»Ich bin also die Frau ...«

Ihren mutigen Protest bewunderten Millionen – Hier erzählt Uta Ogilvie ihre Geschichte

07.04.18
Mit Schild und „ein wenig Angst“: Selfie auf dem Jungfernstieg Foto: Ogilvie

Sie tat ebenso unerhörtes wie selbstverständliches: Uta Ogilvie, die mit ihrer Familie in einem kleinen Ort bei Hamburg wohnt, wagte es gegen Angela Merkel zu protestieren. Öffentlich! Auf Hamburgs berühmtester Flaniermeile, dem Jungfernstieg! Anfangs war sie allein, später folgten Hunderte. Weil das nicht sein durfte, wurden sie und ihr Vater beinahe zusammengeschlagen. Außerdem wurde ihr Haus überfallen. In zwei Ausgaben der Preußischen Allgemeinen Zeitung erzählt sie ihre Geschichte. Lesen Sie hier Teil Eins.
Mein Name ist Uta Ogilvie – wer sich fragt, woher der Name stammt – ich habe den Nachnamen meines Mannes angenommen und der hat schottische Vorfahren. Dass ich trotzdem als „böse Rechte“ gelte, habe ich wohl der Tatsache zu verdanken, dass ich öffentlich den Rücktritt der Kanzlerin gefordert habe. Wer das tut, muss fremdenfeindlich sein, sogar, wenn er selbst einen fremdländischen Namen trägt. Das ist heutzutage medialer Konsens und spricht Bände …
Ich bin also die Frau, die am 29. Januar auf die Straße gegangen ist. Hier, mitten in Hamburg auf dem Jungfernstieg, allein mit einem rosa Pappschild. „Merkel muss weg“ stand drauf. Warum ich das gemacht habe? Diese Frage kam häufig. Nun, früher war ich ein ganz unpolitischer Mensch, aber das begann sich vor ungefähr 15 Jahren zu ändern. 13 von diesen 15 Jahren hat Dr. Merkel maßgeblich geprägt. In dieser Zeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie als Kanzlerin eine echte Fehlbesetzung ist (siehe Kommentar). Zusammen mit den Querelen um die Regierungsbildung ergab das im Januar für mich ein Momentum, wie ich es in meiner Lebensspanne noch nicht erlebt habe. Das wollte ich mir zu Nutze machen. Und so kam ich am Sonntag, den 28. Januar – tatsächlich absolut spontan – auf die Idee, mit einem Schild auf den Jungfernstieg zu gehen.
Da ich als Mutter von Zwillingen zwangsläufig eine Frau der Tat bin, ging ich direkt am nächsten Tag los und besorgte alles Notwendige, um ein Schild zu basteln. Rosa musste es übrigens sein, weil ich gern mit den Geschlechter-Klischees spiele. Das regt die Gender-Fraktion so schön auf.
Die Bastelei zog sich über den ganzen Tag. Für ein wetterfestes Schild – mit Folie geschützt – braucht es erstaunlich viel Zeit. Gegen 20 Uhr fand ich mich am Jungfernstieg ein und lief los. Die Uhrzeit hatte ich gewählt, weil ich meinen Testlauf nicht gleich im vollen Gedränge starten wollte. Und ich gebe gern zu: Ich war aufgeregt. Sicherlich hatte ich auch ein wenig Angst. Aber davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen.
Oft wurde ich gefragt: Wie haben die Leute reagiert? Überraschend verhalten. Die meisten schauten betreten zur Seite, aber das kann ich keinem verdenken. Ich selber finde Leute, die allein mit Schildern durch die Gegend rennen auch tendenziell komisch. Im Ernst: Wer macht sowas schon? Trotzdem erhielt ich den ein oder anderen Zuspruch. Negative Reaktionen gab es ebenfalls, jedoch nur von zwei Personen. Regelrecht unspektakulär. Also nutzte ich die Zeit und machte ein Selfie mit dem Schild.
Das stellte ich auf meiner Facebook-Seite online. Auf der hatte ich im Januar eine noch überschaubare Anzahl von Freunden, vielleicht 250, eher weniger. Das waren hauptsächlich Leute, die ich persönlich kenne und mit denen ich mich auf diesem Netzwerk über Politik ausgetauscht habe. Die Überschrift zum Selfie lautete: Keine Ausreden mehr – auf die Straße!
Was soll ich sagen: Die Reaktionen im Netz waren wesentlich beeindruckender als die auf der Straße. Einer der Ersten, der sich daraufhin meldete, war Thomas Gardlo. Herr Gardlo ist in dieser Stadt kein Unbekannter – er hat sich als Türsteher und Bodyguard einen Namen gemacht. Ich wurde später häufig dafür kritisiert, dass ich ihm „gestattet“ habe, mitzumachen. Es wurde sogar – vom Verfassungsschutz! – behauptet, Herr Gardlo und seine Freunde stünden hinter der Bewegung.
Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Herr Gardlo stand neben mir, um mich zu unterstützen und vor mir, um mich zu beschützen! Ganz sicher aber stand er nicht hinter mir. Trotzdem habe ich sein Angebot gerne angenommen. Schauen Sie mich an – ich bin eine Frau! Es wäre doch dumm gewesen, seine Hilfe nicht anzunehmen.
Wie ging es weiter? Man bat mich, für den darauffolgenden Montag ordnungsgemäß eine Demo anzumelden. Das tat ich dann auch. Eine Woche später, am Montag, den 5. Februar, stand ich mit 60 bis 80 Leuten auf der Straße. Einer davon – wie erwähnt – mein Bodyguard Herr Gardlo. Der brachte dann ein paar seiner stabil gebauten Freunde mit. Die weniger Stabilen in meiner Gruppe fühlten sich daher ebenso sicher, wie ich mich.
60 bis 80 Leute! Das nennt man wohl „viral-gehen“, denn von denen kannte ich gerade mal vier persönlich. Der Rest muss im Netz auf die Demonstration aufmerksam geworden sein. Diese erste regulär angemeldete Veranstaltung vom 5. Februar war dann leider auch die letzte, die absolut friedlich verlief. Am nächsten Tag musste ich feststellen, dass die Antifa Wind von der Sache bekommen hatte. Wie genau, das weiß ich nicht. Vielleicht ist jemand auf Facebook über uns gestolpert. Ebenfalls gut möglich, dass man uns auf der Straße gesehen hat. Fest steht, dass die Antifa, also die linlsextreme Szene, viele Teilnehmer der Demo gründlich durchgescannt haben, so auch mich. Beim Internetnachrichtendienst Twitter, hieß es plötzlich, ich sei eine „rechtsradikale Neoliberale“ – was auch immer das ist.  
Von da an überschlugen sich die Ereignisse. In dem Augenblick, in dem mich die Nachricht erreichte, dass ich der Antifa bekannt bin, setzte ich mich ins Auto, fuhr zum Amt und ließ eine Auskunftssperre einrichten. Dann die nächste Überlegung – wie kann ich mich schützen? Spontan kam mir in den Sinn, den Kontakt zur Presse zu suchen. Das hatte ich bis zu dem Zeitpunkt abgelehnt. Ursprünglich wollte ich, dass die Demo organisch wächst und ich dabei langsam lerne, wie Widerstand funktioniert.
Doch dazu war es jetzt zu spät, daher der Strategiewechsel. Ab sofort suchte ich den Schutz der Gruppe, den ich mir durch eine möglichst große Bekanntheit erhoffte. Auch dafür wurde ich übrigens kritisiert. Ich würde den Ruhm suchen, hieß es. Ich würde mich mit den falschen Journalisten abgeben, sagte man. Was stimmt ist: In den kommenden Tagen gab ich ein Interview nach dem nächsten. Und zwar jedem, der den Mut hatte, diese Geschichte zu bringen. Was im Grunde alles über die sagt, die mich zu Wort kommen ließen: Das waren Leute mit Format, also solche, die keine Scheu haben, die Wahrheit zu sagen.
Was den Vorwurf angeht, ich hätte den Ruhm gesucht: Dazu können Sie gern meine Familie fragen – ich bin keine, die gern im Mittelpunkt steht. Ganz sicher hatte ich auch nicht vor, mit der Demo berühmt zu werden, es ging mir stets nur um die Sache: Merkel muss weg!  
Diese Aufmerksamkeit war für mich alles andere als schön. Dass ich jetzt einigermaßen damit umgehen kann, habe ich der harten Schule der letzten Wochen zu verdanken. Und die war wirklich hart für mich. An Schlaf war in dieser Zeit kaum zu denken. Wenn, dann hatte ich einen Alptraum nach dem anderen. Dieser Erschöpfungszustand erklärt vermutlich, warum ich den Anschlag auf das Haus meiner Familie verschlafen habe. Für meine beiden Kinder gilt das leider nicht. Dieser Anschlag erfolgte in der Nacht vom Sonntag, dem 11., auf Montag, den 12. Februar. Die Antifa hat dabei billigend Leib und Leben meiner Kinder riskiert.
Im zweiten Teil des Artikels in der nächsten Ausgabe der PAZ berichtet Uta Ogilvie vom Überfall auf ihr Haus und von der Verstrickung des Staates mit dem Linksextremisten. Außerdem: Warum Adrenalin ein echtes Wundermittel ist.

