Gehört die Preußische Allgemeine Zeitung zur „Neuen Rechten“ wie bei Wikipedia behauptet?

Von Dr. Jean-Paul Picaper

12.10.11

Dass die Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ) von einigen linken Denkern und mit einem kurzen Satz auf der Internetseite von Wikipedia in die extremrechte Ecke des politischen Spektrums, und zwar unter dem Oberbegriff „Neue Rechte“, abgeschoben wurde, haben wir grundlegend einem Autor zu verdanken. Er nennt sich Anton Maegerle. Das Buch, in welchem sein diesbezüglicher Aufsatz „Autorengeflecht in der Grauzone. Blätter zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus“ sich laut Quelle auf den Seiten 35 bis 43 befindet, trägt den Titel: „Rechte Netzwerke – eine Gefahr“. Herausgeber sind der SPD-Politiker Stephan Braun und Daniel Hörsch. Der Sammelband erschien 2004 im VS Verlag. VS ist die Abkürzung für „Versus“, was so viel bedeuten kann wie „dagegen“ oder „Rückseite“ (verso). Dieser Verlag wurde 2004 durch den Zusammenschluss anderer Verlage der Sozialwissenschaften gegründet.

Wer ist Anton Maegerle? Dahinter verbirgt sich der linke Autor Gernot Modery. Ihn als Wissenschaftler zu bezeichnen, wäre indes der Ehre zu viel. Dennoch steht es in Wikipedia: „Von wissenschaftlicher Seite wird die PAZ  überwiegend der Neuen Rechten zugerechnet“ und die Quelle dieses Satzes ist eine Arbeit von „Maegerle“. Die Formel ist nicht üblich. Es ist nicht üblich, dass Wissenschaft „expressis verbis“ herangezogen wird, um eine Behauptung zu untermauern. Und vieles schimpft sich heute wissenschaftlich, was eher ideologisch oder propagandistisch ist, so auch bei Modery. Da fast jeder in Wikipedia hineinschreiben kann, dürfen hier Zweifel an der Wissenschaftlichkeit dieser Aussage formuliert werden.

Um beim Titel des oben genannten Buches zu bleiben, halte ich persönlich auch den extremrechten Nebelschwarm für eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland und in Frankreich, und vor allem auch für die Europäischen Union, die die privilegierte Zielscheibe der Neuen Rechten ist. Aber es ist klar, dass der Titel des Buches, in dem „Maegerle“ geschrieben hat, lapidar wie er ist, Emotionen anspricht. „Gefahr“ ist ein ebenso schwammiger Begriff wie die Worte „Grauzone“ und „Geflecht“ in seinem Aufsatztitel. Damit entzieht sich dieser Autor einer genauen Ideenkritik und der Untermauerung seiner These durch quantifizierbare, konkrete Fakten. Man arbeitet im Reich des Verdachts. Die Unterstellungs- und Pauschalisierungsmethode ist aus der linken Agitprop bekannt. Da sich damals die SED dieser Methode in ihrer Faschismustheorie zur Diskreditierung der Bundesrepublik Deutschland intensiv bedient hatte, so liegt es nahe, wes Geistes Kind Gernot Modery ist. Jüngere Politologen sollten sich näher mit dem Fall Modery befassen.

Aber nun zum Begriff der Neuen Rechten. Obwohl der französische Publizist Alain de Benoist verneint, dazu zu gehören, kann man ihn als Urheber dieser Geistesrichtung betrachten. Der mit einer Norddeutschen verheiratete De Benoist, der oft im Wochenblatt „Junge Freiheit“ schreibt, ist mit seinen 50 Büchern, seinen Zeitschriften und Gründungen, darunter „Nouvelle Ecole“ und GRECE, seit 40 Jahren der Hauptideologe der europäischen Neuen Rechten. Es gelingt ihm trotzdem, unklassifizierbar zu sein. Er ist schlicht und einfach gegen alles, was ist, aber seine ganz klare Abneigung gegen die Marktwirtschaft und seine Kritik am Geldprofit und an der Akkumulation des Kapitals bringen ihn in die Nähe von Karl Marx, während er neulich Marine Le Pen, der frischgekürten und populären Führerin der Nationalen Front (FN), seine „kritische Unterstützung“ gewährte. Er bedauert nur, dass sie heute weniger die Islamisierung Frankreichs und Europas als die Zuwanderung kritisiert und dass sie zu wenig von den Klassenverhältnissen in der neoliberalen Gesellschaft redet. In der „Islamophobie“ (Islamfeind­lichkeit) der Marine Le Pen identifiziert er jüdische Einflüsse. So sehen wird das alles nicht. Alain de Benoist könnte nicht in der PAZ schreiben. Was wir von ihm hier behaupten, ist vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen, weil er sicherlich auch anderswo das Gegenteil gesagt hat. Wer den genialen und esoterischen Alain de Benoist verstehen will, muss sehr schlau sein und viel Geduld haben. Manche meinen, dass er aus dem Gedankengut der Vorläufer des Nationalsozialismus schöpft. Das ist sicher streckenweise richtig. Er würde es leugnen. Oder?

