Goldmine im Pulverdampf versteckt

Kritiker werfen Washington die hemmungslose Ausbeutung der afghanischen Bodenschätze vor

28.08.17
Sisyhos am Hindukusch: Afghanische Polizeibeamte zerstören ein Opiumfeld Bild: Imago

Wollen die USA den Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewinnen? Informierte Kreise sagen „nein“: In Wahrheit komme Wa-shington die chaotische Lage sehr entgegen, um in dem Durcheinander ungestört die Rohstoffe des Landes ausbeuten zu können. Die strenge Aufsicht eines stabilen Staates würde da nur stören.

Von den vielen militärischen Konflikten, in welche die USA verwickelt sind, fallen zwei aus dem Rahmen: Da ist zum einen das Austauschen von Drohgebärden gegenüber Nordkorea, was aber noch keinen militärischen Konflikt darstellt; das andere ist der Krieg in Afghanistan, der im 16. Jahre anhält und so derjenige ist, der die USA und gezwungenermaßen auch zahlreiche Verbündete am längsten fesselt und in dieser Weise die Aussichtslosigkeit des Versuches dokumentiert, politische Fragen mit Bomben zu regeln.
Tatsächlich ist für Washington die Präsenz in Afghanistan ein unverzichtbarer geostrategischer Vorteil, denn das Land stellt in der Kette von Staaten, die um Russland und China liegen und in denen die USA Militärbasen errichtet haben, ein wichtiges Glied dar. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Neben dem kriegerischen haben die USA auch noch ein wirtschaftliches Interesse an Afghanistan, und auch das ist nicht unerheblich.
Dort nämlich gibt es einen großen Reichtum an Bodenschätzen, der nicht allein Erdgas und Erdöl umfasst, sondern auch Kobalt, Gold, Lithium, Kupfer und Molybdän. Vor Kurzem schrieb die „New York Times“, diese Vorkommen an Seltenen Erden und anderen Metallen könnten Afghanistan zum weltgrößten Exporteur von Rohstoffen machen.
Damit wäre das Quasi-Monopol der Chinesen auf Seltene Erden gebrochen – ein Nebeneffekt, den die USA sowohl im Bereich Wirtschaft als auch unter „Militärische Belange“ verbuchen dürften. Jedenfalls werden die bislang entdeckten Vorkommen auf einen Wert von über 800 Milliarden Euro geschätzt. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch das Uran, das ebenfalls vorkommt, und dessen sich die USA auch schon systematisch angenommen haben. So sind US-Truppen bereits seit mehr als zehn Jahren in der südlichen Provinz Helmand stationiert und beuten dort Uranlager aus. Die Förderung wird mit Militärmaschinen außer Landes gebracht.
Naim Samim, eigentlich Chef der afghanischen Organisation für Bergwerke und Bodenschätze der Provinz, erklärt: „Derzeit ist dieses Territorium in den Händen des Gegners. Wir können auf dieses Revier nicht gelangen. Gerüchten zufolge fördern dort die Amerikaner und Briten Uran. Die USA betreiben im Raum von Garmsir einen Flughafen, von wo einigen Angaben zufolge Uran in die USA befördert wird.“
Abgeordnete des Provinz-Parlaments, der Wolesi Dschirga, die sich allerdings aus Vorsicht bedeckt halten, beteuern, es sei kein Zufall, dass die USA und Großbritannien ihre Stützpunkte in Helmand eingenommen hätten. Denn im dortigen Distrikt Khanashin lägen die allergrößten Uranreserven von ganz Afghanistan. Auch die Abgeordneten sprechen von Hinweisen, dass die Ausbeute mit US-Maschinen außer Landes geschmuggelt werde.
Eine wichtige Rolle spielt auch der Anbau von Schlafmohn, der Ausgangsdroge für Opium, Morphine und Heroin. Seit der Iran-Contra-Affäre in den 80er Jahren weiß die Welt, dass der US-Geheimdienst CIA seine Finger auch im internationalen Drogen-Handel stecken hat. Darauf deuten Indizien auch in Afghanistan hin. Seit die NATO in Afghanistan einmarschiert ist, hat sich die Anbaufläche für Mohn von 123000 auf fast 250000 Hektar verdoppelt, ein Gebiet so groß wie das Saarland. Diese Flächen liegen ganz überwiegend in den von den USA kontrollierten Regionen.
Im Netz kursieren Foto-Dokumente, die zeigen, wie bewaffnete US-Soldaten Mohnfelder bewachen. Der frühere US-Präsidentschaftskandidat und Kongressabgeordnete Ron Paul sagt vom Drogenschmuggel und der CIA, jener sei „eine Goldmine für Leute, die in der Untergrundregierung (dem Geheimdienst) Geld aufbringen wollen, um Projekte zu finanzieren, wenn sie dies auf legale Weise nicht können“.
Unter solchen Umständen erscheint die militärische Strategie in Afghanistan in neuem Licht: Es kann gar nicht die Absicht der USA sein, die Taliban zu besiegen, sodass eine wie immer geartete Regierung in Kabul über das Land herrschen könnte. Denn eine solche Regierung würde sich dagegen wehren, dass die USA das Land einfach ausrauben. Diese benötigen also die Taliban als Vorwand für ihre Präsenz im Lande, aber jene dürfen natürlich auch nicht zu stark werden, weil sie dann – Gott behüte – die mineralogischen Übungen der USA behindern könnten.
Nun zeigt die Geschichte des Kolonialismus, dass dieser für Staaten, die ihn treiben, ein Zuschussgeschäft ist – der Aufwand, den der Staat trägt, ist zu hoch, die Rendite geht an Privat. Dasselbe gilt für den NATO-Krieg in Afghanistan, trotz aller Bodenschätze und Opium-Ballen. Gewinn machen bei Kolonien wie in Afghanistan private Unternehmen, die den Staat die Lasten tragen lassen, während sie selbst abkassieren.
Der frühere US-Finanzminister und Publizist Paul Graig Roberts sagt mit Blick auf den militärisch-industriellen Komplex in den USA: „Für diesen Verbund privater und mächtiger Interessensgruppen hat der Krieg eine Rendite.“ Washington diene „dem militärisch-industriellen Komplex; die US-Demokratie ist eine Lüge, ein Betrug, ein Imitat.“    Florian Stumfall


