Ist der Absturz vorhersehbar?

Jahrelang wurde die Digitalwährung Bitcoin belächelt – Nun erlebt sie einen Höhenflug

06.06.17
Mit Bitcoins kann man nicht nur im Internet zahlen: Steve Kalcanides in seiner Pizzeria Jersey City Bild: ddp images

Ungeachtet ihres derzeitigen Höhenflugs sagen Experten einen Absturz der Digitalwährung Bitcoin voraus.

Jährlich feiern Anhänger am 22. Mai den „Bitcoin Pizza Day“. Vor sieben Jahren schrieb Laszlo Hanyecz, ein Programmierer aus Florida, in einem Internetforum, er biete 10.000 Bitcoins, wenn ihm jemand zwei Pizzen liefern lasse. Die Legende besagt, dass dieses Geschäft tatsächlich zustande gekommen ist. Es soll der erste Transfer mit der digitalen Währung gewesen sein. Die 10.000 Bitcoins von damals hatten einen Gegenwert von 25 US-Dollar, heute wären sie mehr als 20 Millionen Dollar wert. Der Preis eines Bitcoin ist kürzlich erstmals über 2000 Dollar gestiegen. Damit ist ein einzelner Bitcoin derzeit wertvoller als eine Feinunze Gold, die gut 1250 Dollar kostet.
Die Digitalwährung wird in komplizierten Rechenprozessen erzeugt und auf Plattformen im Internet gegen klassische Währungen gehandelt. Um Bitcoins zu kaufen, müssen sich Interessierte auf virtuellen-Marktplätzen wie bitcoin.de oder MtGox.com anmelden. Dann erhält man eine Art Online-Postfach, in dem man die gekauften „Devisen“ aufbewahrt. Auf diesen Marktplätzen des weltweiten Netzes kann man die Devisen auch wieder verkaufen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen unterliegt der Bitcoin keiner Kontrolle durch Staaten oder Notenbanken. Wie bei Aktien wird auch der Kurs von Bitcoins stark von der Aktualität bestimmt. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, sind derzeit wohl zwei Faktoren für den Aufschwung verantwortlich. Zum einen habe Japan Bitcoins kürzlich zum offiziellen Zahlungsmittel erklärt. Das Land gilt weltweit als zweitwichtigster Markt für Bitcoins. Anleger hoffen nun, dass weitere Staaten dem Vorbild Japans folgen und Bitcoins und andere Digitalwährungen als Zahlungsmittel einführen. Zum anderen könnte es bald einen Fonds geben, mit dem Anleger auf den Bitcoin-Kurs spekulieren können.
Es gibt allerdings auch Risiken. In den vergangenen Jahren ist der Kurs der Währung mehrfach stark eingebrochen, was meist die Folge von Hackerangriffen auf große sogenannte Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder auch BitFinex war. Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele warnt daher vor einer zu großen Euphorie. Der Bitcoin sei „kein geeignetes Medium“, um Werte aufzubewahren. „Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Spekulationsobjekt, dessen Wert sich rapide verändert“, sagte er gegenüber dem Internetportal der „Tagesschau“. Hinter der Währung stehe praktisch nichts. Alleine der Glaube, dass sie eine Zukunft habe, rechtfertige eine Aufwertung. Den starken Preisschwankungen zum Trotz hat das Zahlungsmittel aus dem Netz für Millionen Menschen eine gewisse Attraktivität. Und mehrere Krisen hat die Währung auch schon überstanden. Am Alltag der allermeisten Menschen rollt der Rubel allerdings vorbei. Die Europäische Bankenaufsicht prüft seit Jahren, in welcher Form die virtuellen Währungen reguliert und beaufsichtigt werden sollten. Bisher aber ohne wirklichen Durchgriff. Gleichzeitig fordert die Aufsichtsbehörde Nutzer des immer populärer werdenden Internetgeldes eindringlich auf, sich mit den damit verbundenen Risiken vertraut zu machen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) plädierte bereits im vergangenen Herbst für eine scharfe Regulierung von sogenannten Kryptogeldern. Starke Kursschwankungen, Geldwäsche-Gefahr durch anonyme Geldflüsse sowie mögliche Nutzung zur Terrorfinanzierung sind dabei die Hauptargumente. Die EZB fürchtet aber auch, dass eine verstärkte Nutzung solcher Währungssysteme die Macht der Zentralbanken untergrabe, Geldmengen zu steuern und Preisstabilität herzustellen. Die aktuelle Nutzung lasse ein solches Szenario allerdings erst einmal nicht befürchten. Besonders stark nachgefragt wird die Digitalwährung aktuell aus China. Dort umgehen Anleger Kapitalverkehrskontrollen durch Investments in die staatlich nicht kontrollierte Bitcoin-Währung.
Laut dem Branchenportal „btc-echo“ gibt es in der Bundesrepublik Deutschland dagegen bislang nur etwas über 100 Unternehmen, die den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. In Österreich und der Schweiz sind es zusammengerechnet knapp 20 Firmen. Kritiker führen außerdem an, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Entstehung der Onlinewährung erinnert schließlich auch ein bisschen an eine Räuberpistole. Als Urheber des Konzepts gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt, ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Spekulationen gab es viele. Laszlo Hanyecz hat seine Kontakte aus der Gründerzeit der Bitcoin-Szene bis heute nicht offengelegt. Im vergangenen Jahr hatte der australische Geschäftsmann Craig Steven Wright behauptet, er habe die virtuelle Währung erfunden und unter dem japanischen Pseudonym vertrieben. Wright hatte englischen Medien Daten vorgelegt, die ausschließlich ein entsprechendes Insider-Wissen bestätigten. Allerdings mehrten sich anschließend Zweifel an dieser Darstellung. Pizza-Besteller Lazlo Hanyecz hat sich bisher nie dazu geäußert, ob er die Identität seiner damaligen Bezugsquelle kenne.    
    Peter Entinger


