Fraport pachtet Flughafen Thessaloniki

Die Frankfurter haben mit der Copelouzos Group in 14 griechischen Airports den Betrieb übernommen

09.05.17
Der wichtigste Flughafen des griechischen Nordens: Makedonia Airport bei der Stadt Thessaloniki Bild: Kayhan ERTUGRUL

Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos Group für 40 Jahre den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen übernommen. Zum Paket gehören der Flughafen von Thessaloniki sowie zwei weitere auf dem Festland, aber auch bekannte Tourismusstandorte wie Santorin, Mykonos, Korfu oder Kos. Außen vor geblieben sind die landesweit größten Flughäfen in Athen und Heraklion.

Nach eigenen Angaben hat Fraport bereits eine Konzessionsgebühr in Höhe von 1,234 Milliarden Euro an den staatlichen griechischen Privatisierungsfonds überwiesen. Im Zuge des Pachtgeschäfts will die Fraport-Tochter „Fraport Greece“ an allen übernommenen Flughäfen bis zum Jahr 2021 die Infrastruktur modernisieren und ausbauen und rund 400 Millionen Euro investieren. Der deutsche Flughafenbetreiber wertet das Engagement nach eigenen Angaben als einen wichtigen „Meilenstein“ beim Ausbau seines internationalen Beteiligungsgeschäfts.
Eigentlich hatte Fraport bereits im vergangenen Herbst die Flughäfen übernehmen wollen. Dieser Zeitplan scheiterte jedoch nicht zuletzt an Einsprüchen verschiedenster Akteure. So hatten das griechische Gesundheitsministerium, die Feuerwehr und die Polizei Finanzierungsabsprachen zu ihrem Einsatz gefordert, Gewerkschaften sprachen im Zusammenhang mit dem Pachtgeschäft von „Ausverkauf“ und einem „Schnäppchenpreis“, und linke Organisationen klagten, das Vermögen der Bürger würde unter deutsche Kontrolle gestellt. Zu guter Letzt prüfte auch noch die EU-Kommission die Privatisierung der griechischen Flughäfen auf mögliche Wettbwerbsverzerrungen oder unerlaubte Beihilfen.
Die Konzessionsvergabe für die Flughäfen gilt als eines der größten Privatisierungsprojekte, die bislang realisiert werden konnten. Die Vereinbarung mit Fraport spült nicht nur durch die Konzessionsgebühr einen einmaligen Milliardenbetrag in die klamme griechische Staatskassem, sondern auch künftig kassiert der Staat mit. Athen soll jährlich eine Konzessionsabgabe von 22,9 Mil­lionen Euro sowie 28,5 Prozent des operativen Gewinns von Fraport Greece erhalten.
Der Einbruch der Buchungszahlen in der türkischen Tourismusindustrie könnte dazu führen, dass sich das Geschäft für Fraport relativ schnell rentiert. Der griechische Staat wiederum konnte signalisieren, tatsächlich bereit zu sein, sich von nennenswerten Beteiligungen zu trennen. Athen hatte sich im Gegenzug für das derzeit laufende Kreditpaket über 86 Milliarden Euro zum Verkauf von Staatsbesitz verpflichtet.
Zumindest in der Anfangsphase der sogenannten Griechenland-Rettung war eine Summe von 50 Milliarden Euro genannt worden, die der griechische Staat durch Privatisierungen einnehmen könnte. Diese Zahl hat sich mittlerweile als unrealistisch herausgestellt. Lange Zeit schien es sogar zweifelhaft, ob überhaupt Erlöse in nennenswertem Umfang erzielt werden. Druck der internationalen Geldgeber hat dazu geführt, dass die griechische Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras (Syriza) zuletzt das Tempo bei den Privatisierung erhöht hat. Vor Kurzem wurde gemeldet, dass die Ferrovie dello Stato Italiane (FS, Italienische Staatsbahnen) die griechische Staatsbahn Trainose gekauft hat. Der Kaufpreis soll laut griehischen Presseberichten aufgrund des maroden Zustands der Infrastruktur bei lediglich 45 Millionen Euro liegen. Und während Griechenlands größter Hafen Piräus schon größtenteils an ein chinesisches Transportunternehmen verpachtete ist, hat nun ein Konsortium unter deutscher Führung gute Chancen, beim Hafen von Thessaloniki zum Zuge zu kommen. Nach Angaben des griechischen Privatisierungsfonds hat die Investorengruppe das beste Pachtangebot für Griechenlands zweitgrößten Hafen abgegeben. Demnach will die Gruppe 232 Millionen Euro zahlen und bis zum Jahr 2051 zwei Dritteln des Hafens von Thessaloniki pachten. Der Freihafen besitzt weit über Griechenland hinaus Bedeutung, da er den gesamten südlichen Balkan bedient.    Norman Hanert


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