Jubel in Aleppo über die Befreiung

Verloren haben der Islamische Staat, die Al-Nusra-Front und deren westliche Verbündete

02.01.17
Nach Rückeroberung Ost-Aleppos: Assad-Anhänger im Siegestaumel Bild: pa

Auch wenn in den westlichen Medien der Eindruck erweckt wird, Aleppo sei restlos zerstört, und zwar durch die Vernichtungswut des eigenen Präsidenten und seiner russischen Helfer, gibt es noch ein anderes Bild der Stadt.

Im Zentrum hatten die christlichen Bewohner einen großen Baum geschmückt und feierten nicht nur das bevorstehende Weihnachten, sondern zusammen mit ihren moslemischen Nachbarn auch die Befreiung vom Terror der Islamisten.
Diese Befreiung allerdings ist für den Islamischen Staat (IS), die Al-Nusra-Front und die zahlreichen anderen extremistischen Gruppen ein schwerer, offen erkennbarer Rückschlag. Allerdings gibt es dort noch weitere, von den westlichen Staatsmedien nach Möglichkeit vertuschte, Kampfgefährten, für welche die Räumung des Ostteils der Stadt eine gelinde Katastrophe darstellt.
Es geht darum, dass russische Spezialeinheiten, die in die schon leeren Viertel von Ost-Aleppo einrückten, rätselhafte Funksignale auffingen. Als sie die Sache verfolgten, stießen sie auf einen perfekt getarnten und versteckten, riesigen Bunker, dem, als er geöffnet war, 130 Offiziere und Geheimdienstmänner entstiegen, die meisten aus Nato-Ländern, andere aus Israel, Saudi-Arabien und den anderen Golfstaaten. Insgesamt waren Militärs aus 22 Ländern dort, darunter auch aus Deutschland. Den Leuten war es soweit nicht schlecht gegangen, der Bunker enthielt Lebensmittel für mindestens ein Jahr und war mit leistungsfähigen Systemen ausgerüstet, die für Frischluft sorgten.
Baschar al-Dschafari, Syriens Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, las vor dem Sicherheitsrat eine ausgewählte Namensliste der Bunkerbesatzung vor und äußerte die Vermutung, dass deren Vorhandensein der Grund für die „hysterischen Aktivitäten“ im UN-Sicherheitsrat bei der Verbringung von Rebellen aus Ost-Aleppo sei.
Jetzt ist zu erwarten, dass sich die Frage nach der Rolle der Nato im Krieg gegen Syrien aufgrund völlig neuer Erkenntnisse stellt. Denn die Offiziere waren so unvorsichtig gewesen, sämtliche schriftlichen Unterlagen wie auch ihre Computer treulich aufzuheben, sodass dieses ganze Material unbeschadet von den Russen eingesammelt und mitgenommen werden konnte. Was die Offiziere selbst angeht, so befinden sie sich derzeit in der Obhut des syrischen Militärs, wo man sie sicherlich um Aufklärung darüber bitten wird, was es denn mit diesem Bunker auf sich gehabt haben mag. Immerhin kann das Geheimnis um den Bunker mit seiner hochkarätigen Besatzung eine Rolle bei den verschiedenen Verzögerungen des Abzuges gespielt haben. Denn es hätte ja im Interesse der Nato-Offiziere liegen müssen, dass sie unerkannt das Feld räumen können. Doch das ist nun misslungen.
Dabei hat die islamistisch-westliche Koalition die Niederlage kommen sehen. Schließlich haben der IS und seine Verbündeten in Ost-Aleppo an die 35000 Kämpfer verloren. Je unausweichlicher die Niederlage wurde, umso mehr steigerte sich die Propaganda, die den Krieg begleitete. Dabei wurde einem siebenjährigen Mädchen eine ungewöhnlich makabre Rolle aufgezwungen. Angeblich war es Bana al-Abed, so sein Name, die per Smartphone regelmäßig aus dem zerstörten Stadtviertel erschütternde Meldungen über ihr Leben gesendet haben soll – in perfektem Englisch. Auf Rückfragen in Arabisch aber antwortete das Mädchen nie. Der Hintergrund ist der, dass die Mutter des Kindes, eine Englischlehrerin mit offenbar mangelhaften Arabischkenntnissen, nicht im Stande war, in dieser Sprache zu antworten. Der Umstand, dass der Vater der Familie enge Beziehungen zum IS unterhält, rundet das Bild ab.
Eine zweite Säule der islamistischen Propaganda war Dr. Hamza al Khatib, ein Arzt, der in allen Krankenhäusern Aleppos Verwundete operiert zu haben scheint, obwohl er nur Allgemeinmediziner ist. Wo immer ein Kamerateam auftauchte – Dr. al Khatib war schon da. Allerdings sah man ihn auch auf Bildern mit Kämpfern der salafistischen Miliz Ahrar al-Scham, die sich schon 2011 gegen die Regierung erhoben hatte. Dort zeigte sich der Arzt mit seinen Freunden, die in Siegerposen ihre Maschinenpistolen in die Luft recken. Und es gibt auch ein Bild, das Dr. al Khatib zusammen mit Bana al-Abed zeigt, der Siebenjährigen mit den vorzüglichen strategisch-politischen Analysen in elegantem Oxfordenglisch.
Kurz nach der Befreiung Aleppos würdigte der syrische Staatspräsident Baschar al-Assad dieses Ereignis als ein Verdienst der Regierungsarmee und deren Verbündeter und nannte die Zurückeroberung einen „Sieg nicht nur Syriens, sondern auch derjenigen, die am Anti-Terror-Kampf teilgenommen hätten, darunter auch des Iran und Russlands“.  Allerdings ist allen Beteiligten klar, dass mit diesem Sieg der Krieg noch nicht beendet ist. Deshalb hat sich wenige Tage nach dem Ereignis der russische Außenminister Sergej Law­row mit seinen Amtskollegen aus der Türkei und dem Iran, Mevlüt Cavusoglu und Mohammed Dschawad Sarif, in Moskau zusammengetan, um die Möglichkeiten einer politischen Lösung zu besprechen.
Dieses Dreierbündnis zeigt ebenso wie der Ausgang der Schlacht um Aleppo, dass der Einfluss des Westens auf die Ereignisse in Syrien und im gesamten Nahen Osten schwindet. Der „regime change“ (Regimewechsel) ist gescheitert. Stellvertretend für die ganze EU und ebenso wie die USA zieht der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen daraus die Konsequenz: mehr Sanktionen gegen Russland.    Florian Stumfall


