»Hokuspokus malender Cagliostro« – Der Maler Gustav Klimt

14.02.18

Rechtzeitig zum 100. Todestag des herausragenden Wiener Jugendstilkünstlers Gustav Klimt (siehe PAZ v. 2.2.18)  ist eine neue Beschreibung seines Lebens und Schaffens erschienen. Die Verfasser Mona Horncastle und Alfred Weidinger nennen sie selbstbewusst „Die Biografie“. Es gibt zwar schon viele Lebensbeschreibungen des Künstlers. Aber Horncastle und Weidinger stellen im Vorwort fest: „Eine Klimt-Biografie, die auf Quellenstudien fußt und den aktuellen Forschungsstand kennt, die konnten wir nicht finden.“
Diese Vorzüge weist nun ihre vom Wiener Brandstätter Verlag veröffentlichte Publikation auf. Das mit historischen Fotografien sowie Abbildungen von Bildern Klimts ausgestattete Buch fasst Archivmaterial und Zeitzeugenberichte zusammen, setzt Leben und Werke des Malers zueinander in Beziehung, liefert Bildinterpretationen und stellt die vom Künstler porträtierten Personen vor. Dass die Biografie den neuesten Forschungsstand berücksichtigt, ist selbstverständlich. Denn Weidinger hat neben zahlreichen Publikationen über Klimt dessen Werkskatalog der Gemälde verfasst. Der jetzige Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig war zuvor Vizedirektor des Wiener Belvedere, welches mit dem berühmten Gemälde „Der Kuss“ (1907/08) und 23 weiteren Werken über die größte Klimt-Sammlung der Welt verfügt. Zu Horncastles Forschungsschwerpunkten gehört die von Klimt mitbegründete fortschrittliche Künstlergemeinschaft „Wiener Secession“.
Die Autoren stellen uns den Maler und Grafiker in 20 Kapiteln vor. Der 1862 geborene Gustav wuchs als zweites der sieben Kinder von Ernst und Anna Klimt in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Junggeselle, der mit mehreren seiner Modelle Kinder hatte, war seiner Familie eng verbunden. Nach dem Tod des Vaters nahm er die Mutter, einen Bruder und zwei Schwestern bei sich auf. Die Wohngemeinschaft mit den beiden unverheirateten Schwestern blieb bis zu seinem Lebensende bestehen.
Die Biografie betont: „Gustav Klimt wurde erfolgreich durch seine jüdischen Mäzene.“ Man habe seine Landschaftsbilder, erotischen Gemälde und Porträts daher auch als „Bankdirektorenkunst“ verspottet „und dabei verkannt, dass in Wien um 1900 Antisemitismus offen ausgelebt und diskutiert wurde. Das jüdische Großbürgertum machte ihn zu ihrem Porträtisten, weil er einer der wenigen Künstler von Rang und Namen war, die liberal genug waren, diese Aufträge anzunehmen, auch wenn das in der Folge andere Aufträge ausschließen würde.“ Einer der Aufträge entwickelte sich zu seinem berühmtesten Porträt: das „Bildnis Adele Bloch-Bauer I“ (1907), auch als „Goldene Adele“ bekannt.
Fast ebenso große Popularität genießt das „Bildnis Emilie Flöge“ (1902/03). Emilies Schwester Helene war mit Klimts Bruder Ernst verheiratet, der 1892 unerwartet starb. Gustav Klimt übernahm die Vormundschaft für die kleine Tochter seines Bruders und unterhielt engen Kontakt zur Familie Flöge. Zwischen Emilie und dem zwölf Jahre älteren Gustav entbrannte eine kurze, aber heftige Liebesaffäre. Anschließend blieben sie einander in lebenslanger Freundschaft verbunden. Horncastle und Weidinger nennen Emilie Flöge daher Klimts „Lebensmenschen“. Am 11. Januar 1918 erlitt der Maler einen Schlaganfall. Auf dem Krankenbett ordnete er an: „Die Emilie soll kommen.“ Am 6. Februar starb Klimt.
Er liegt auf dem Friedhof von Wien-Hietzing. Die Biografie zitiert die Abschiedsworte seines Weggefährten Arthur Roessler: „Dass man in Wien, der Stadt der sozusagen grundsätzlichen Missverständnisse, den Künstler Klimt zu Lebzeiten des Mannes Klimt für einen Hokuspokus malenden Cagliostro oder – ortsüblich ausgedrückt – für einen Kratky-Baschik hielt, wird natürlich nicht hindern, ihm, nunmehr er tot ist – in möglicherweise absehbarer Zeit – ein Denkmal zu errichten.“ Weit gefehlt. Auf sein Wiener Denkmal wartet Klimt bis heute.     Veit-Mario Thiede

Mona Horncastle, Alfred Weidinger: „Gustav Klimt: Die Biografie“, Brandstätter Verlag, Wien 2018, gebunden, 320 Seiten, 29,90 Euro


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.