Jugendgewalt wächst stark

Besonders junge Zuwanderer fallen in Berlin immer häufiger auf

03.12.17

Die Jugendgewalt in der Hauptstadt stieg 2016 erstmals seit drei Jahren wieder. Die Zahl der Täter wie der Tatverdächtigen nahm zu. Junge Einwanderer haben einen deutlichen Anteil daran. Das zeigt der vierte Jahresbericht der Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention, der am 21. November vorgestellt wurde. Auffällig: Der Wert von 1851 nichtdeutschen Tatverdächtigen 2015 stieg auf 2464 im Jahr darauf. Der Bericht zählt insgesamt 8892 Verdächtige (acht bis 21 Jahre), davon 4467 Deutsche, 1638 mit Immigrationshintergrund und 2464 Ausländer. Leichte Körperverletzungen machen den größten Teil des Anstiegs aus.
In der Politik wird die Gewalt von Ausländern oft mit dem unsicheren Aufenthaltsstatus in Verbindung gebracht. 2015 gab es in der Gruppe 392, 2016 schon 817 Verdächtige. Vor allem das soziale Umfeld zähle, da in „besseren“ Stadtteilen Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre deutlich weniger einschlägige Taten verübten. Körperverletzungen an Schulen sind laut einer Studie stark angestiegen – um zehn Prozent von 2015 auf 2016, Beleidigungen noch mehr. Schon im Februar plante der Senat, die steigende Kriminalität junger Zuwanderer mit einem vorbeugenden Programm über eine Million Euro einzudämmen, verantwortet von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Gewalt, Diebstahl und der Handel mit Drogen waren damals Bezirksämtern, Sozialträgern und Anwohnern aufgefallen.
Bis dahin kosteten die mehr als 2700 unbegleiteten, minderjährigen Zuwanderer, die ab 2015 nach Berlin kamen, nach Expertenschätzungen insgesamt 100 bis 200 Millionen Euro im Jahr – Bildung und Prävention eingeschlossen. Der Senat musste spätestens Anfang 2017 erkennen, wie wenig die Jugendhilfe greift, wenn junge Zuwanderer ins Bandenmilieu abgleiten.
Krisengespräche der Politik enthüllen, dass die Bekämpfung bestimmter Vergehen aufgrund der Zuwächse oft nur noch in „guten“ Vierteln greift. Der Senat will nun jedem Bezirk statt 135000 Euro 150000 Euro im Jahr zur Vorbeugung von Jugendgewalt einräumen – „sozialraumbezogen“. Zusammenhänge von Kriminalität und herkunftsbedingten Strukturen bleiben tabu. Die Aufklärung des ganzen Anstiegs von Jugendgewalt steht noch bevor: Berlins Bildungsverwaltung gibt die Zahlen an Schulen für 2016/2017 noch nicht frei – sie müssten noch „wissenschaftlich untersucht“ werden.     SG


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