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Kommentare

Christian R.:
29.08.2017, 12:17 Uhr

Es passt ins Schema der US-Amerikanischen Aussenpolitik. Wo Mord und Totschlag vorherrscht freut sich meist ein Dritter, wie der islamische Staat in Syrien oder die USA in Afghanistan.

Im Jahre 1961 machten die USA Druck auf Deutschland das erste grossangelegte Gastarbeiterprogramm mit der Türkei zu verabschieden, trotz aller schon damals geäusserter Bedenken bezüglich Lohnverfall und kultureller Inkompatibilität. Wenn man schon nicht durch Qualität bestechen kann, dann untergräbt man eben auf diese Weise seine Konkurrenz. Multikulti-Obama lobte Merkel für ihre hirnrissige Flüchtlingspolitik obwohl die USA selbst herzlich wenige Flüchtlinge aufnahmen. Es ist die Ermunterung zum nationalen Selbstmord im Gewand der Menschlichkeit.

Donald Trump wollte erfrischenderweise mal einen isolationistischen Kurs fahren, aber davon überzeugten ihn mittlerweile wohl andere dunkle Mächte. Ebenso müssen ihn wohl die Waffenlieferanten davon überzeugt haben dass ein friedliches Miteinander mit Russland doch lieber zu vermeiden sei.

Die jetzt sichtbare Destabilisierung Europas begann mit Entscheidungen die weit zurückreichen. Geostrategisch ist Europa im Nachteil. USA-Exportprodukte "Politische Korrektheit", "Multikulti", "Anti-Racism" als auch weitere Einmischung im Nahen Osten stellen sicher dass der Flüchtlingszustrom aus Teilen Asiens, Afrika und nahem Osten anhält und unsere eigene Bevölkerung ruhiggestellt wird.

Angesichts der expandierenden Massen kaum integrierbarer Neuankömmlinge ist aber so oder so an eine friedliche Rückführung bzw Lösung kaum mehr zu denken. Logistisch als auch juristisch völlig überfordert könnte Europa in eine Zone bislang ungekannter Destabilität versinken.