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

József Bálint:
24.06.2017, 13:30 Uhr

@ Wolf Kaiser
Danke erstmal für die Antworten. Ich habe wirklich keine Ahnung, daher die detaillierten Fragen.

Meine Einstellung zum Leben: Skepsis, Skepsis. Erlauben Sie mir daher weitere Fragen:
"Lange Rechenzeiten, große Serverfarmen, aufwendige Berechnung."
Das ist für mich irgendwie spanisch. Wer ist der Besitzer dieser Rechnerfarmen? Wer ist derjenige, der durch diese aufwendige Verfahren Bitcoin aus dem Nichts schöpft? Ist das eine Einzelperson? Eine selbsternannte Gruppe? Wie viel kostet die Herstellung eines Bitcoins? Gold aus dem Golderzen herzustellen, ist wahrscheinlich noch aufwendiger. Trotzdem wird der Wert des Goldes nicht dadurch bestimmt, sondern dadurch, was die Allgemeinheit bereit ist, für eine Unze oder 1 g zu zahlen. Also, es gibt ein weltweites allgemeines Vertrauen, sowohl in Gold, wie auch in USD, CHF, EUR. Und dieses Vertrauen ruht nicht auf die Golddeckung, sondern darauf, dass wenn ich heute 100 EUR entgegennehme, morgen für diese 100 EUR etwas auch bekomme. Anders ausgedrückt, der Wert einer Währung hängt davon ab, wie viel Waren oder Dienstleistungen ich für 100 Einheiten bekomme. Da gab es mal jemand vor 80 Jahren, der hat das so ausgedrückt, der Wert der Reichsmark wir durch Arbeit gedeckt. Wenn die deutsche Wirtschaft leistungsfähiger ist, als die englische, dann kann sie mehr Waren für 100 Mark, oder EUR anbieten, als jene.

"Bitte über das technische System des Bitcoin informieren."
Möchte ich ja. Gibt es eine unabhängige Quelle? Nicht Eigenwerbung. Und sollte auch für Skeptiker, wie mich nachvollziehbar sein.

"Kurschwankung"
Eine geringfügige Kursschwankung kann ich akzeptieren. Was ich nicht nachvollziehen kann, und das unterscheidet die Erzeuger des Bitcoins von staatlichen Notenbanken:
Die staatliche Bank hat ein Interesse daran, die Notenpresse nicht übermäßig anzuheizen, weil dann die Wirtschaft kollabriert, siehe zwanziger Jahre. Und dann sprudeln auch die Steuereinnahmen nicht. Aber bei Bitcoin sehe ich eine solche Zwangssituation nicht. Eine schleichende Inflation gibt es in jedem Land der Welt. Also, ich frage nach wie vor:
Wie viel kostet die Herstellung eines Bitcoins, bzw. in welchem Zeitraum kann man einen Bitcoin herstellen? Ich habe bis jetzt angenommen, dass das die Sache von einigen Mausklicks ist, aber wenn Sie sagen, das ist ein aufwendiges Verfahren, dann muss ich das wohl glauben. Nachvollziehen kann ich das nicht, aber gut, ich schiebe für einen Moment meine Skepsis beiseite.
Aber wenn das so ist, dass selbst die Herstellung eines Bitcoins ein aufwendiges Verfahren fordert, dann ist das schon ein großer Nachteil. Einen Euroschein herzustellen kostet den Bruchteil eines Cents. Jetzt stellen Sie sich mal folgendes vor – vorausgesetzt, es stimmt, dass die Herstellung des Bitcoins ein aufwendiges Verfahren ist – jemand erfindet ein einfaches und billiges Verfahren, Bitcoin herzustellen. Ähnlich, wenn jemand ein neues Verfahren erfindet, Gold aus dem Golderzen zu gewinnen. Darf er das? Wenn nicht, wer hindert ihn daran? Gibt es ein Kontrollgremium, welches das überwacht? Wer delegiert die Personen in dieses Gremium?
Also, ich hoffe, Sie verstehen schon, das sind grundlegende Fragen, die zu beantworten nicht so einfach ist. Aber, wie gesagt, wenn jemand sie zufriedenstellend beantwortet, dann werde ich ein Fan von Bitcoin.


