Jetzt kommen EU-Bürger statt Syrer und Afrikaner

Zuwanderung von Asylsuchern ist deutlich zurückgegangen, dafür steigt die aus EU-Mitgliedstaaten

16.05.18

Zum Jahresende 2017 waren rund 10,6 Millionen Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stieg die Zahl der registrierten Ausländer damit um rund 585000 beziehungsweise 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit befand sich das Wachstum der ausländischen Bevölkerung auf dem Niveau des Jahres 2013, also vor Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise.
Langfristig betrachtet lag der Zuwachs der ausländischen Bevölkerung über dem durchschnittlichen Anstieg der letzten zehn Jahre (plus 388000). Für die Entwicklung der Ausländerzahlen nach dem AZR im Jahr 2017 waren zwei Faktoren ausschlaggebend: Einerseits ein deutlicher Rückgang der Zuwanderung aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) und andererseits eine bereits länger anhaltende steigende Zuwanderung aus der EU, vor allem aus den Staaten der EU-Erweiterungen seit 2004.
Im Jahr 2017 stammten rund 5,92 Millionen der im AZR registrierten Ausländer aus Drittstaaten. Das waren rund 163000 oder 2,8 Prozent mehr als im Jahr 2016, als rund 5,76 Millionen registriert waren. Damit war der Anstieg deutlich geringer als noch 2016, als er 665000 beziehungsweise 13,0 Prozent betragen hatte. Das niedrigere Wachstum lässt sich auf eine geringe Nettozuwanderung (Saldo aus Zuzügen und Fortzügen) aus den Hauptherkunftsländern der Zuwanderer zurückführen. So betrug die Nettozuwanderung aus Syrien 2017 rund 61000 Personen (2016: 260000), dem Irak 17000 Personen (2016: 91000) und Afghanistan 5000 Personen (2016: 119000).
Die Zuwanderung aus EU-Mitgliedstaaten ist 2017 hingegen deutlich gestiegen und sorgte damit für ein überdurchschnittliches Wachstum der ausländischen Bevölkerung. Die Nettozuwanderung aus EU-Mitgliedsstaaten belief sich im Jahr 2017 auf 439000 Personen (2016: 277000). Dabei war die Zuwanderung aus der EU maßgeblich auf Staatsangehörige der Länder zurückzuführen, die seit 2004 der EU beigetreten sind. Die höchste Nettozuwanderung verzeichneten Menschen aus Polen (85000) und Rumänien (85000) gefolgt von Bulgarien (45000).
Die Entwicklung der letzten zehn Jahre verdeutlicht die steigende Bedeutung der Zuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedstaaten. Zwischen 2007 und 2017 ist die ausländische Bevölkerung mit der Staatsangehörigkeit eines neuen EU-Mitglied- staats von 919000 auf 2,6 Millionen gewachsen (plus 185,7 Prozent). Die größten Wachstums- raten über diesen Zeitraum hatten rumänische (plus 636,3 Prozent) und bulgarische (plus 563 Prozent) Staatsbürger.
Die regionale Verteilung der Ausländer aus den neuen EU-Mitgliedstaaten ähnelt jener der gesamten ausländischen Bevölkerung. Der Großteil ist in Bayern (21 Prozent), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (19,4 Prozent) und Baden-Württemberg (17,1 Prozent) registriert. In den mitteldeutschen Bundesländern (ohne Berlin) haben Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedstaaten mit 26 Prozent einen deutlich höheren Anteil als jene aus den alten EU-Mitgliedstaaten mit 7,8 Prozent.    J.H.


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