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Kommentare

Johannes Firzlaff:
5.01.2017, 02:52 Uhr

Der Spiegel ist 70 Jahre alt und die PAZ 67 Jahre jung!


Dietmar Fürste:
2.01.2017, 16:03 Uhr

Das dröhnende Schweigen unserer Staatsmedien zu den Agenten im Aleppo-Bunker und zu deren bisherigen Aufgaben wirft mehr Fragen auf, als den dahinter stehenden Diensten lieb sein kann. Es steht nun jedem frei, eigene Schlussfolgerungen aus dieser Entdeckung zu ziehen.

Als Vorstands-Mitglied der Atlantik-Brücke muss Röttgen natürlich seinem Herrchen Obama nachkläffen und ihn möglichst noch übertreffen. Dass neben den diplomatischen Kanälen auch über die Atlantiker - in vertraulichen Gesprächen, zu denen sie sich auf ihrer Homepage ganz offen bekennen - die Politik der Merkel-Regierung beeinflusst wird, darf als sicher angenommen werden.

Die spannende Frage ist, welche Standpunkt-Pirouetten diese NGO demnächst aufführen wird, wenn der atlantische Westwind mit Trump als Präsident plötzlich aus einer etwas anderen Richtung wehen wird? Es wird sicher spannend und verspricht ein interessantes Wahljahr zu werden!


Michel Deutsch:
2.01.2017, 09:32 Uhr

Mein lieber Herr Stumfall,
Sie sind ein Fall für die Amadeo-Stiftung, Herrn Maas oder dem VS, weil:
Sie entweder "postfaktisch" oder "Fake" berichten. Das wird Folgen haben - Sie Böser!
Wie können Sie es wagen, auf einer vorgestrigen Zeitung die Wahrheit zu verbreiten? Ich bin erschüttert ... aber machen Sie weiter so!


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