Warum ich demonstriert habe

Ein Kommentar von Uta Ogilvie

 

Für mich reiht Angela Merkel als Kanzlerin Fehler an Fehler. Ich möchte mich hier auf ihre vier größten Fehlentscheidungen konzentrieren: Da ist erstens der Umgang mit der Eurokrise. Bei Licht betrachtet begann sie zwar gleich mit der Einführung 2002. Offizieller Beginn ist aber das Jahr 2010. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, lautet ein Zitat von Angela Merkel aus dieser Zeit. Dieses Drohszenario nahm sie dann als Begründung für die Einführung des Euro-Rettungsschirms. Aber natürlich scheitert Europa nicht, wenn der Euro scheitert. Es ist vom Gegenteil auszugehen – in meinen Augen ist der Euro eine echte Gefahr für den innereuropäischen Zusammenhalt.
2011 folgte die Energiewende und damit Fehlentscheidung Nummer zwei. Denn ohne Energiespeicher ist eine Energiewende, die vor allem auf Wind und Sonne beruht, nicht möglich. Bei bedecktem Himmel oder bei Windstille bleibt der Strom aus. Eine praktikable Technik, ihn bei ertragreichen Wetterlagen zu speichern, gibt es nicht, ebenso wenig Anzeichen dafür, dass bald eine erfunden wird. Also ist eine komplette Energiewende nach Stand der Dinge nicht zu schaffen. Außerdem beruht sie auf einer zweifelhaften Grundannahme: Die Aussage des Weltklimarats, dass Klimaänderungen vorwiegend menschengemacht seien, ist nach wie vor wissenschaftlich nicht gesichert, auch wenn sie landläufig geglaubt wird. Aber selbst wenn sie stimmt, wäre das EEG, das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energie, ein falsches Instrument. Mit Laufzeiten von bis zu 20 Jahren ist dieses Finanzierungsprogramm planwirtschaftlicher als die Fünf-Jahres-Pläne der DDR. Wir alle wissen, wie die geendet ist.
Trotzdem muss Angela Merkel nach dem Einläuten der Energiewende einen echten Höhenflug gehabt haben. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum sie 2015 die Grenzen geöffnet hat. Damit bin ich beim dritten Punkt meiner Kritik: Seit gut zweieinhalb Jahren werden unsere Landesgrenzen nicht mehr kontrolliert. Für mich eindeutig ein offener Rechtsbruch. Mittlerweile bestätigt durch Verfassungsrichter Udo di Fabio. Doch auch ohne ein solches Gutachten weiß man intuitiv: Das ist nicht richtig. Zwar ist die Eurorettung rein finanziell eine deutlich größere Bedrohung für dieses Land. Aber noch bemerkt man davon nicht viel im Alltag. Die Flüchtlinge hingegen sind physisch präsent. Sie genießen Privilegien, die der einheimischen Bevölkerung verwehrt sind. Der soziale Frieden wird so auf eine ganz andere Weise belastet als durch die bisher noch eher abstrakten Folgen der unausweichlichen Euro-Katastrophe.
Dagegen nimmt sich nun Punkt vier auf meiner Agenda nahezu harmlos aus: Die Einführung der Verkehrswende. Sie ist ebenfalls für viele noch nicht real. Doch werden die Folgen gravierend sein. Nicht nur, was die Kosten angeht, die ähnliche Dimensionen annehmen werden wie die Energiewende. Mit Blick auf die Arbeitsplätze zeigt sich: Durch die Verkehrswende werden sogar mehr Arbeitsplätze vernichtet als durch die Energiewende. Nicht zu vergessen, dass ein Dieselverbot einer Enteignung der Fahrzeughalter gleichkommt.
All dies zusammen sind für mich genug gute Gründe von meinem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen. „Merkel muss weg“, habe ich auf mein Protestschild geschrieben, denn die Kanzlerin ist eine echte Fehlbesetzung.

