jahre später scheiterte diese Position durch das Gesetz von 2004, das das Tragen auffälliger Zeichen in der Öffentlichkeit verbietet.
Die Plattform war eine Reaktion auf eine von einer Lehrerorganisation organisierten Fortbildung in Seine-Saint-Denis bei Paris, bei dem Workshops zu „Rassismus des Staates“ angeboten wurden, die für „Weiße“ verboten waren. Die Initiatoren sahen in dieser Fortbildung ein Symbol für eine Strategie, die in einigen muslimischen Kreisen und in linken Organisationen immer mehr Gestalt annimmt. Darin geht es darum, die „Unterdrückten“ (Muslime) zu verteidigen, indem man sie von anderen gesellschaftlichen Gruppen trennt und ihnen zusätzliche Privilegien gewährt. Dieser Ansatz begründe nichts weniger als eine Art von „neuer Apartheit“, sagen die Autoren des Podiums.
Der ständig steigende Gebrauch des Tragens des Schleiers führt zu einer Trennung zwischen den Geschlechtern. Diese Tendenzen sind dem in Frankreich sakrosanktem „republikanischen Universalismus“ entgegengesetzt und sind „allen Errungenschaften des zivilen Gesellschaftsfriedens diametral entgegengesetzt“. Dieser „neue Weg der Rassentrennung“ führe zu einer „Abspaltung von der nationalen Gemeinschaft, ihren Gesetzen und Sitten“. Der „neue Separatismus“, sei „die Waffe der politischen und kulturellen Eroberung des Islamis­mus“, argumentieren die Mitglieder des Forums: „Wir wollen in einer Welt leben, in der Frauen nicht von Natur aus als unterlegen betrachtet werden …, wo Menschen sich ohne Angst treffen können ..., wo keine Religion das Gesetz macht“.
Dieses Forum ist ein weiteres Kapitel in der endlosen Debatte über die Entwicklung immer strengerer muslimischer Strömungen, mit denen Frankreich mehr als alle anderen Länder Europas auch dank seiner kolonialen Vergangenheit konfrontiert ist. Das Forum achtet bewusst darauf, über die üblichen Polemiken hinauszugehen, die sich jeweils Islamophobie oder Naivität vorwerfen. Es soll bewusst auch kein Angriff auf diejenigen geführt werden, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzen.
Die Liste der Unterzeichner des Forums geht über den „Republikanischen Frühling“ hinaus, der die Speerspitze des Säkularismus in Frankreich darstellt. Die Liste wird angeführt vom Politologen Laurent Bouvet und von republikanischen Gelehrten wie Élisa­beth Badinter. Allerdings ist das Forum auch offen für Personen von rechts wie Maxime Tandonet oder Yvan Rioufol und aus der katholischen Sphäre wie Rémi Brague oder Chantal Delsol. Ein solch breites Bündnis von Intellektuellen zur Bekämpfung des radikalen Islam und seiner Helfershelfer hatte es in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben.    Bodo Bost


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