Kapitalismus unter dem Aspekt der historischen Entwicklung betrachtet

11.07.18

Das Buch „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ ist sorgfältig recherchiert, verständlich formuliert, und wer die „Zeitreise“ durch die Wirtschaftsgeschichte mitmacht, wird von der Logik des Autors überzeugt sein. Dennoch wird der Beifall bei den „Intellektuellen“ ausbleiben, denn eines hat der Autor in seiner ehrlichen Pragmatik außer Acht gelassen: die geheimen ideologischen und im Idealismus verankerten Bindungen, wonach abstrakten Theorien Priorität vor der Realität eingeräumt wird, gebührend zu berücksichtigen. Der Sozialismus ist ohne das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx weder zu verstehen noch zu widerlegen.
Zitelmann versucht, seine Argumentation auf ein historisches Fundament zu stellen und betrachtet exemplarisch die Entwicklung in China („Von der Hungersnot zum Wirtschaftswunder“), in Afrika („Kapitalismus hilft Afrika besser als Entwicklungshilfe“), in der DDR, in Nord- und Südkorea, in England und den USA („Thatcher und Reagan reformieren England und Amerika“), in Chile und Schweden („Schweden – der Mythos vom nordischen Sozialismus“) und kommt abschließend zu dem eindeutigen Resultat: „Menschen geht es dort besser, wo wirtschaftliche Freiheit herrscht“.
Doch das Fundament habe ein Loch: Es fehle der „sowjetische Sozialismus“, der sich eindeutig auf die Philosophie von Karl Marx stützte und ebenso radikal wie brutal den Kapitalismus durch die „Herrschaft des Proletariats“ ersetzen und wie Marx das „Bürgertum“ abschaffen wollte. Der „Reichtum“ sollte durch eine Umverteilung von reich zu arm eliminiert und eine „klassenlose Gesellschaft“ etabliert werden.
So stellten sich viele Intellektuelle das Wirtschaftsleben vor. So argumentiert auch die UN: „Die reichen Länder müssen demnach den armen Länder etwas von ihrem Wohlstand abgeben und die reichen Menschen den armen.“ Es läge „nur am Egoismus und am mangelnden guten Willen der Reichen, wenn es immer noch so viele Arme gibt“.
Ist es Einfalt, Naivität oder nur ein grenzenloser Idealismus, der bei der Mehrheit der Intellektuellen den Blick für das praktische Leben trübt?
Schon Platon und Aristoteles war bewusst, dass das „Freiheits- und Gleichheitsprinzip“ nicht gleichzeitig in einer Demokratie verwirklicht werden können, dass „Gerechtigkeit“ nicht bedeutet, dass alle quantitativ das Gleiche haben. Wenn „Gleichheit“ auf allen Lebensgebieten gefordert wird, dann nur auf „Kosten der Freiheit“ bis hin zu Tyrannei und Knechtschaft in einer „sozialistischen Gesellschaft“.
An dem Experiment scheiterten die Sowjetunion und das maoistische China. Es wurde teuer bezahlt mit Millionen und Abermillionen von Toten. Natürlich hat diese Marx nicht direkt zu verantworten, aber er legte die ideologische Rechtfertigung dazu mit seinem „Kommunistischen Manifest“.
Auch wenn es vielen Intellektuellen und Sozialpolitikern widerstrebt, sie sollten sich überwinden und das Buch lesen, um die ideologischen Fesseln zu sprengen, mit denen sie sich selbst den Weg in die geistige Freiheit versperrt haben.     Wolfgang Thüne

Rainer Zitelmann: „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Eine Zeitreise durch fünf Kontinente“, Finanzbuchverlag, München 2018, gebunden, 283 Seiten, 24,99 Euro


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