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel erscheint diese Woche exklusiv in der Druckausgabe der Preußischen Allgemeinen Zeitung.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Carsten Engels:
13.04.2018, 11:22 Uhr

Sehr gut Frau Ogilvie, meinen tiefsten Respekt haben Sie. Es ist super, dass es von Montag zu Montag mehr Demonstranten in Hamburg und anderen Städten auf die Straße schaffen. Trotzdem frage ich mich, wo seid ihr, ihr jeweils hunderttausende Empörten in den sehr großen Städten. Rafft euch endlich auf, es ist schön zwölf!


Chris Benthe:
7.04.2018, 13:03 Uhr

Was Uta Ogilvie in Hamburg bewegt hat, ist unumkehrbar. Ich habe eine der aktuell stattfindenden Demos dort besucht, die immer größeren Zulauf erhalten. Mittlerweile beginnt auch in Bremen der Widerstand, der nun jeden Dienstag auf die Straße geht. Bremen hat eine nicht minder bedrohliche linke Radikalszene, die sich bereits gegen die dienstägliche Mahnwache aufrüstet.
Das haben wir als Aktive bereits letzten Dienstag zu spüren bekommen. Die Polizei schützt zwar während des Demonstrationsgeschehens, aber der Nachhauseweg und die Privatsphäre bleiben von diesem Schutz unberührt. Wir werden noch manche Bedrohung erleben, solange sich der hiesige Widerstand auf nur wenige Personen beschränkt. Wir machen trotzdem weiter, und es wird sich zeigen, wer am Ende Lehrgeld bezahlen muss.


Dietmar Fürste:
7.04.2018, 10:36 Uhr

Liebe Uta, allen Respekt vor Ihrem Mut und alle guten Wünsche für Sie und Ihre Zwillinge! Die Logik Ihrer Argumentation ist beeindruckend und Ihre Reaktion kann ich gut nachvollziehen, da mich der Lauf der Dinge in meiner Heimat ebenso umtreibt, wie Sie.

Allerdings würde ich auf Ihrem Plakat gerne eine Ergänzung anbringen, die verdeutlicht, dass es nicht nur um einen lediglich auf die Person Merkel beschränkten Protest geht, sondern um das durch ihr Handeln inzwischen etablierte System, welches die berechtigten Forderungen der meisten Deutschen nach mehr realer Mitbestimmung ausschließt, wie ein Vergleich mit der Schweiz unschwer erkennen läßt.

Die Tragik ist: Merkel ist nur die gewissenlos fremden Interessen dienende Marionette mit einer ihr von den West-Aliierten übertragenen Macht. Wäre sie weg, käme der nächste stromlinienförmige und gehorsame Vollstrecker auf ihren Platz und Nichts würde sich ändern, solange der wohlstandsgewohnte Wähler das auch wieder hin nimmt.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.