Islamisten lauern

Syrien droht zweites Libyen zu werden – USA reagieren auf Machtverschiebung

08.02.12
Kämpfer der syrischen Befreiungsarmee: Bisher ist nur bekannt, gegen wen sie kämpfen, und nicht, was ihre Ziele sind. Bild: laif

So manchen mag es verwundern, dass die Arabische Liga, die bisher  eher nicht zu den Vorkämpfern für Menschenrechte zählte, das Gemetzel in Syrien nicht mehr ertragen kann. Skepsis ist angebracht.

In Syrien scheint sich fast aufs Haar zu wiederholen, was Libyen im vergangenen Jahr erlebte: Rebellen erheben sich gegen einen Diktator, der lässt brutal zurückschießen, bis er sich nicht mehr halten kann. China und Russland haben sich in den Augen der westlichen Regierungen und Medien diesmal indes gänzlich auf die Seite des „Schurken“ geschlagen, weil sie im UN-Sicherheitsrat eine Verurteilung des syrischen Regimes von Baschar al-Assad blockieren.
Dies wirft Fragen nach den strategischen Interessen der verschiedenen Mächte auf, die in der öffentlichen Wahrnehmung, wie so oft, hinter der Empörung über die Gewalt verschwinden.
Für Russland ist Assad ein wichtiger Verbündeter, weil er Moskau dessen einzigen Marinestützpunkt am Mittelmeer im syrischen Tartus gewährt hat. Genau dieser Stützpunkt ist Washington ein Dorn im Auge. Auch als Verbündeter des Iran und Chinas gilt Damaskus dem Westen als Störenfried in der Region.
Der Türkei stößt bereits die Religion des syrischen Diktators auf: Assad ist Alevit, eine muslimische Glaubensrichtung, der auch Millionen Türken und vor allem Kurden angehören und die in der sunnitisch dominierten Türkei seit Jahrzehnten diskriminiert wird. Die sunnitische, „gemäßigt islamistische“ Regierungspartei AKP sieht in den Aleviten eine Bedrohung der Türkei, da in ihren Augen Sunnit und treuer Türke zu sein untrennbar sind.
In der Arabischen Liga dominieren mittlerweile zunehmend radikalislamische Kräfte, die jüngst mit Hilfe der Umstürze in Tunesien, Ägypten und Libyen ihre Machtbasis mit westlicher Unterstützung massiv ausbauen konnten und auch im Jemen vor dem Durchbruch stehen. Die syrische Stadt Homs, das Zentrum der Rebellion, gilt nicht von ungefähr  als Hochburg der sunnitischen Islamisten Syriens.
Die Speerspitze der Islamisten bildet die international vernetzte Organisation der Muslimbrüder. Finanzier der globalen Radikalisierung ist das mit den USA eng
verbündete Saudi-Arabien. Saudisches Geld floss in die Kassen islamistischer, auch terrorver- dächtiger Gruppen von Bosnien bis Bali.
Aber warum unterstützen die USA eine Entwicklung, welche die radikalen Islamisten an die Macht bringt, aus deren Reihen doch ihre Feinde im „Krieg gegen den Terror“ hervorgingen? Womöglich, so ein Experte, will Washington vor allem auf der Seite jener Bewegung stehen, die aus ihrer Sicht ohnehin gewinnen werde. Kurzfristig mag dieses Kalkül für Washington aufgehen. Mittelfristig könnte es sich jedoch als hochgefährlich erweisen. Vor allem Europa und Israel dürften zu den Leidtragenden einer
solchen islamistischen Machterweiterung zählen. Hans Heckel


Kommentare

Peter Müller:
10.02.2012, 09:01 Uhr

Falsch!Assad ist keine Alevit sondern Alawit auch nicht zu verwechesln mit den Alawiden in Marroko.
Alawit kann man nur durhc Geburt werden und es ist eine Geheimreligion,die Wurzeln sind schon älter als der Islam.


W. Scholz:
13.02.2012, 11:45 Uhr

Hat sich schon mal jemand gefragt warum der Bericht der Beobachter der Arabischen Liga nicht den UNO Mitgliedern vorgelegt wurde! Etwa weil da so unschöne Dinge drinn stehen wie Metzeleien der Aufständigen an der Zivilbevölkerung (z.B. Bus beschießen). Und das Rußland und China sich nicht mehr über den Tisch ziehen lassen wollen wie im Fall Lybien (Flugverbotszone einrichten als Erlaubnis zum bomben benutzt und Soldaten anlanden die sich auch noch erwischen lassen) ist auch zu verstehen. Nach den Statuten der UNO kann sie nur eingreifen im Falle der Störung des Weltfriedens. Das ist in Syrien ebenso wenig der Fall wie in Lybien. Wer aber wissen will was dahintersteckt der schaue sich die ORF Sendung <Die Revolutionsprofis> auf Youtube an - Und es gingen ihnen die Augen auf! In den arabischen Ländern gibt es zwar keine Demokratie aber sind wir uns sicher selbst eine zu haben angesichts von Nichtbefragung wg. Lissabon Vertrag, Kommissaren (sic!) und dem ESM-Gouverneuren? Aus dem ESM kommen wir rechtlich nie wieder raus weil eine Kündigung nicht vorgesehen ist - wie urdemokratisch! Mann kann ja auf den einzigen Großzahler auch nicht verzichten. Wenn unser Parlament nur noch ein EU-Abnickverein ist weil nach eigenen Aussagen 85-90% der verabschiedeten Gesetze aus Brüssel kommt die nur umgesetzt werden. Und beim schäbigen Rest machen sie noch jede Menge 'handwerkliche Fehler'!


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