Immer mehr Deutsche fliehen ins Gold

Aktien und Immobilien stellen aus historischen Gründen für viele Bundesbürger keine Alternative dar

23.06.15
Immer mehr davon wechselt in die Hände deutscher Privatanleger und Pekings: Gold Bild: Getty

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt das Festhalten an Sparbüchern unvernünftig erscheinen. Der Kleinaktionär hat in Deutschland kaum Tradition. Auch das Eigentum an Immobilien ist im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Die große Alternative lautet Gold. Beim Investieren in dieses zeitlose Edelmetall sind die Bundesbürger führend.


Die Bundesbürger nahmen im ersten Quartal dieses Jahres 45 Prozent aller privaten Goldkäufe in den westlichen Industrieländern vor. In absoluten Zahlen erwarben Privatpersonen in Deutschland die stolze Menge von 32,5 Tonnen Gold. In den USA erwarben Privatpersonen lediglich 9,9 Tonnen, in Frankreich wurden sogar nur 900 Kilogramm verkauft.
Das Faible der Deutschen für Gold ist keineswegs ein neues Phänomen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Edelmetallhändler Heraeus die Vorliebe der Bundesbürger für Gold etwas genauer untersuchen lassen. Beziffert wurde die Goldmenge in hiesigem Privateigentum mit rund 8200 Tonnen. Im Schnitt verfügte im vergangenen Jahr damit jeder Deutsche über 18 Jahren über 121 Gramm physisches Gold. Gehalten wird das Edelmetall in unterschiedlichsten Formen, von Barren und Münzen bis zum Schmuck. Damit hielten deutsche Privatpersonen im vergangenen Jahr 4,7 Prozent der weltweit geförderten Goldmenge, so die Heraeus-Untersuchung.
Verständlicherweise ist in der angelsächsischen Wirtschaftspresse angesichts dieser Vorliebe der Deutschen für Gold mittlerweile die Frage aufgekommen: „Was weiß man in Deutschland, das man in anderen westlichen Ländern nicht weiß?“ Ein Blick in die Geschichte lässt vermuten, dass ein ganzes Bündel von Motiven vorliegt. Was Währungs- und Vermögensfragen angeht, mussten die Deutschen in den letzten 100 Jahren gleich mehrfach bittere Lektionen lernen. Eine einschneidende Erfahrung für das kollektive Bewusstsein war zweifellos das Jahr 1923 mit seiner Hyperinflation. Die Vertreibung aus Ostdeutschland, Enteignungen in der SBZ und der DDR sowie staatlich verordnete Zwangshypotheken im Nachkriegswestdeutschland haben gezeigt, dass im Ernstfall auch Haus und Grundbesitz keine Sicherheit bieten. Hinzu kommt die Erfahrung gleich mehrerer Währungsreformen, die Vermögen vernichtet haben. Aktuell ist es das Euro-Experiment, dass den Deutschen eine neue Erfahrung beschert.
Dass vor diesem Hintergrund hierzulande Gold für viele Menschen zu einer ultimativen Krisensicherung geworden ist, muss langfristig nicht einmal eine besonders schlechte Anlageentscheidung sein. Außerhalb der westlichen Länder ist weltweit nämlich eine starke Nachfrage nach dem Edelmetall zu beobachten – von Zentralbanken, aber auch durch Privatkäufe.
Mit Blick auf den Preis für das Edelmetall könnte vor allem China noch für einige Überraschungen sorgen. Das Verhalten Pekings gibt Experten schon länger Rätsel auf. Bereits vor einigen Jahren hat das Reich der Mitte Südafrika als weltgrößter Goldproduzent überholt und ist nach Indien inzwischen auch noch zum zweitgrößten Gold­importeur der Welt aufgestiegen. Offiziell weist Peking aber immer noch lediglich knapp 1500 Tonnen an Goldreserven aus. Vor diesem Hintergrund kann nur spekuliert werden, wie hoch die Goldreserven Pekings wirklich sind und was hinter Chinas Goldhunger steckt. Der Informationsdienst Bloomberg hält es für möglich, dass Chinas Zentralbank bereits 3500 Tonnen Gold angehäuft und damit die Bundesbank bereits vom Rang zwei bei den Goldreserven verdrängt hat. Gut möglich ist, dass Peking noch in diesem Jahr aktualisierte Zahlen zu den Gold­reserven des Landes vorlegen wird. Abzielen könnte dieser Schritt auf mehr Einfluss beim Internationalen Währungsfonds, bei dem eine neue Festlegung der sogenannten Sonderziehungsrechte ansteht.
Auf ein mögliches langfristiges Ziel hat inzwischen ein chinesischer Finanzmarktanalyst hingewiesen. So könne China den US-Dollar zu Fall bringen, wenn das Land große Teile seiner US-Dollar-Reserven in Gold tauschen würde. Mit dem Kauf von 30000 Tonnen Gold könne man dies bewerkstelligen. Damit würde China eine Art „Goldbombe“ zünden, die den Status des Dollar als Weltleitwährung akut gefährden würde. Allerdings stellt sich die Frage, ob Peking, einmal abgesehen von seiner Fähigkeit dazu, überhaupt daran interessiert sein kann, den Dollar zu Fall zu bringen, besitzt es doch US-Staatsanleihen im Wert von rund 1,2 Billionen Dollar, die dadurch massiv an Wert verlieren würden.
Norman Hanert


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Kommentare

sitra achra:
23.06.2015, 11:36 Uhr

Ja, der alte Goethe: am Golde hängt...
Aber bitte nicht vergessen, das wertvolle, ästhetische Material sicher zu vergraben, bevor die hochgerüstete Finanzpolizei mit ihren Detektoren vor der Tür steht.
Auch sollte man prophylaktisch einen Foltererlebniskurs besucht haben und auf psychischen Druck beim hochnotpeinlichen Verhör nicht reagieren.
Besser wäre es allerdings, diesen fatalen Ort rechtzeitig unter Mitnahme seiner Penunzen zu verlassen.


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