Geschenk an die Evangelikalen

Mit seiner Jerusalem-Entscheidung bedient Trump seine eigentliche Wählerbasis

08.01.18
Spirituelle Hauptstadt der Evangelikalen: Die Heilige Stadt Jerusalem Bild: Bost

Die mehr als 50 Millionen evangelikalen Christen in den USA, die zu 80 Prozent Donald Trump gewählt haben,  repräsentieren die eigentliche Wählerbasis für die Republikaner und Trump selbst, nicht die US-Juden, die traditionell die Demokraten wählen.

Seit der Ankündigung von Donald Trump über Jerusalem hat die US-amerikanische religiöse Rechte etwas zu feiern. Der Präsident hat seinen evangelikalen Unterstützern erneut gezeigt, dass er tun wird, was er angekündigt hat. Die Evangelikalen sind ekstatisch, weil Israel für sie ein heiliger Ort und das jüdische Volk der beste Freund für sie ist. Mehrere Faktoren haben zwar zu Trumps Jerusalem-Entscheidung beigetragen, aber einer der entschei-dendsten bleibt der intensive Wahlkampf, der von seiner wichtigsten Wählerschaft, den Evangelikalen, geführt wurde. Die Frage von Jerusalem ist ihnen besonders wichtig, und es ist kein Zufall, dass der Jerusalem Embassy Act von 1995, das Gesetz, das die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv in die Heilige Stadt vorsieht, bereits auf ihre Initiative hin verabschiedet, aber von dem damaligen Präsidenten Bill Clinton nicht umgesetzt wurde.
Die weißen ultrakonservativen Evangelikalen machen etwa ein Fünftel der US-Bevölkerung aus. Rund 80 Prozent von ihnen, so viel wie keine andere gesellschaftliche Gruppe, haben bei der Wahl für Trump gestimmt. Die Mehrheit der jüdischen US-Amerikaner stimmte dagegen für seine demokratische Gegnerin Hillary Clinton. Dabei ist Trump in Bezug auf christliche Werte nicht gerade ein idealer Kandidat: Er ist mehrere Male geschieden, hat sein Vermögen unter anderem mit Casinos aufgebaut und hat oft abfällige Bemerkungen über Frauen gemacht. Aber Hillary Clinton und ihre liberalen Ideen – wie ihre Unterstützung für Homo-Ehe und Abtreibung – stellten eine viel gefährlichere Bedrohung für dieses Segment der US-amerikanischen Gesellschaft dar.
Seit dem Amtsantritt des Milliardärs Trump vor einem Jahr haben seine evangelikalen Berater und verschiedene Gruppen wie beispielsweise „Christen an der Seite Israels“, die „Nationale Christliche Führerkonferenz für Israel“ oder der „Christliche Zionistische Kongress“ ihre Forderungen nach Anerkennung Jerusalems als „unteilbarer Hauptstadt“ Israels und der Verlegung der US-Botschaft dorthin verstärkt. Die Fernsehpredigerin Paula White ist die Vorsitzende von Trumps „Evangelikalem Beraterrat“. Ihre tägliche Präsenz in den Korridoren des Weißen Hauses ist allgemein bekannt. Kein Wunder, denn die Einmischung der Evangelikalen in die US-amerikanische Politik kann bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Gerade in den 1970er und 80er Jahren stieg die Rolle der Evangelikalen konsequent, dank Predigern wie Billy Graham oder Jerry Falwell, evangelikalen Führern, die es schafften, die Massen zu begeistern. Die 1976 von Reverend Jerry Falwell veranstaltete Tour „I Love America“ sollte das soziale, aber auch das politische und patriotische Gewissen der US-Bürger wecken.
Diese Bemühungen trugen Früchte, denn Ronald Reagan, der offen von Falwell unterstützt worden war, wurde 1980 ebenso überraschend wie Trump zum Präsidenten gewählt. Reagan siegte gegen den Evangelikalen Billy Carter von den Demokraten, der allerdings der Minderheit von „Red-Letter Christians“ (Linksevangelikalen) angehört.
Evangelikale machen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zur Grundlage ihres überkonfessionellen Christentums. Zentral ist für sie die Berufung auf die als irrtumsfrei angesehene Autorität der Bibel. Die Verbundenheit der Evangelikalen mit der Jerusalem-Frage ist in erster Linie auf ihre Interpretation der Bibel und ihrer Prophezeiungen zurück­zuführen. Für sie ist die Heilige Stadt Jerusalem die spirituelle Hauptstadt und das Heilige Land ein zusätzlicher Beweis dafür, dass der Gott der Bibel existiert. Für viele konservative Christen und besonders jene des „Bibelgürtels“ ist die Wiederkunft Christi auf der Erde, die unmittelbar bevorstehe, die Anerkennung eines jüdischen Staates: In Israel muss diese Wiederkunft des Messias am Ende eines letzten Kampfes zwischen den Kräften des Guten und des Bösen am Fuße des Armageddon-Hügels stattfinden. Nach dem Erfolg in den USA erleben Evangelikale auch in Brasilien und in Nigeria einen großen politischen Aufwind.
Umgeben von vielen evangelikalen Christen, wie seinem Vizepräsidenten Mike Pence, seinem ehemaligen Berater Steve Bannon, dem selbsternannten Zionisten Tom Cotton, Senator von Arkansas, versucht Trump, seine evangelikale Wählerbasis zu halten. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatten rund 60 namhafte Evangelikale ihn in einem offenen Brief zu „zügigem Handeln“ zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels aufgefordert. Laut jüngsten Umfragen, unter anderem des Pew Research Center, war die Unterstützung der Evangelikalen von 80 Prozent im Jahr 2016 auf nur noch 61 Prozent herabgesunken. Deshalb konnte Trump, der weiter an Popularität verloren hatte, die Entscheidung für Jerusalem nicht länger aufschieben.    Bodo Bost


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