Das gilt auch für die in den frühen 60er Jahren entstandene deutsche Neue Rechte, die sich als Gegenbewegung gegen die Neue Linke verstand. Ich verstehe schon, wenn man zum Beispiel die Medienkampagne gegen Thilo Sarrazin sieht, dass manche Konservative oder einfach Realisten kein anderes Presseorgan finden, um ihre Gedanken zu artikulieren. Aber sie sollten in der PAZ schreiben, die zu den demokratischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland steht, zwar kritisch steht, aber Kritik ist die Rolle der Medien. Die PAZ gehört nicht zur Neuen Rechten, weil die Neue Rechte eine ideologische Denkweise ist. Die parlamentarische Demokratie und die soziale Markwirtschaft, vor allem die Realität ist das Fundament der PAZ-Redaktion, die an moralische Werte, nicht an Systeme gebunden ist, und Fakten und Handlungen kritisch, manchmal mit einem Quäntchen Voltaire-Ironie durchleuchtet. Nach meinem Dafürhalten ist die preußische PAZ demokratisch auf bayerische Weise, auch mit der starken christlichen Bindung der CSU, während die Neue Rechte pauschal gesehen wie damals der NS-Staat zum Atheismus neigt. Natürlich lieben die meisten Redakteure der PAZ ihr deutsches Vaterland, aber im Sinne des französischen Patriotismus, nicht nach dem Muster des urgermanischen Nationalismus. Nebenbei bemerkt, dass die ehemaligen Vertriebenen und Entrechteten aus den historischen deutschen Ostgebieten, Mitgründer der PAZ, schon vor mehr als einem halben Jahrhundert in ihrer Charta Polen die Hand ausgestreckt hatten, zeugt von wahrem christlichen Glauben und ist aus meiner Sicht sehr positiv einzuschätzen. Die PAZ schwebt nicht in einer „Grauzone“ zwischen konservativ und rechtsradikal. Dazwischen ist kein Nebelfeld, sondern eine scharfe Trennlinie, die ein Gernot Modery offensichtlich nicht sehen kann.

Die PAZ steht auf der demokratischen Seite dieser Linie und gehört nicht zur Neuen Rechten. Es ist der Vollständigkeit halber noch hinzuzufügen, dass die PAZ oft bedauert, dass die Deutschen heute mit ihrem Geld für die Griechen und andere Euro-Pleitekandidaten aufkommen müssen und dafür keinen Dank ernten. Das ist durchaus verständlich. Die Mehrheit im Volk denkt so. Aber nationalistische Frontalangriffe gegen die Währungsunion und gegen die Europäische Union findet man in der PAZ nicht. Sonst würde ich dort nicht schreiben, denn ich war Zeit meines Lebens ein europäischer Föderalist. Dr. habil. Jean-Paul Picaper

Der Autor dieses Beitrages ist Journalist und Buchautor. Davor lehrte er Politikwissenschaft an der FU Berlin, promovierte in Straßburg und habilitierte sich in diesem Fach 1976 in Berlin mit einer Dissertation zum Thema „Kommunikation und Propaganda in der DDR“ (unter diesem Titel im Verlag Bonn Aktuell – 2 Auflagen). Über viele Jahre arbeite Picaper daraufhin als Deutschland-Korrespondent der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ in Bonn und Berlin.

 

Dr. Jean-Paul Picaper



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Kommentare

Meister Herrmann:
21.12.2011, 16:08 Uhr

Weiter eindeutig Flagge zeigen.
Der Leserkreis der PAZ wird wachsen, während er bei anderen Zeitungen schrumpft.


Peter Siemens:
17.12.2011, 16:21 Uhr

Sehr guter Kommentar, wird nur leider wenig gelesen werden.


Hermann Paul:
27.10.2011, 11:39 Uhr

Dass Autoren wie dieser Gernot Modery unter einem alias Namen (Anton Maegerle)schreiben, zeigt schon dass sie zu feige sind ihre "Meinung" mit offenem Visier zu äußern. Das passt exakt zu den Aktivitäten aller linken Gruppen, die mit dem Begriff "Rechts" jedem aufrichtigen Patrioten ganz pauschal Nazi Gedankengut unterstellen. Sie wissen allerdings sehr wohl dass beides nicht zusammenpasst und nicht gehört.

Der Patriot vertritt in erster Linie ebenfalls konsequent nationale Interessen. Im Gegensatz zu Nazi's differenziert er aber deutlich zwischen vollintegrierten Ausländern mit deutscher Staatsangehörigkeit und deren Landsleuten bei denen der Wille zur Integration nur mäßig oder gar nicht vorhanden ist.
Letztere haben in Deutschland nichts zu suchen, da sie offensichtlich nur die Rosinen aus dem deutschen Kuchen picken wollen, also so gut wie kein Intersse daran haben ihren Lebensunterhalt aus eigener kraft zu sichern.

Diese elementaren Unterschiede werden von linksorientierten Medienleuten grundsätzlich nicht erwähnt um alles was Mitte/Rechts angesiedelt ist in die rechtsextreme Ecke zu stellen.
Genau das geschieht u. a. mit der Platzierung der PAZ mittels pseudowissenschaftlichen Studien und andere ideologisch links gepolte Aktionen.
Diese Unterschiede "kann" Gernot Modery vermutlich sehr wohl sehen, er "will" es aber offenbar nicht. Die Gründe hierfür sind im wesentlichen bereits genannt.

Es ist nicht mehr zu übersehen dass sich bei immer mehr Bürgern das nationale Bewußtsein deutlich schärft und auch entsprechend geäußert wird. Darum, liebe PAZ Leute, bleiben Sie konsequent auf Ihrer Linie, denn eine glasklare patriotische Einstellung ist das beste Mittel um rechtsextreme Umtriebe so klein wie möglich zu halten.
Weiter so!


Michel Deutsch:
25.10.2011, 23:16 Uhr

"Aber nationalistische Frontalangriffe gegen die Währungsunion und gegen die Europäische Union findet man in der PAZ nicht."
Leider Monsiuer, Ihre Einseitigkeit und die Ablehnung der Neuen Rechten kommt den Linken wie gerufen. Sie sind kein Wert-Markenzeichen der PAZ!


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