Wolf Kaiser:
22.06.2017, 17:27 Uhr

@József Bálint:

1. Bitcoins werden nicht "gedruckt", sondern durch aufwendige Berechnung generiert. Dies ist nur noch durch lange Rechenzeiten in großen Serverfarmen möglich und geht heute nur noch sehr langsam. Bei Euro oder Dollar kann die Zentralbank einfach sagen "wir werfen mal wieder ein paar Milliarden auf den Markt", drückt auf den Knopf, fertig.

2. Wodurch wird der Euro gedeckt? Das bisschen Gold was noch da ist deckt nicht einmal 0,1 Promille der in Umlauf befindlichen Geldscheine.

3. Bitte über das technische System des Bitcoin informieren. Manipulation oder schnelle Erschaffung von Bitcoins ist weitestgehend unmöglich. Im Gegensatz zu Euro oder Dollar, der einfach per Mausklick "generiert" (und dann ggf. auf wertloses Papier gedruckt) wird.

" zu dem Kurs umgetauscht wird, zu welchem ich ihn gekauft habe?"
Der Bitcoinkurs ändert sich wie bei jeder Währung. Sie bekommen heute für 1000 japanische Yen auch nicht mehr das Geld zurück, was Sie damals dafür ausgegeben hatten. In letzter Zeit ist der Kurs sogar stark gestiegen. Das kann sich auch wieder umkehren. Der Wert des Euro gegenüber dem DOllar ist allerdings auch in den leztzten Jahren stark gefallen.

"solange kein Staat dahinter steht, und dafür haftet"
Äh, ernsthaft? Wofür haftet denn der Staat? Selbst die Einlagensicherung für Bankkonten hilft nicht mehr, wenn es wirklich in Europa den Bach runtergeht. Und selbst die soll noch abgeschafft werden. Wir finanzieren mit dem Euro die Pleitestaaten Griechenland, Italien etc. mit. Alle Überschuldet. Alle Experten sagen, dass das System "Euro" in absehbarer Zeit zusammenbrechen wird. Deshalb sind ja alle so hinter den Bitcoins her, dass der Kurs so stark steigt. Klar kann der Wert auch wieder fallen. Aber den Euro (oder Dollar etc.) als "sicher" oder "staatlich garantiert" anzusehen ist extrem naiv.


József Bálint:
19.06.2017, 21:09 Uhr

Fü mich als Laien stellen sich folgende Fragen:
1, Wer druck das Bitcoin?
(Bei einer normalen Währung: die Notenbank in Staatseigentum.)
2, Wodurch wird das Bitcoin gedeckt?
3, Wer garantiert für den Wert des Bitcoins? Zum Beispiel, daß jemand nicht Falschgeld druckt.
(Bei einer normalen Währung: die gleiche Notenbank.)
Da es eine reine virtuelle Währung zu sein scheint: Wie kann man da Manipulationen in großem Stil verhindern?
Ich nehme an, an Bitcoins komme ich nur gegen realen Wert, oder gegen reale Währung an. Z.B. verkaufe ich ein Klavier, und irgendwo werden mir dafür 15 Bitcoins gutgeschrieben. Wer garantiert mir, daß mir mein Bitcoin-Vermögen jederzeit und zu dem Kurs umgetauscht wird, zu welchem ich ihn gekauft habe? Nicht, daß ich für 10.000,- € Bitcoins kaufe, und am Ende lachen alle über mich, und keiner will mir einen Cent dafür geben.
Also, solange kein Staat dahinter steht, und dafür haftet, und diese Fragen zufriedenstellend beantwortet, lasse ich die Finger davon. Wielleicht sind diese Fragen irgendwo schon beantwortet, nur bin ich einfach zu alt, zu dumm. Bitte in diesem Fall nur ganz kurze Antworten, Hinweise geben.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.