Doch wer anderen eine Grube gräbt fällt of selbst hinein. Denn so wie die USA handelt nur eine Gesellschaft die das Wohl der Gesamtheit ihrer eigenen Bürger schon lange aus dem Blickfeld verloren hat. Auch dort wird es sich rächen, brodeln und krachen, nur halt anders als in Europa.

Welcher Dritter freut sich wohl dann ? Wohl China, Japan, Australien und Russland.


Michael Herbst:
28.08.2017, 17:57 Uhr

Zitat:"Der frühere US-Finanzminister und Publizist Paul Graig Roberts sagt mit Blick auf den militärisch-industriellen Komplex in den USA:"

Der Mann heißt Craig, nicht Graig und er nicht US-Finanzminister, sondern stellvertretender Finanzminister.

Dem Artikelinhalt stimme ich zu.


Siegfried Hermann:
28.08.2017, 12:11 Uhr

Rohstoffe im Wert von 800 MRD.
Das ist doch alles eine Milchmädchenrechnung!

Ursprünglich waren es russischen Prospektoren und Landvermesser, die in den 80zigern Jahren tätig waren. Darauf beruhen die heutige "Ergebnisse".
Der eigentliche Grund VOR 2001 in Afghanistan einzumarschieren, war der Wunsch der US-Petro-Industrie im Westen des Landes riesige Erdöl- und Erdgas-pipelines von den zentralasiatischen Lagerstätten bis an den indischen Ozean zu verlegen.
Die Taliban lehnten das ab. Der Rest ist Geschichte.
Der Drogenanbau ist wie angesprochen, im Augenblick der wichtigste Aspekt für die US-Anwesenheit, um dunkele CIA-Kanäle zu mitfinanzieren.

Bei den Rohstoffen sieht das komplizierter aus.
1. Mischt im Hintergrund die chinesische Scheckbuch-Diplomatie im großen Stil mit. Aus den Verständnis der Chinesen heraus ist die ganze zentralasiatische Region traditioneller Handelspartner.
2. Sind die Bodenschätze auf Grund der Topologie schwierig abzubauen, heißt es kostet Unsummen an Investitionsgelder, bevor überhaupt gewinnbringend produziert werden kann.
3. Es fehlt die komplette Infrastruktur.
4. Nach 2001 haben sich die GL´s unter den Afghanen eben keine Freunde gemacht.
5. Wie viele MRD. Dollar, oder doch schon BILLION Dollar wurde seit 2001 in Afghanistan noch sinnfrei verballert!!??
6. Der Wert an "Investitionskosten" übersteigt schon jetzt den Wert der Rohstoffe. Buchhalterisch und betriebswirtschaftlich macht das keine Sinn für US-Konzerne hier ein gewinnbringendes Geschäft zu wittern.
7. Es ist also wesentlich billiger aus dem Land abzuziehen, sollen sich die Afghanen selber die Köpfe einschlagen und dann an der Grenze die Rohstoffe mit allen viertellegalen Mitteln und Methoden einkaufen. siehe Libyen.
8. Folglich liegt der Schwerpunkt der Intervention ganz wo anders als vorgegeben! Man will die Chinesen außen vor haben! Allein schon aus Repräsentation-und Imagegründen. Da spielt Steuer-Geld keine Rolle.
9. Die strategische Lage ist schon seit den Briten unbestritten.
Die Reichtümer, die in Zentralasien noch im Boden liegen übertreffen die afghanischen peanuts bei weitem, Unruheprovinzen in Westchina sind in Schlagweite, wo man herrlich wie zu Nadschibull?h-Zeiten billig Aufstände anzetteln kann und die Straße von Hormus gerade ein paar Panzerfahrstunden entfernt ist.
Diese geo-strategischen Ziele sind so wichtig und verlockend, das die Rohstoffgewinnung quasi schmuckes Beiwerk sind.
Ergo:
Auch unter Trump werden die US-Strategen immer einen Grund finden, oder fabrizieren (wie 2001), dass sie allen Grund haben, das Land feindlich zu besetzen und auszubeuten. Die Besatzungskosten sollen schließlich irgendwie wieder reinkommen.
all business!
Das ist der einzige Punkt, wo sich die US-Administration treu und ehrlich ist.


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